Das Rittergut „Holthusen“ am Lindchen

Abb. 1: Jan de Beijer "Haus Holthusen" 1749 Kopie aus Fundus der Fam. Janßen
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  • Abb. 1: Jan de Beijer "Haus Holthusen" 1749 Kopie aus Fundus der Fam. Janßen
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Bei einer Recherche zu der Ritterschaft „derer von der Horst“ fand ich einen Hinweis darauf, dass der Freiherr von der Horst aus dem clevischen Adelsgeschlecht im Jahr 1100, drei Söhne hatte, wovon zwei Söhne nicht den Namen „von der Horst“ annahmen.
Sohn Dietrich führte den Namen „von der Horst“ weiter und übernahm die Güter „Rodenholt“ auf Emmericher Eyland, gegenüber Emmerich auf der linken Rheinseite.
Sohn Godfried baute um 1120 bei Kalkar ein steinernes Haus und nannte sich fortan „Godfried von Steenhuis“, von dem das Geschlecht „derer von Steenghuis“ abstammt. Auch das Haus erhielt den Namen „Steenhuis“, jedoch nur bis 1248, es fiel dann durch Heirat wieder an „von der Horst“ und wurde seitdem „upper Horst“ und „auf dem Horst“ genannt, das heutige Haus Horst.
Zu diesem Steenhuis, zu dem Haus Horst, und „derer von der Horst“ auf „Rodenholt“ werde ich in einem späteren Beitrag berichten.

Sohn Arnold baute im „Hallebum“ (später Hallebaum s. Abb. 7), einem Wald zwischen Kalkar und Goch, ein Holzhaus und nannte sich von nun an „Arnold von Holthusen“ (Holthuisen) von dem das Geschlecht „derer von Holthusen“ abstammt.
Das Holzhaus wurde durch spätere Generationen zu eine steinernen Burganlage mit Wall und Graben umgewandelt.
Auch heute gibt es noch eine Hofstelle mit dem Namen „Holthuisenhof“ oder „Haus Holzhausen/Holthuysen“. Für mich Anlass genug den Hof zu besuchen und wie sich herausstellte, war das eine sehr gute Idee. Von den heutigen Besitzern des Hofes, der Familie Janßen, wurde ich nachdem ich mich vorgestellt hatte, sehr herzlich begrüßt. (Das sich überhaupt jemand dafür interessiert) Und die Dame des Hauses präsentierte mir alte Unterlagen von denen ich vorher nur hätte träumen können.
Die heutige Hofanlage, um 1810/20 erbaut, steht nicht auf den Grundmauern der ehem. Burganlage jedoch direkt daneben. Oberirdisch ist nichts mehr erhalten, jedoch kann man im Gelände die Ausmaße der Anlage sehr gut ausmachen. Die Anlage ist als Bodendenkmal eingetragen und wird im Bericht dazu als Niederungsmotte (mittelalterlicher Burgtyp) beschrieben. Hier Auszüge aus der Bodendenkmalliste Uedem (B/01/11/87): „...75 m nordöstlich der Hofgebäude befindet sich Grabenrechteck von 62 m auf 54 m. Die flachen, reichlich 10 m breiten Gräben mit einer Solenbreite von 6 m umschließen einen leicht überhöhten, rechteckigen Innenraum mit einem Plateau von 19,5 m auf 21 m. Nach Angaben des Eigentümers kommen bei Abgrabungen Fundamente zum Vorschein; auch jetzt sind in Aufschlüssen Ziegel (Feldbrand) festzustellen." Ergänzen möchte ich dazu, dass die Grabentiefe rd. 1,5 m beträgt.

