Jeder Euro sinnvoll eingesetzt: Corona- und Flutopfer
Verein "Mendener in Not" wird immer wichtiger

Mendens Bürgermeister Dr. Roland Schröder (r.) ist begeistert von der Initiative der Ehrenamtlichen von „Mendener in Not“: Was wir nicht leisten können, wird oft von dem Verein übernommen.“ Foto: Peter Benedickt
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  • Mendens Bürgermeister Dr. Roland Schröder (r.) ist begeistert von der Initiative der Ehrenamtlichen von „Mendener in Not“: Was wir nicht leisten können, wird oft von dem Verein übernommen.“ Foto: Peter Benedickt
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„Wir sind seit Jahren ein Anker für Menschen, die sich in hochdramatischen Situationen befinden“, erklärt Klaus Ullrich, Vorsitzender von „Mendener in Not“. „Corona und zusätzlich die Hochwasser-Katastrophe haben die Not in unserer Stadt weiter gesteigert.“

Der Verein von „Mendener in Not“, an der Spitze der Vorsitzende Klaus Ullrich (Mitte), hat auch während der Coronapandemie viele Schicksale mit ihrer Unterstützung abmildern können. Bürgermeister Dr. Roland Schröder (l. neben Ullrich) weiß die Hilfe sehr zu schätzen. Foto: peb
  • Der Verein von „Mendener in Not“, an der Spitze der Vorsitzende Klaus Ullrich (Mitte), hat auch während der Coronapandemie viele Schicksale mit ihrer Unterstützung abmildern können. Bürgermeister Dr. Roland Schröder (l. neben Ullrich) weiß die Hilfe sehr zu schätzen. Foto: peb
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Nach der Neustrukturierung des Vereins 2016 mit einem veränderten Konzept wurden 200 Familien mit 42.000 Euro unterstützt, dann steigerten sich die Aufwendungen von 51.000 (240 Familien) auf 71.000 (380 Familien). 2019 ging die Hilfe bereits an 466 Familien mit 82.000 Euro.
Im vergangenen Jahr wurden dann weitere Grenzen gesprengt. Ullrich: „Wir konnten 2020 mit Zuwendungen von rund 150.000 Euro die Not abgemildert.“ Darin enthalten sind knapp 900 Lebensmittelgutscheine in Wert von circa 65.500 Euro für mehr als 2.400 Menschen, darunter 1.200 Kinder.
Klares Fazit: Die Situation wird schlimmer. Ein Glück, dass der Verein inzwischen bekannter geworden ist, als Ansprechpartner an Wert gewonnen hat und von Familien oft auch direkt angesprochen wird.

Wer allerdings meint, dass Geld fließt mit der Gießkanne unter die Leute, irrt.
„Wir überprüfen die finanzielle Bedürftigkeit der Menschen, die zu uns kommen“, gibt Maria-Cristina Gummert Einblicke. „Wir geben kein Bargeld oder Darlehen. Es ist keine Scheckbuch-Wohltätigkeit.“
Zudem ist wichtig, dass die Betroffenen selbst für ihre Schulden, soweit möglich, finanzielle Verantwortung übernehmen. Dafür werden Raten mit Institutionen vereinbart, da wird der Vorstand aktiv: „Wir kontaktieren direkt die Stadtwerke, Wohnungsgesellschaften, Banken, Behörden, Krankenkassen, Ärzte oder Apotheken, Amtsgerichte, Inkassobüros, Rechtsanwälte, Beerdigungsinstitute, und, und, und…

