Verein für Denkmalpflege freut sich über Förderung und stellt auch eine erste Schrift zum jüdischen Leben in Sonsbeck vor
Info-Stele auf dem jüdischen Friedhof in Sonsbeck und ein Tipp für Studenten

In Sonsbeck wird u.a. auch hier an die Vergangenheit erinnert: Eine schlichte Gedenktafel erinnert an den Betsaal der jüdischen Gemeinde in Sonsbeck.
  • In Sonsbeck wird u.a. auch hier an die Vergangenheit erinnert: Eine schlichte Gedenktafel erinnert an den Betsaal der jüdischen Gemeinde in Sonsbeck.
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Den Tag des offenen Denkmals hat der Verein für Denkmalpflege Sonsbeck genutzt, um auf dem jüdischen Friedhof in Sonsbeck eine Info-Stele vorzustellen, die der Verein mit Hilfe des Förderprogrammes „Heimat – Scheck“ des Landes NRW errichtet hat. Außerdem hat der Verein eine neue Schrift in die Öffentlichkeit gebracht, die sich mit dem „jüdischen Leben in Sonsbeck“ beschäftigt.

Der ehemalige Vorsitzende des Vereins für Denkmalpflege Heinrich Kerstgens hatte sich viele Jahre darum bemüht, das jüdische Leben in Sonsbeck in das Bewußtsein der Bevölkerung zu tragen, weil er der Auffassung war, dass dieser Teil der Sonsbecker Geschichte nicht genügend Beachtung fand.

Darum hatte er vor einigen Jahren initiiert, dass an dem Haus Hochstraße 31, in dessen inzwischen abgerissenen Hinterhaus sich der ehemalige Betsaal der jüdischen Gemeinde Sonsbeck befand, ein entsprechendes Hinweisschild angebracht wurde. Da es aber zum jüdischen Leben in Sonsbeck kaum bzw. keine zusammenhängende schriftliche Ausarbeitungen gibt, verlief die weitere Aktivität zunächst einmal im Sand.

Förderung aus dem „Heimatscheck“

Nun hat der Verein für Denkmalpflege Sonsbeck die Chance genutzt und sich erfolgreich um eine Förderung aus dem Förderprogramm „Heimatscheck“ des Landes NRW bemüht. "Wir haben im letzten Jahr am 19. Dezember 2019 unsere beiden Anträge gestellt und erhielten bereits am 23. Dezember 2019 die Zusage der Förderung.", heißt es seitens des Vereins.

"Was wollen wir mit diesem Projekt erreichen? Wir finden in Sonsbeck nur noch wenige Spuren der jüdischen Bevölkerung. Es gibt einen Ort, den man kennt, an dem bis Anfang des
19. Jahrhunderts ein jüdischer Friedhof bestand, er befand sich am Ende der heutigen Filderstraße innerhalb der alten Stadtmauern. Er musste - wie andere Friedhöfe auch - aufgegeben werden, weil die Bestattungsstätten nach außerhalb der Wohnbebauung angelegt wurden. Von ihm ist nichts mehr vorhanden, lediglich war dort vor dem Krieg noch eine Wiese, auf der Kinder spielen konnten und die man „Jüddewei“ bezeichnete.", so der Verein für Denkmalpflege weiter.

Der vorhandene Friedhof

Danach entstand der hier und heute noch vorhandene Friedhof, der auch die Zeit der Judenverfolgung im sogenannten „Dritten Reich“ überstand. Man hat überliefert, dass lediglich wohl die Grabsteine umgeworfen wurden. Und der dritte Hinweis ist der bereits angesprochene Betsaal im Haus Hochstraße 31.

31 Grabsteine und eine Ausarbeitung

"Wir haben in unserem historischen Rundweg, den wir vor nun fast schon 10 Jahren eingerichtet haben und der zu 18 historischen Stätten und Gebäuden in Sonsbeck führt, natürlich auch diese drei auf das jüdische Leben bzw. Sterben hinweisenden Orte mit in diesen Rundweg aufgenommen.
Nun wurden wir häufig angesprochen, was es denn mit den 31 Grabsteinen auf dem Friedhof auf sich habe, was die Schrift und die Symbole darauf bedeuten würden und wer überhaupt dort seine letzte Ruhestätte gefunden habe. Es gibt zwar eine Ausarbeitung von Dieter Peters, Aachen aus 2002, die den jüdischen Friedhof von Sonsbeck beschreibt. Aber diese Ausarbeitung ist im Buchhandel nicht zu erwerben.", heißt es seitens des Vereines.

