Bergbaugeschichte in neuem Glanz
Deutsches Bergbau-Museum eröffnet die ersten beiden neuen Rundgänge

Der 300 Millionen Jahre alte Wurzelstumpf eines Baums ist das Symbol für den Ursprung der Kohle.
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  • Der 300 Millionen Jahre alte Wurzelstumpf eines Baums ist das Symbol für den Ursprung der Kohle.
  • Foto: Molatta
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Mit seiner neu gestalteten Dauerausstellung knüpft das Deutsche Bergbau-Museum nahtlos an das Ende des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet an. Das erste, das der Besucher im Eingangsbereich erblickt, ist ein mehr als sieben Tonnen schwerer Kohlebrocken, der speziell fürs Museum auf der im Dezember 2018 geschlossenen Zeche Prosper Haniel in Bottrop gewonnen wurde. Die ersten beiden von insgesamt vier Rundgängen der Dauerausstellung sind nun für Besucher zugänglich.

Seit 2016 wird das Bergbau-Museum saniert und umgebaut. Zugleich entsteht mit vier Rundgängen eine neue Dauerausstellung. Knapp 35 Millionen Euro kostet die komplette Maßnahme. Mit 15 Millionen Euro als Teil ihrer Initiative „Glückauf Zukunft!“ unterstützt die RAG-Stiftung den ersten Bauabschnitt im Nordflügel des Museums, der nun fertiggestellt wurde. „Die Ausstellung war etwas in die Jahre gekommen“, erklärt Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung, warum diese sich finanziell engagiert hat. Durch die Modernisierung erhalte die Ausstellung als Gedächtnis des Bergbaus eine neue didaktische Ausrichtung. „Die Besucher werden aktiv mitbeteiligt und dürfen auch mal was anfassen. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus“, so Bergerhoff-Wodopia.
Mindestens ebenso begeistert von den ersten beiden Rundgängen zeigt sich Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff, Direktor des Deutschen Bergbau-Museums. „Wir haben etwas gemacht, was sich sehen lassen kann.“ Zu sehen gibt es auf 4.000 Quadratmetern insgesamt 1.750 Ausstellungsobjekte. „Wir haben uns verschlankt“, so Brüggerhoff. 30 bis 40 Prozent der früheren Objekte werden wieder ausgestellt, nachdem sie zuvor aufgearbeitet wurden. Hinzu kommen neue Ausstellungsstücke.
Jeder Rundgang hat seine eigene Farbgestaltung erhalten, und die Besucher werden über Infotafeln an die einzelnen Objekte herangeführt. Deren Beschriftung ist nun zweisprachig: deutsch und englisch. Außerdem gibt es Exponate, die sich speziell an Kinder richten und Themen anschaulich vermitteln.

Der Mensch hinter der Technik

Rundgang 1 steht unter der Überschrift „Steinkohle – Motor der Industrialisierung“. „Er beschäftigt sich aus unseren Wurzeln kommend mit dem Steinkohlebergbau im Ruhrgebiet“, erläutert Brüggerhoff. Beim Erlaufen entdeckt der Besucher im ersten Raum einen in Szene gesetzten 300 Millionen Jahre alten Wurzelstumpf eines Baums als Symbol für den Ursprung der Kohle. Es folgt die Entwicklung des Steinkohleabbaus vom 14. Jahrhundert bis hinein ins 19. Jahrhundert, als das Ruhrgebiet entstand. „Dabei versuchen wir, auch den Menschen hinter der Technik zu zeigen. Wir nähern uns dem Thema über die Vordenker und Industriellen und die Bergleute“, sagt Brüggerhoff. Mit diesem Ansatz unterscheidet sich die neue von der alten Dauerausstellung.
In der Arbeitswelt des Bergmanns sieht der Besucher unter anderem Geräte, wie die Teilschnittmaschine, die er im Anschauungsbergwerk in Aktion erleben kann. Die Lebenswelt der Bergleute wird anhand der Themen Gesundheit, Kultur, Tradition, Migration und Wohnen aufgegriffen. Eine Besonderheit sind die neu eingebundenen Interviews mit Bergleuten, die die Besucher sich anhören können. Den Abschluss des ersten Rundgangs bildet das sich in mehreren Spiegeln reflektierende Modell einer Tauchpumpe, mit der auch künftig Grubenwasser gehoben wird.

Von der Steinzeit bis heute

Der zweite Rundgang „Bergbau – Steinzeit mit Zukunft“ präsentiert „den Gesamtprozess des Bergbaus in der Menschheitsgeschichte“, so Brüggerhoff. Auch anhand von Objekten aus eigener Grabung können Besucher hier den Bergbau von der Steinzeit mit beispielsweise seinen Feuersteinbergwerken über die Abbauarten während des römischen Reiches und das Mittelalter bis in die Neuzeit nachvollziehen. Der Braunkohleabbau ist ebenfalls berücksichtigt. „Da werden wir wohl schneller dran gehen müssen als gedacht“, deutet der Museumsdirektor mit Blick auf den soeben ausgehandelten deutschen Kohleausstieg bis 2038 eine Aktualisierung in nicht allzu ferner Zukunft an.
Doch auch so ist im Bergbau-Museum noch einiges zu tun. Bis zum Sommer soll der Südflügel mit den beiden übrigen Rundgängen fertiggestellt werden. Dann werde es eine „Eröffnung geben, die sich an die große Bevölkerung richten wird“, so Brüggerhoff. Es werde überlegt, ein Museumsfest zu veranstalten.

Öffnungstage

Weil das Bergbau-Museum bis dahin unter der Woche weiterhin im Umbau ist, sind die beiden neuen Rundgänge nur an den Wochenenden und an Feiertagen geöffnet. Für Schulklassen gibt es dienstags und donnerstags Vermittlungstage. Das Anschauungsbergwerk, die Barbara-Ausstellung und das Fördergerüst sind während der restlichen Umbauphase auch in der Woche geöffnet.

Der 300 Millionen Jahre alte Wurzelstumpf eines Baums ist das Symbol für den Ursprung der Kohle.
Den Abschluss des ersten Rundgangs bildet das sich in mehreren Spiegeln reflektierende Modell einer Tauchpumpe, mit der auch künftig Grubenwasser gehoben wird.
Autor:

Vera Demuth aus Stadtspiegel Bochum / Wattenscheid

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