Gotha live
So wichtig kann Vergangenheit werden

Das Ehepaar Wick fühlte sich sehr wohl in der Gruppe 26 der Gothaer Volkssolidarität. Als ich beide neben all den anderen kennen lernte, waren sie schon Jahrzehnte Mitglied und hatten erlebnisreiche Jahre, auf welche sie immer wieder gern zurück schauten.

Die „26“ war überall mit im Rennen, hatte auch eigene Gruppennachmittage, initiierte Lesungen war stets kulturell aktiv und quicklebendig. Traditionell die Weihnachtfeiern der „26“, auf der stets eine kleine Akkordeongruppe der Musikschule „Fröhlich“ ihr Können zeigte.

Nun kam ich hinzu und durfte jahrelang zwei kostenlose Veranstaltungen „Musikalisches LiteraturCAFÉ“ (in der zu erwartenden Vielfalt) sowie die Vorstellung von Personen unter dem Motto „Engagiert für Gotha . . . einmal privat“ organisieren und durchführen.

Mit zunehmendem Alter entschied sich das Ehepaar Wick, zu den Kindern zu ziehen und damit von ihrem „Gotha“ Abschied zu nehmen. (Mit den Jahren sind die „Alten der 26“ gestorben.) Meinerseits hielt und halte ich die Verbindung zu Wicks brieflich wie telefonisch aufrecht.

Nun starb vor wenigen Wochen der Ehemann. War es in seinem Ater zwar zu erwarten, so traf es mich doch auch gewaltig. Nun bleibt mir nur noch die Verbindung zu seiner blinden Frau, die es gewiss doppelt schwer haben dürfte.

Im jüngsten Telefonat kamen wir wieder auf ihre Zeit in Gotha zu sprechen.
Da es mit dem Lesen meiner Briefe immer schwerer ging – und nun gar nicht mehr geht - , wurden diese all die Jahre dem Ehepaar Wick von ihren Kindern vorgelesen. Dadurch efuhren diese immer etwas aus dem Leben ihrer Eltern, so dass sie sich deren Zeit in Gotha immer besser vorstellen konnten und sich stets auf diese Post besonders freuten.

Und, obwohl Frau Wick ja nichts lesen kann, vereinbarten wir, dass ich weiter über ihr und ja auch mein Gotha schreiben dürfe – sowohl aus der Gegenwart wie auch gemeinsam erlebter Vergangenheit. Werde sie damit die gedankliche Verbindung frisch halten, könnten auch die Kinder noch mehr aus dem Leben ihrer Eltern erfahren!

Das hat mich sehr beeindruckt und meinerseits zum Durchblättern all meiner Internetbeiträge (von 2008 an) veranlasst, in denen ich ja viel über das aktuelle Gotha geschrieben habe und es noch tue.
Bald werde ich Frau Wick wieder schreiben und damit auch meinerseits die Erinnerungen wach halten.

[Ins Internet schrieb ich:
2008-2011 ins „Tagebuch der TA“ (gibts nicht mehr / archiviert) //
2011-2017 in „meinAnzeiger“ (meine Beiträge redaktionell ausgelöscht / archiviert) //
und schreibe (alle Beiträge noch zu lesen):
seit 2011 im „lokalkompass“ //
seit 2012 in „my-heimat“]

Autor:

Uwe Zerbst (Gotha/Thüringen) aus Sprockhövel-Haßlinghausen

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