Der Verein hat auch Geld für die Flutopfer gesammelt.
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Mendens Bürgermeister Dr. Roland Schröder sieht in den Ehrenamtlichen eine perfekte Ergänzung zu den städtischen Leistungen: „Wir machen viel, aber was das Sozialamt nicht übernehmen kann oder darf, funktioniert oft auf ehrenamtliche Art. Leider gibt es immer wieder Menschen, die durch die Ritzen fallen. Besonders schlimm, weil sie es oft nicht selbst zu verantworten haben. Manchmal kann eine Verwaltung auch nicht so schnell reagieren wie nötig.“
Da hakt Klaus Ullrich ein: „Es ist wichtig, die Bürger daran zu erinnern, dass es in der Nachbarschaft einer Wohlstandsgesellschaft auch solche Schicksale gibt.“
Die erste Ansprechpartnerin Maria-Christine Gummert kennt erschreckend viele Fälle: „Es ist dramatisch, was wir erfahren.“
Gerade alleinerziehende Mütter haben Probleme, oft fehlt es an Kleidung oder Schuhe für die Kinder. Manche Väter kommen ihren Verpflichtungen nicht nach, so dass sogar für ein Mittagessen in der Schule die finanziellen Mittel fehlen.
Die Anschaffung von Haushaltsgeräten, Waschmaschine oder Kühlschrank, ist manchmal nicht möglich.
Schnell kann das Schicksal zuschlagen. Der Vater verliert seinen Arbeitsplatz, plötzlich werden zwei seiner vier Kinder krank, das Geld für Medikamente fehlt. Auch der Tod eines Elternteils reißt Familien in den Abgrund: „Es hinterlässt immer Spuren bei den Kindern.“ Selbst Beerdigungen können nicht bezahlt werden.
Und wenn da wirklich Jobcenter oder Sozialamt tätig werden, stehen die Betroffenen trotzdem plötzlich am Abgrund. Die Bearbeitung dauert mal schnell vier bis sechs Wochen, jetzt in der Coronazeit sogar acht Wochen. Woher beispielsweise die Miete nehmen? Da wird es schon mal kurios: Dem Antrag wird nach zwei Monaten stattgegeben, die Unterstützung überwiesen, allerdings erst ab dem Zeitpunkt der Bestätigung. So wird zwar beispielsweise die Leistung für den Oktober übernommen, aber was ist mit dem September? Die großen Wohnungsunternehmen zeigen wenig Verständnis, wollen ihre Miete.
Ein junger Mensch erkrankt plötzlich mit schweren körperlichen Einschränkungen, nur noch bettlägerig, kann nicht mehr sprechen, keine Heilungsaussichten. Es fehlt an Medikamenten, die Wohnung nicht beheizt, die Fenster mit Ritzen: „Da greifen wir ein.“
Ein Rentner nah an der Grundsicherung, hat beide Beine amputiert, für die wunden Stümpfe fehlen Salben: „Auch hier konnten wir helfen.“
Maria-Christine Gummert stellt fest, dass die Altersarmut weiter zunimmt: „Manchmal kommt das Gefühl auf, dass die Senioren vergessen werden.“ Sie beeindruckte speziell ein älterer Herr, der beim Erhalt eines Lebensmittelgutscheins strahlte: „Ich freue mich und bin zufrieden.“
Die Coronakrise macht es nicht leichter. So reichte es bei vielen Soloselbstständigen vorne und hinten nicht: „Die staatliche Unterstützung war meist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“
In einer Beiratssitzung wurden extra die Statuten geändert, um die Opfer der Flutkatastrophe unterstützen zu können: „Mehr als 85 Familien konnten sich über 85.000 Euro freuen. Alles wurde konform mit den Richtlinien des NRW-Katastrophenerlasses vom 23. Juli und der Aufbauhilfe für Privathaushalte vom 17. September abgearbeitet.“
Für das besonders betroffene Behindertenwohnheim Villa Dominik des VKM standen 60.000 Euro zur Verfügung.
Nun kommt der Winter, da hat der Vorstand von „Mendener in Not“ seine (bitteren) Erfahrungen in den letzten Jahren gemacht: „Da stehen warme Stuben im Fokus, wer kann es sich leisten zu heizen? Vor allen Dingen, weil die Energie jetzt extrem teuer wird.“
Weihnachten steht vor der Tür, wer denkt an die Kinder? Natürlich der Verein, er ist neuer Partner des Stadt-Marketings bei der Wunschbaum-Aktion, steht im Kaufhaus SINN, für das Fest.
Auch für die Senioren gibt es in diesem Jahr solch eine Aktion. Die Stadt hat die Wunschzettel mit den Bescheiden für die Grundsicherung verschickt, die Anzahl der Rückläufe ist überwältigend. Nun können sich die Bürger die Wünsche der älteren Menschen, maximal 30 Euro, im Möbel-Outlet MOM an der Franz-Kissing Straße 2 abholen und erfüllen.
„Wir wissen, dass unsere Stadt sehr sozial eingestellt ist“, hoffen die Ehrenamtlichen auf weitere Spenden.
In der Sparkasse Märkisches Sauerland Hemer Menden (IBAN DE54 4455 1210 1800 0728 68), der Märkische Bank (IBAN DE14 4506 0009 0108 8550 00) und der Mendener Bank (IBAN DE 42 4476 1312 0000 006060) sind Konten eingerichtet. Zudem können alle Vorstands- und. Beiratsmitglieder kontaktiert werden. Telefonnummern sind auf der Internetseite und dem Facebook-Auftritt zu finden. Text und Fotos: Peter Benedickt

Autor:

Anja Jungvogel aus Stadtspiegel Kamen

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