Info-Stele gibt Antworten

So kam die Idee, auf dem Friedhof eine Informations-Stele zu errichten, die zu diesen Fragen Antworten geben könnte. Es fehlten allerdings die finanziellen Mittel. "Unser Verein ist auf Spenden angewiesen und hat keine größeren Rücklagen für derartige Aufwendungen. Dennoch haben wir uns mit dem hiesigen Steinmetzmeister Reiner Weber zusammen gesetzt und überlegt, wie wir denn zu einem Ergebnis kommen könnten. Dann haben wir uns eine ähnliche Info-Stele auf dem Ehrenfriedhof hier in Sonsbeck angesehen, in der in einer Kassette sich eine Liste mit den Namen der auf dem Ehrenfriedhof bestatteten Gefallenen aus dem 2. Weltkrieg befindet.", heißt es weiter.
 

Förderungen für Zwecke der Heimatgeschichte

Dies war die erste Idee einer Gestaltung für die Info-Stele des Vereines für Denkmalpflege Sonsbeck. Und dann kam das Zeichen aus Düsseldorf, dass es für Zwecke der Heimatgeschichte Förderungen ausgelobt wurden. So konnte der Verein für Denkmalpflege Sonsbeck in die konkrete Planung gehen.

Reiner Weber machte sich Gedanken, nahm auch die Ausführung der Stele auf dem Ehrenfriedhof auf, und so entstand letztlich die aktuelle Info-Stele.

Wenn man nun an der Stele die Klappe der Kassette aufmacht, erhält man die Informationen, die im wesentlichen durch Dieter Peters, wie oben erwähnt, ausgearbeitet wurden. Das sind die Beschreibung jeder einzelnen der 31 Grabstätten, die Namen der Bestatteten und die Bedeutung der Symbole auf den Grabsteinen.

Raus aus der Anonymität

"Wir sind der Auffassung, dass die uns zugefallene Förderung über den „Heimatscheck“ hierfür überaus passend ist. Die ehemaligen jüdischen Einwohner/innen von Sonsbeck treten aus ihrer bisherigen Anonymität, die fühlten sich hier wohl zu Hause, denn nur dort, wo man seine Heimat hat, wird man auch einen Friedhof errichten, auf dem die Toten eine letzte Ruhestätte finden. Wir sorgen mit dieser Info-Stele dafür, dass nunmehr die bisher unbekannten Toten, man kann auch sagen Heimatlosen, eine echte Heimat gefunden haben, denn namenlos ist auch heimatlos, und die Namen sind nun für jeden Interessierten vorhanden.", schreibt der Verein für Denkmalpflege Sonsbeck stolz.

Schrift „jüdisches Leben in Sonsbeck“

In diesem Zusammenhang hat der Verein versucht, die wenigen Informationen, die man in verschiedenen Veröffentlichungen über die Juden in Sonsbeck finden kann, zusammen zu führen und hieraus ein Büchlein zu schaffen, das der Verein ebenfalls vorstellte und fügt hinzu: "Daraus ist zwar kein wissenschaftliches Schriftstück entstanden, denn es wurde nicht bis ins letzte Archiv gesucht, aber es liegt zum ersten Mal eine Schrift vor, in der das wenige Wissen und die wenigen Spuren des jüdischen Lebens in Sonsbeck, das 1943 mit der Ermordung des Ehepaars Rieke und Albert Marcus im KZ bei Riga endete, dargestellt wird.

Thema als Anreiz für Studenten

Vielleicht gibt es ja nun einen Anreiz, dass sich ein Student mit diesem Thema befasst und sein Doktorvater ihm den Auftrag gibt, hier sein Thema für seine Examensarbeit zu finden. "Darüber würden wir uns natürlich sehr freuen. Wir wollen entsprechende Kontakte knüpfen.", bietet sich der Verein für Denkmalpflege Sonsbeck an.

Inhalt und überraschende Erkenntnisse

Was finden Sie in dem Büchlein? Neben den Grußworten von Bürgermeister Heiko Schmidt und dem Vorstandsvorsitzenden des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Nordrhein Dr. Oded Horowitz finden interessierte Leser ein Abhandlung über das jüdische Leben in Sonsbeck, seit nachweisbar 1432 bis eben 1943. Dann werden die beiden jüdischen Friedhöfe beschrieben, die neue Info-Stele findet ebenfalls Erwähnung. Beigefügt ist ein Namensverzeichnis der Gräber auf dem Friedhof und eine Quellenangabe der Fundstellen für dieses Buch.

"Auch damit glauben wir dem Wunsch unseres ehemaligen Vorsitzenden Heinrich Kerstgens, das vergangene jüdische Leben in Sonsbeck mehr in den Focus zu stellen, wieder einen Schritt näher gekommen sind.", so der Verein.

Es finden sich einige überraschende Erkenntnisse in diesem Büchlein, das für 5 Euro im Rathaus und im „Bücherbogen“ zu erwerben ist.

Autor:

Lokalkompass Wesel aus Wesel

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