Nach einem Jahr: Endlich Anschluss unter dieser Nummer

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Endlich! nach fast einem Jahr und dem Gang in die Öffentlichkeit mit Hilfe von Kommunalpolitiker Erwin Peddinghaus hat es jetzt funktioniert: Familie Poet kann telefonieren und hat auch Internet.
 
Hans-Werner und Gitta Poet mit Erwin Peddinghaus (rechts) im Keller ihres Hauses vor der T-Com-Box der Telekom. Seit Monaten nutzen sie ein Smartphone. Dafür füllen die Schreiben der Telekom schon Ordner. Fotos: privat
Sprockhövel: Quellenburgstraße |

Es liest sich wie ein schlechter Scherz, doch lachen können Gitta und Hans-Werner Poet aus Sprockhövel darüber schon längst nicht mehr: Seit Mai 2016 wohnen sie in ihrem Haus an der Quellenburgstraße in Sprockhövel ohne Festnetzanschluss und Internet. Der umfangreiche Kontakt zur Telekom hat bis heute nicht zum Anschluss unter dieser Nummer geführt.

„Wir sind im Mai 2016 hier eingezogen“, berichtet Hans-Werner Poet. „Vorher haben wir in Wuppertal gewohnt. Da hat alles reibungslos funktioniert. Das Haus dort steht zum Verkauf und wir wollten unsere Telefonnummer mitnehmen. Deshalb haben wir sie auch bis heute nicht gekündigt und zahlen auch brav die Gebühren, obwohl wir seit Monaten nichts davon haben. Unser neues Haus an der Quellenburgstraße wurde 2011 gebaut, ein anderes daneben 2013. Unser Vorgänger hatte das Haus wegen der schlechten Breitbandnetzsituation in Schee über Satellit angeschlossen. Entsprechende Kabel für den Telefonanschluss sind aber vorhanden. Und die Telefonbox im Keller trägt die Aufschrift T-Com. Wir hatten bereits im März 2016 Kontakt mit der Telekom aufgenommen und den Anschluss beantragt. Die Telekom bestätigte uns dann, bis Anfang August 2016 sei alles fertig.“
Doch es geschah nichts. Mehrere Telefonversuche von Hans-Werner Poet über sein Smartphone zur Telekom scheiterten. Persönlich suchte man den T-Punkt in Niedersprockhövel auf, der sich für nicht zuständig erklärte. Auch beim Service-Center in Schwelm konnte man nicht helfen. Und beim T-Punkt in Wuppertal wurde das Ehepaar mit der Bemerkung abgespeist, ob sie nur hierhergekommen seien, um ihren Frust abzuladen. Helfen konnte ihnen niemand. Im Verlaufe weiterer Bemühungen schickte die Telekom die Antworten per E-Mail, die aber natürlich nicht vor Ort ankamen, weil es ja keinen Anschluss gibt. „Ich gehe immer zu einem Freund, wenn ich mal eine Mail versenden will. Und da lese ich dann auch die Antworten an mich“, erklärt Hans-Werner Poet.
Im September 2016 ein neuer Versuch: Familie Poet schickt einen neuen Auftrag an die Telekom für einen Anschluss Festnetz und Internet. Die Bestätigung kommt vier Wochen später. Vier Tage später trifft ein weiterer Hinweis ein: Wegen Neuverlegung des Anschlusses Herzkamp-Schee könne man erst im Januar 2017 tätig werden. Einige Zeit später trifft ein weiterer Hinweis ein, der eine Verschiebung auf Ende Februar 2017 ankündigt.
Bis zum heutigen Tag geht die Telekom offenbar davon aus, Familie Poet sei in ein gerade entstehendes Neubaugebiet gezogen und es müssten deshalb neue Leitungen verlegt werden. „Das aber stimmt nicht. Hier gibt es keine Baustelle und auch keine Baugrube“, so Hans-Werner Poet erbost. Mehrfach habe er dies mitgeteilt. „Aber stattdessen wollte die Telekom einen Lageplan meines Grundstücks, in den ich den Verlauf der Telekom-Leitung einzeichnen sollte. Ich habe keine Ahnung, wie die Leitung verläuft. Ich weiß nur, eine Telefonleitung kommt hier im Keller an, es gibt einen Anschluss und eine T-Com-Box. Das habe ich alles fotografiert und zur Telekom geschickt.“

Seit fast einem Jahr ohne Festnetz und Internet

Geholfen hat das nicht. Im Oktober 2016 besuchten Poets eine Infoveranstaltung zum Breitbandausbau in Herzkamp und Schee mit Mitarbeitern der Telekom. Es gibt nämlich einen Kooperationsvertrag zwischen der Stadt Sprockhövel und der Telekom zur Entwicklung des ländlichen Raums. Ein Glasfaserkabel zwischen Herzkamp und Schee wurde verlegt, um schnelles Internet zu bekommen. Familie Poet wäre froh, wenn sie überhaupt eines hätte.
Auf der Veranstaltung schilderten die Poets also ihr Problem und tatsächlich erschienen im Dezember (!) auch zwei Mitarbeiter der Telekom bei Poets zuhause. „Die haben dann mittels Tablet festgestellt, dass der Anschluss freigeschaltet sei. Ich sollte eine Gutschrift über fünfzig Euro und einen neuen Receiver für den Ärger bekommen und dann wäre alles gut.“
War es nicht. Gutschrift und Receiver fehlen bis heute. Was noch schlimmer ist: Der Anschluss ist nicht freigeschaltet, er funktioniert nämlich nicht.
Am 23. Januar bekommen die Poets erneut ein Schreiben der Telekom – übrigens an ihre alte Wuppertaler Adresse. Der Bauherren-Service der Telekom will im Neubaugebiet an der Quellenburgstraße aktiv werden, damit Poets „den Anschluss direkt zum Einzugstermin nutzen können“. Aber es gibt kein Neubaugebiet und Poets wohnen hier schon seit fast einem Jahr!
In ihrer Verzweiflung haben sich die Poets zunächst an die Wirtschaftsförderung der Stadt Sprockhövel gewandt. Ingrid Döbbelin konnte aber trotz Bemühungen auch kein Ergebnis erzielen. Dann wandte man sich an den liberalen Kommunalpolitiker Erwin Peddinghaus. Der FDP-Mann hat hier seinen Wahlkreis. „Das ist schon eine unglaubliche Geschichte. Ich setze jetzt auf Öffentlichkeit und habe der Telekom geschrieben. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.“
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Guido Wüppenhorst aus Hattingen | 30.01.2017 | 14:07  
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