Selmer Familie veranstaltet Benefiz-Auktion für Sturmopfer auf den Philippinen

Zerstörungen an der Küste von Cebu
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  • Foto: (Photo: Creative Commons, Rob Speta, Western Pacific Weather
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Der Super-Taifun Haiyan auf den Philippinen definiert eine neue Dimension von Naturkatastrophen. Die deutsch-philippinische Familie Thiesen Sagra aus Selm organisiert eine Kunstauktion, um einen Beitrag zur Nothilfe zu leisten.

Fatalistische Stimmung trotz nahender Katastrophe

Die ersten Zahlen, die mir aus dem Joint Typhoon Center in Honolulu aus dem Bildschirm entgegen starrten, noch bevor der Sturm auf die Philippinen traf, ließen meine Haare zu Berge stehen: Als Geowissenschaftler war mir nur allzu bewußt, was Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 380 km/h und "storm surges" (Sturmflut) bis zu 5,2 m bedeuten würden. Auf den Philippinen sahen viele der Menschen das anders. Auch auf der Insel Leyte, von der die Großmutter meiner Kinder stammt, begegnete man zumeist der Einstellung "Wir haben schon viele Taifune überstanden. Wir überstehen auch diesen." Niemand erklärte den Menschen dort, daß die Energie eines Sturmes mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit zunimmt. Niemand erläuterte ihnen, daß Haiyan damit 5 x stärker sein würde, als der Rekord-Wintersturm Kyrill, der im Januar 2007 große Teile Westeuropas verwüstete und zum Erliegen brachte.

Bevölkerung weitgehend unvorbereitet getroffen

Das völlige Versagen der Informationspolitik der philippinischen Regierung resultierte darin, daß die Bevölkerung weitgehend unvorbereitet getroffen wurde. Evakuierungsaufforderungen wurden ignoriert, Gebäude nur unzureichend gesichert und Schutzräume kaum genutzt. Als Haiyan über das Land herfiel tat er dies nicht nur mit der fünffachen Wucht des Wintersturms Kyrill, sondern traf überdies zusammen mit einer tsunamiartigen Sturmflut auf eine zergliederte Inselwelt aus tausenden von Inseln. Im Gegensatz zu Westeuropa gibt es kein nationales Rettungssystem, kein technisches Hilfswerk, keines bestens ausgerüstete Feuerwehr in jedem kleinen Ort - von einem Netz aus Rettungshubschraubern ganz zu schweigen.

Zerstörungen unvorstellbaren Ausmaßes

In der betroffenen Region von den östlichen Inseln der Visayas quer durch die zentral-philippinische Inselwelt bis nach Palawan liegen ca. 3000 kleine und große Inseln. Die Gesamtfläche der betroffenen Region - Meeresflächen zwischen den Inseln mit gerechnet - ist vergleichbar mit der Deutschlands. Straßen, Bahnlinien, Häfen, Flughäfen und öffentliche Einrichtungen sind stark beschädigt oder zerstört, Wohnbebauung und technische Infrastruktur sind vielerorts weitgehend vernichtet. Dasselbe gilt für den größten Teil der Ernte, für Plantagen, Wälder, Industrieanlagen. Mindestens 11 Millionen Menschen stehen derzeit ohne Lebensgrundlage da. Die 190.000 Einwohner Stadt Ormoc, in der meine Schwiegermutter geboren und aufgewachsen ist, ist beispielsweise praktisch dem Erdboden gleich gemacht. Die Zerstörungen werden beschrieben wie "nach einem Flächenbombardement".

Hilfsmaßnahmen nie dagewesenen Ausmaßes

Ausnahmezustände benötigen außergewöhnliche Reaktionen: Weltweit ist eine gewaltige Hilfswelle in Bewegung geraten, die - dank des beherzten Einsatzes der Amerikaner an der weitgehend handlungsunfähigen Regierung vorbei - schnell und unbürokratisch Nothilfe in das Land bringt. Alle Länder der Region geben ihr bestes, um sich an der Hilfe zu beteiligen, und auch aus Europa - vor allem Großbritannien - kommt erhebliche Unterstützung. In Deutschland sind es vor allem private Hilfsorganisationen, die ihren Teil beitragen, und auch wenn grundsätzlich jede Hand gebraucht wird, ist dies aufgrund des Ausmaßes der Tragödie die Stunde etablierter und wohlorganisierter Hilfsorganisationen.

Was kann der einzelne tun?

Jeder kann einen kleinen Beitrag leisten. Wir selbst haben an UNICEF und die Duisburger Rettungsorganisation International Search and Rescue Germany gespendet, die ausgezeichnete Arbeit in der Nothilfe leistet. Sie betreibt ein Feldlazarett auf Leyte, in der Nähe von Tacloban. Darüber hinaus veranstalten wir eine Benefiz Kunstauktion zugunsten der Katastrophenopfer.

Benefiz Kunstauktion für die Opfer von Haiyan

Wir haben uns entschlossen unseren seltenen Kunstdruck "Sanctuary" des Hawaiianischen Künstlers "Christian Riese Lassen" zugunsten der Taifun-Opfer zu versteigern. Das Bild wurde 1992 von den Vereinten Nationen anlässlich des Umweltgipfels in Rio in Auftrag gegeben. Es vermittelt ein Gefühl für die Zusammenhänge der Natur, von Sternen und Planeten bis zum Wasserkreislauf, Meerestieren und Korallenriffen - ein Gleichgewicht, daß der Mensch des Anthropozäns empfindlich zu stören begonnen hat. "Wirklichkeit ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört daran zu glauben" sagte einst Philip K. Dick. Wirklichkeit ist, daß - völlig unabhängig von der Propaganda durch Lobbygruppen und Politiker im Korsett vermeintlicher Sachzwänge - die globale Umwelt sich rapide verändert. Umwelt bedeutet aber Welt, und Katastrophen wie die in den Philippinen und zeitgleich in Puntland werden häufiger. Sie beginnen jetzt bereits an der Widerstandsfähigkeit unserer Welt zu zerren. Noch aber können wir helfen. Mehr Informationen und einen Link zur Auktion, die noch bis Freitag Abend dem 22.11. läuft, finden sich auf meiner Webseite unter "www.thiesen.info"

Autor:

Stefan Thiesen aus Selm

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