Hier folgend aus dem Fundus der Fam. Jansen, ergänzt mit meinen Nachforschungen in kursiv  mit Quellennachweis:
um 1120 Freiherr von der Horsts Sohn Arnold baute im „Hallebum“ ein Holzhaus und nannte sich „Arnold von Holthusen“  (1)
1322 Lambert de Holthusen; wurde Aspel anvertraut für die Übergabe an Dietrich von Cleve (2)
1341 Engelbertum de Holthusen; De domo quondam Nycolai de Kellen iuxta Engelbertum de Holthusen. Dedderic, Greve an Cleve (3)
1358  John Palic Holthusen ; Littera de redditibus datis capitulo a Iohanne Palic de Holthusen (3)
um 1370 Henrix van Holthusen, Vater von Arnd von Holthusen (4)
1375 Rolof von Holthusen/Aelbert von Holthusen„Landfrieden der Grafschaft Zutphen“ aus der Spaenschen Sammlung im Gravenhag (4)
1394 wird Arnd von Holthusen mit „dat hue sind hoff toe Holthuesen tho Verkelle gel. belehnt. † vor 1440, 1406 Fehdebrief an die Stadt Luttich von Graf Adolph von Cleve unterstützt von Arnt von Holthusen (4)
1797 Johan von Holthusen auch Fangholt genannt; mit Graf Adof von Cleve sagen dem Herzog von Bergh eine Fehde an (5)
1443 Johanna von Holthusen, die Schwester von Arnd von Holthusen, heiratet Gerit van Marwick.
1460 Johan von Holthusen angen Eynde und sein Sohn Derick.
1553 Otto von Spaen und 1596 Floris Spaen.
1633 Dietrich von Olmus gen. Mulstro für seine Frau Anna Spaen.
1637 Bernhard de Rins als Schwager der Anna Spaen.
1655 Elbert von der Heyden gen. Rynsch, Amtmann zu Hamm.
1689 Jacob Walrave von der Heyden gen. Rynsch *1658, Herr zu Holthausen, Justizpräsident zu Cleve, Dorst zu Lobith und Clevischer Landcommissarius, 1737  † zu Uedem begraben. Vermählt mit Hendrietta Johanna Tochter von Alexander von Spaen. (5) 
1738 Elbert Alexander von Rynsch, *1705; ist 1737 zu Cleve aufgeschworen (²)
1781 Jakob Ludwig Diederich Friedrich Christian Alexander von Rynsch.
1810 Freiherr von der Heyden/Rynsch verpachtet das Gut an Johann Janßen. Siehe. Abb. 3 Urkunde
1856 Das adelige Gut wird vom Freiherrn von der Heyden/Rynsch verkauft. Heyden/Rynsch war damals Rittergutsbesitzer und Bürgermeister auf dem Haus Winkel zu Winnekendonk. Er verkaufte an den Vorfahr der heutigen Besitzer, Heinrich Janßen (Sohn von Johann Janßen).

Untergang der Burg
Die früheste Darstellung der Burganlage, des Schlösschens stammt von Jan de Beijer 1749 (Abb. 1). Die Bauweise deutet darauf hin, dass der Bau Ende des 17. Jh. errichtet wurde, vermutlich zum Zeitpunkt des Besitzerwechsels von Spaens auf von der Heyden/Rynsch. Bei der Verpachtung der Holthusener Ländereien von Freiherr von der Heyden/Rynsch an Johann Janßen 1810 war bereits kein Bauwerk mehr vorhanden. Bekannt ist, dass unter der Herrschaft Napoleons von 1792 – 1814 der Adel seine gutsherrlichen Rechte verlor und viele Güter zerstört, dem Erdboden gleich gemacht wurden, z. B. auch das Kasteel der Herren von Alpen.

Bilder:
Abb. 1) Jan de Beijer "Haus Holthusen" 1749 Kopie aus Fundus der Fam. Janßen.
Abb. 2: Holthusen Hof/Wohngebäude heute
Abb. 3: Pachtvertrag 1810 Rynsch-Janßen, Fundus Fam. Janßen
Abb. 4: Holthusen vor 1700, Fundus Fam. Janßen
Abb. 5: Holthusen Auszug Klever Kataster 1733 NRW Findbuch
Abb. 6: Haus Holzhausen, Karte Tranchot 1801, erstellt mit TIMonline NRW
Abb. 7: Der Wald "Hallebum" (Hallebaum) und Holthusen, Kartenausschnitt Pieter Schenk um 1690/1700
Abb. 8: Wappen Holthusen, Fundus Fam. Janßen
Abb. 9: Luftaufnahme und digitales Geländemodell, erstellt mit TIMonline NRW
Abb. 10: Geländeaufnahme der Burgwüste 2019

Quellennachweis:
1) Westphälische Geschichte, Band 1, Johann Diederich von Steinen, Lemgo 1755, S. 662-665
2) Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts ..., Band 3, Seite 165
3) Monatsschrift für die Geschichte Westdeutschlands, 1878, Band 4, Seite 732
4) Chroniken und Urkundenbücher hervorragender Geschlechter ..., Band 2,Ausgabe 1 Seite 78
5) Chroniken und Urkundenbücher hervorragender Geschlechter, Stifter ..., Band 3, Seite 263
6) Westphälische Geschichte, Band 3

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