Aus der Armut zurück in das gesellschaftliche Leben
Modellprojekt "Kooperative Bearbeitung regionaler Armut“ soll Hilfe verschaffen

Das Modellprojekt "KoBrA" soll Betroffene der Armut zurück in das gesellschaftliche Leben verhelfen. Auf dem Foto zu sehen sind: (vordere Reihe am Tisch, v.l.): Tina Riedel, Jobcenter Kreis Unna, Holger Schelte, Werkstatt im Kreis Unna, Heiko Sachtleber, AWO, Lisa Wetter, Umwelt-Werkstatt, Tina Geißen, IN VIA; (hintere Reihe): 
Michael Wacker, Werkstatt im Kreis Unna, Till Knoche, Kreisstadt Unna, Johannes Gibbels, Stadt Kamen, Thomas Stroscher, Stadt Lünen, Hans-Josef Brune, Jobcenter, Wibke Knoche, IN VIA. Foto: Günther Klumpp
  • Das Modellprojekt "KoBrA" soll Betroffene der Armut zurück in das gesellschaftliche Leben verhelfen. Auf dem Foto zu sehen sind: (vordere Reihe am Tisch, v.l.): Tina Riedel, Jobcenter Kreis Unna, Holger Schelte, Werkstatt im Kreis Unna, Heiko Sachtleber, AWO, Lisa Wetter, Umwelt-Werkstatt, Tina Geißen, IN VIA; (hintere Reihe):
    Michael Wacker, Werkstatt im Kreis Unna, Till Knoche, Kreisstadt Unna, Johannes Gibbels, Stadt Kamen, Thomas Stroscher, Stadt Lünen, Hans-Josef Brune, Jobcenter, Wibke Knoche, IN VIA. Foto: Günther Klumpp
  • hochgeladen von Carolin Plachetka

Armut versteckt sich in einem reichen Land: Rund 1.600 Menschen in der Unnaer Gartenvorstadt, in Lünen-Brambauer oder auf der Lüner Höhe in Kamen leben nachvorläufigen Erkenntnissen ohne ein ausreichendes Einkommen – ausgegrenzt vom gesellschaftlichen Leben. Die klassischen Hilfen des Sozialstaates, ob Sozialamt, Jugendamt, Schulen oder Jobcenter, erreichen diese Familien, Alleinstehende und auch Alleinerziehende nicht umfassend. Abhilfe will jetzt ein Modellprojekt schaffen, das der Bund mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds im Kreis Unna finanziert.

Kreis Unna. Ab 2020 fließen ca. 1,6 Mio. € fließen die „Kooperative Bearbeitung regionaler Armut“
(KoBrA) für das Vorhaben, bei dem unter der Federführung der Werkstatt im Kreis Unna maßgeschneiderte und individuelle Hilfen für die - und vor allem zusammen mit den Betroffenen (Hilfebedürftigen) gesucht werden.
Kein Schulabschluss, kein Beruf, kein Job, Durchwursteln ohne ausreichendes Einkommen und ohne soziale Einbindung: Selbst die zuständigen Ämter scheitern oftam Zugang zur wachsenden Gruppe armer Menschen. „Bisher waren alle Bemühungen, die die betroffenen Menschen zum Gegenstand fürsorglicher Ideen und Unterstützung machen, weder erfolgreich noch dauerhaft wirksam“, stellt Holger Schelte, Prokurist und Projektverantwortlicher bei der Werkstatt im Kreis Unna fest. Das Modellprojekt will die Praxis, dass sich die Betroffenen selbst um Auswege, um Anträge, Formulare und Hilfen kümmern müssen, umdrehen. An vertrauten Orten wie „in Kitas, in lokalen Treffpunkten, wie etwa den „Haltestellen“ in Lünen, in Schulen oder in Beschäftigungsförderangeboten“ sollen speziell geschulte Beratungskräfte diese Menschen mit hohem Beratungs- und Hilfebedarf auffinden und ansprechen. Die Berater*innen arbeiten dabei eng mit den lokalen Hilfestellen zusammen.
Ziel ist es, mit den Armutsbetroffenen Menschen eine Perspektive zu finden, die genau auf ihre Situation zugeschnitten ist. Durchaus selbstkritisch sagen die Projektbeteiligten: Es muss uns besser gelingen, die von Armut betroffenen Menschen aktiv ander Planung und Gestaltung ihrer Lebenssituation und auch an den für sie erforderlichen Hilfen zu beteiligen. Sie sollen den Weg aus der Armut selbst mitgestalten.
Dazu braucht es auch eine abgestimmte und rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit mit genau diesem Selbstverständnis: „Jede Lebenssituation Betroffener unterscheidet sich von der Anderer. Biografie, Lebensgeschichte und Lebensumständepassen nicht in eine Konfektion, Hilfeleistungen von der Stange sind nicht zielführend, Wirkungen verpuffen nach kurzer Zeit“, erläutert Holger Schelte. Tina Geißen, Vorstand des IN VIA Unna e. V., der als Träger am Standort Unna aktiv ist, ergänzt: „Unser Ziel ist es, dass Betroffene zu Beteiligten werden. Das ist ein innovativer Arbeitsansatz, aber auch eine mehr als anspruchsvolle Aufgabe. Basis dafür ist eine respektvolle Haltung und ein ziel- und zielgruppenspezifisches Beratungsverständnis und Beratungshandeln der Akteure.“
Von dem Projekt erwarten sich der Bund, der Kreis, das Jobcenter und die beteiligtenKommunen ein neues Konzept zur Bekämpfung der Armut. Als Projektträger von KoBrA hat die Werkstatt im Kreis Unna die AWO (für das Quartier Kamen „Lüner Höhe“), IN VIA (für das Quartier Unna „Gartenvorstadt“), die Umwelt-Werkstatt (für Lünen Brambauer) als Teilprojektträger und als Projektpartner das Jobcenter Kreis Unna, sowie die Städte Kamen, Lünen und Unna gewonnen. Alle
Partner waren von Beginn an aktiv an der Projektentwicklung beteiligt. Auch der Kreis
Unna sitzt mit im Boot, geht es doch um die Entwicklung einer kreisweiten Strategie
und einer guten Praxis der Armutsbekämpfung. Die Teilprojektträger haben unterschiedliche Zugänge zur Zielgruppe und sind allesamt in lokalen Netzwerken verankert.
Das Projekt „KoBrA“ wird im Rahmen des Programms „AktiF “ durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und den Europäischen Sozialfonds gefördert.

Autor:

Carolin Plachetka aus Stadtspiegel Kamen

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