"Lichtspiele Massen" wurde zur Theaterbühne
Als das "Narrenschiff" vom Stapel lief

Die Keimzelle und erste Spielstätte des "Narrenschiff" lag in seinem Haus: Armin Schumacher erinnert sich gerne an die Anfänge zurück.
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"Wenn du den Eindruck hast, dass dieses Leben ein Theater ist, dann suche dir eine Rolle, die dir wirklich Spaß macht" formulierte William Shakespeare. "Und Shakespeare geht immer", erkannte Gründervater und erster Hausherr des Theater Narrenschiff im Laufe der Jahre.  Jedes Theater ist wie ein kleiner Kosmos. Die größte Bühne in Unna und Umgebung ist nach über 30 Jahren unter der Leitung von André Decker erfrischend populär. Von der ersten Idee bis zu heute zehn Inszenierungen pro Jahr war es ein steiniger Weg. In lockerer Folge holt der Stadtspiegel Unna die Biographie  ins Rampenlicht. Bevor das „Narrenschiff“ auf Reede gelegt werden konnte, ebnete eine Kette glücklicher Zufälle den Weg. Das Theater entstand Anfang der 80er Jahre als Gerippe eines Ensembles, das hochmotiviert und von Beginn an mit Semi-Professionalität beliebte Satire-Stücke und Eigenproduktionen auf die Bühne brachte. Doch bis dahin war es ein langer Weg, der viel Schweiß kostete.

Zunächst galt es , einen alten Kinosaal  zur Bühne mit Publikumsraum umzubauen. Die „Lichtspiele“ in Unna-Massen an der Bismarkstraße waren über Jahrzehnte ein beliebtes Vorstadtkino. Das historische Fachwerkgebäude befand sich damals im Familienbesitz der Frau von Armin Schumacher. Das Herz des jungen Lehrers brannte von Kindesbeinen an für „die Bretter, die die Welt bedeuten“. „Nach dem Abitur habe ich gewürfelt, was ich studieren soll.“ Statt bei Literaturwissenschaften blieb der Würfel auf Volkswirtschaft liegen. Nicht so tragisch, hatte ihn das Theaterspielen bereits eine „Ehrenrunde“ in der Unterprima gekostet. „Aber es war gut investiert,“ erinnert er sich. Als Pennäler schrieb er erste Stücke, scheiterte an einem Romanversuch und ließ sein Hobby im Studium zunächst ruhen. Kaum aus dem Referendariat heraus ging es aber wieder los.

Anfang der 80er Jahre gründeten er und einige Mitstreiter den Kulturverein Unna. Vereinzelten, teils sehr beliebten Veranstaltungen wollte man ein Dach geben und dem Kulturangebot der Hellwegstadt mehr Schwung verleihen. Im Keller des Hellweg-Museums wurden 1982 Räume mit einer Theke hergerichtet, der neue Museumsleiter Dieter Völster wollte die Einrichtung mit neuem Leben füllen. „Wintertime“, eine Veranstaltung die bisher im Stadtgarten Platz hatte, wurde dort organisiert. „Dann war die Kulturpolitik mit im Boot, ein großer Vorteil“, so Armin Schumacher. Peter Möbius und Bekannte aus der Kulturszene waren Mitstreiter der ersten Stunde. Es entwickelten sich erste Kontakte zu Kulturschaffenden in der Hellwegstadt, die Vernetzung der Akteure kam in Bewegung.

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Schließlich zog das Werkstatt-Theater-Unna in den Museumsanbau. „Man kannte sich nicht, aber das hat die Szene bereichert.“ Der Museumskeller platzte aus allen Nähten und konnte den Aufführungen bald keinen angemessenen Rahmen mehr bieten. Das war zu der Zeit als der Betreiber und Besitzer der „Lichtspiele“ Massen, Ernst Gerdes, Schwiegervater von Armin Schumacher, verstarb. Er und seine Frau hatten bis 1983 das Kino betrieben, dass auch schon in der Nachkriegszeit als Notkirche gedient hatte.  Plötzliche hatten Armin Schumacher und seine Frau die „Lichtspiele Massen am Schlappen“. Über einige Zeit gab es noch Verpflichtungen zur Aufführung von Filmen, die sie erfüllten und erste Erfahrungen als Veranstalterduo sammelten. „Dann stand das leer.“ Die Zukunft des Saales und des Fachwerkhaus war höchst unsicher, dann klingelte es an einem Pfingstsonntag an der Tür der Schumachers. Thomas und Traudel Ulbricht, die im Dortmunder Kinder- und Jugendtheater Am Ostwall  leitende Funktionen hatten, standen mit Kind auf dem Arm vor der Tür der Familie Schumacher. Die waren im ersten Moment äusserst überrascht, nahmen die Frage nach dem „leer stehenden Theater“ nicht so ganz ernst. Als das Paar aus der Dortmunder Theaterszene aber wieder anklingelte setzte man sich zusammen. Es war die Geburtsstunde einer Idee, aus dem Lichtspiel-Saal eine Kleintheaterbühne zu entwickeln. Auf dem Programm sollten humorvolle mit moralischem Tiefgang stehen, auf keinen Fall aber Kommödienstadel.

Autor:

Stefan Reimet aus Holzwickede

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