Archäologen entdecken urgeschichtliche Siedlungsstelle in Frömern
Menschliche Knochenfragmente unter Lehm versteckt

Die studentischen Volontäre Florian Gumboldt und Daniel Riemenschneider sind eine wichtige Unterstützung für das kleine Olper Team. Foto:LWL-Archäologie/T. Pogge
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Kleine Sensation: Ein Archäologen-Team entdeckte jetzt in Frömern eine urgeschichtliche Siedlung und zwar genau an der Stelle, wo das Balster Einheitserdewerk sonst Ton- und Lehm abbaut.
Auch unsere Vorfahren wussten schon, wo es die besten Rohstoffe gibt. Denn dort, wo heute ein modernes Industrieunternehmen gräbt und buddelt, haben bereits Menschen der Jungsteinsteinzeit  gearbeitet. "Die gewonnenen Rohstoffe werden heute zu Bestandteilen von Substratmischungen für den Pflanzenanbau weiterverarbeitet", erklärt Joachim Jahn, Betriebsleiter des Erdwerks Balster. Lehm und Ton werden dabei jährlich auf kleineren Flurstücken aus dem Boden gewonnen, nachdem die Ackerkrume abgetragen ist.

Die studentischen Volontäre Florian Gumboldt und Daniel Riemenschneider sind eine wichtige Unterstützung für das kleine Olper Team. Foto:LWL-Archäologie/T. Pogge
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"Und seit einigen Jahren begleiten wir diese Abbauarbeiten", verrät Prof. Michael Baales, Leiter der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für Westfalen. Denn auch für Altertumsforscher ist dieser Grund und Boden im Kreis unna sehr interessant.
Entdeckt hat die kleine Sensation der Hobbyarchäologe und ehrenamtliche LWL-Mitarbeiter Michael Becker aus Fröndenberg. Es seien mit der Zeit immer neue Fundstellen zu Tage gekommen, die die Expertern als die letzten Überreste urgeschichtlicher Siedlungsstellen deuten.
Zu Tage kamen nun kleine Pfostengruben ehemaliger Gebäude in Holzständerbauweise und größere Gruben, aus denen damals höchst wahrscheinlich auch Lehm entnommen worden ist. Die Löcher seien dann später mit Abfällen verfüllt worden. Offenbar haben also bereits die Menschen in der Zeit zwischen 800 v. Chr. bis zur Zeitenwende hier Lehm gewonnen.

Drohnenfoto der Fundfläche im Norden von Frömern (Hintergrund) unmittelbar neben der Eisenbahnstrecke (rechts). Foto: LWL-Archäologie/D. Riemenschneider
  • Drohnenfoto der Fundfläche im Norden von Frömern (Hintergrund) unmittelbar neben der Eisenbahnstrecke (rechts). Foto: LWL-Archäologie/D. Riemenschneider
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"Wegen des geologischen Untergrunds sind die Gruben meist sehr bescheiden und nicht besonders tief erhalten", erklärt Grabungstechniker Matthias Müller-Delvart. Auf dem lehmig-tonigen Untergrund ist im Laufe der vergangenen Jahrtausende der hier einst vorhandene fruchtbare Boden weitgehend abgetragen worden, so dass unter dem Ackerboden recht bald der tonig-lehmige Untergrund zum Vorschein kommt. Durch den modernen Ackerbau wurde dieser Prozess zusätzlich verstärkt. Die Siedlungsgruben sind daher häufig nur noch bis auf wenige Zentimeter Tiefe erhalten.

Eine Ausnahme: Eine noch relativ gut erhaltene, größere Siedlungsgrube im Profilanschnitt. Foto: LWL-Archäologie/F. Geldsetzer
  • Eine Ausnahme: Eine noch relativ gut erhaltene, größere Siedlungsgrube im Profilanschnitt. Foto: LWL-Archäologie/F. Geldsetzer
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Anfang August diesen Jahres wurde hier nun eine neue Fläche von etwa einem Hektar geöffnet, und einige der gut zwei Dutzend Siedlungsgruben reichten bis zu 40 Zentimeter in den Untergrund hinein. "Bei dem trockenen Wetter war das Bearbeiten der archäologischen Befunde auf dem hart gewordenen Untergrund körperlich durchaus anspruchsvoll," so Müller-Delvart, der die Arbeiten hier regelmäßig betreut.

Knochenfund

Eine genaue zeitliche Einordnung anhand der wenigen gefundenen Steingeräte und Keramikscherben ist meist schwierig, aber es gibt eine erste Einschätzung: Wenige Grubenbefunde könnten noch aus der Jungsteinzeit stammen, was allerdings eine Seltenheit wäre. Einige Scherben weisen auf die Eisenzeit oder die folgende Römische Kaiserzeit (wenige Jahrhunderte nach Christi Geburt) hin. Zudem stammen aus einer Grube einige stark verbrannte Knochenfragmente, wie sie Fachleuten von Leichenbrandbestattungen bekannt sind. Möglicherweise ist somit auch der Rest eines Brandgrabes geborgen worden.

Autor:

Anja Jungvogel aus Stadtspiegel Kamen

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