Als Lebensretter unterwegs - Zu Besuch bei den Rettungsfliegern von Christoph Dortmund

Notarzt Ivo Schmid, Rettungsassistent Frank Kluge und Pilot Allwin Vollmer (v. l.) sind das Team dieses Tages von Christoph Dortmund.
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„Und, bist Du geflogen?“ Das war wohl die häufigste Frage, die ich am Abend nach meinem Besuch bei den Rettungsfliegern gehört habe. Die Faszination an den fliegenden Rettern ist also ungebrochen. Aber ist der Job wirklich so aufregend und spannend, wie man es aus dem Fernsehen „kennt“?

Erstmal Kaffee?

Mein Tag auf der Station beginnt jedenfalls gänzlich unspektakulär: „Willst Du Kaffee?“, fragt mich gleich Rettungsassistent Frank Kluge, als ich nach dem „security check“ auf der Station eintrudel. Die Sicherheitskontrolle ist vorgeschrieben, denn ich befinde mich hier im Sicherheitsbereich des Flughafens.
Doch dann dauert es noch ein wenig, bis ich zu meinem Kaffee komme. Denn zuerst einmal wird der Hubschrauber gecheckt.
Pilot Allwin Vollmer geht um die Maschine herum, rüttelt am Fahrgestell und klettert dann mit einer Leiter hinauf zum Rotor. „Das ist hier alltägliche Routine“, erklärt er mir. Auch Rettungsassistent Frank Kluge und Notarzt Ivo Schmid sind fertig mit der Kontrolle der Medikamentenbestände, der Akkus des Defibrilators und auch die Kühlakkus, die die Infusionsflaschen 12 Stunden lang bei vier Grad kühlen, sind erneuert. Nach dem Check steht fest: alles in Ordnung mit der Maschine, sie kann mitsamt ihrer Start- und Landeplattform aus dem Hangar gefahren werden.

Hubschrauber landet mitten auf der Autobahn

Und da steht sie nun im gleißenden Sonnenlicht, einige Meter entfernt vom Hubschrauber der Polizei, der ebenfalls hier im alten Teil des Dortmunder Flughafens stationiert ist. Nur zwei Minuten zeit bleibt dem Team, im Falle eines Eisnatzes, um den Hubschrauber in die Luft zu bekommen. "Aber das schaffenw ir nur, wenn wirklich alles optimal läuft, keiner auf der Toilette ist und das Wetter optimal", erklärt Schmid.
Heute ist ein herrlicher Sommertag, und die Sonne knallt auf das Flugfeld - und den Hubschrauber. „Wird das nicht total heiß da drinnen?“, frage ich Notarzt Ivo Schmid. „Auf jeden Fall“, lächelt der, „deshalb dürfen Sie heute auch nur mit, wenn wir vor 12 Uhr starten, danach wird es zu heiß, um Gäste mitzunehmen.“ Mein Blick fällt auf die schwere Kleidung, die das Team tragen muss inklusive Öl- und säurebeständiger Sicherheitsschuhe.
„Ja, das ist genauso warm wie es aussieht“, schmunzelt Schmid. Und Rettungsassistent Kluge ergänzt, dass er hin und wieder die Kleidungsvorschriften verflucht hat: „Wenn man da auf der heißen Autobahn über einem Verletzten hockt und es läuft einem der Schweiß die Stirn runter, das ist nicht schön.“ Doch klar ist, sich Scherben in die Sohlen dünner Schuhe zu treten oder Spritzer von auslaufendem Benzin an die nackten Beine zu bekommen - das will niemand.
Und der Patient hat beim Transport im Hubschrauber eh andere Sorgen. Trotzdem kommt bei manchen die Flugangst durch. „Aber da hilft manchmal schon Händchenhalten“, weiß der Notarzt. Aber entsprechende Medikamente zur Ruhigstellung habe man natürlich an Bord.
Kaum steht der Hubschrauber auf dem Flugfeld, meldet Pilot Allwin Vollmer über das Computersystem Status 2 für Christoph Dortmund - einsatzbereit auf der Wache. Und dann? Tja dann gehen wir erst einmal frühstücken und ich bekomme endlich meinen Kaffee. Gegessen wird in der frisch ausgebauten Wohnküche der Station.
An der Wand hängt ein Flachbildfernseher, davor ein gemütliches Sofa, ein großer Esstisch und eine voll ausgestattete Küche erinnern daran, dass hier Menschen einen Großteil des Tages verbringen - mit Warten.

Bis zum Sonnenuntergang

Die Schicht dauert von 8 Uhr bis zum Sonnenuntergang - sommers wie winters. Während Rettungsassistent Frank Kluge nach Sonnenuntergang nach Hause fährt - er wohnt in Dortmund - vertreiben sich der Pilot, der vor Ort bleiben muss und Ivo Schmid, der im wahren Leben Intensivmediziner am Herzzentrum in Bad Oeynhausen ist und dort lebt, die Zeit auf der Wache. Ist der Papierkram der Einsatznachbereitung erledigt, der Hubschrauber wieder im Hangar und all die anderen organisatorischen Dinge getan, dann erst beginnt der richtige Feierabend - ohne Einsatzbereitschaft.
Sowohl Notarzt als auch der Rettungsassistent tun ihren Dienst hier freiwillig - „aber nicht ehrenamtlich“ betont der 41-jährige Rettungsassistent. Trotzdem finde ich, ist das ganz schön viel Engagement: Zuerst die anstrengende Schichtarbeit als Arzt oder Rettungsassistent und dann noch in der Freizeit Dienst als Rettungsflieger? Medizinische Herausforderung, Menschen in Ausnahmesituationen helfen - ja, das sind auch Argumente für diesen Dienst. Aber letztendlich ist es das Fliegen, um dass es den Menschen hier geht.

Es geht ums Fliegen

Und ich kann das verstehen, auch ich würde mich jetzt gerne in diese Maschine setzen und losfliegen - „dass man losfliegt, weil irgendwo etwas Schlimmes passiert ist, klammert man da einfach aus“, weiß auch der Notarzt.
Dabei ist das Innere des Hubschraubers nicht gerade einladend, jeder Quadratzentimeter wird für medizinisches Gerät genutzt. Dafür ist das Team auch bereit für jedwede Form des Einsatzes: Motorradunfall auf der Landstraße, Herzinfarkt oder Sturz von der Leiter beim Fensterputzen: „Aber man weiß nie, was man kriegt“, schmunzelt Kluge. Und auch diese Ungewissheit macht einen Gutteil des Jobs aus.
Mittlerweile ist es 12 Uhr - und es ist einfach zu heiß. Ich verabschiede mich vom Team, dass sich mittlerweile auf der neuen Holzterrasse versammelt hat. Und auch wenn hier jetzt alles so gemütlich und entspannt aussieht, so weiß ich doch: Im Falle der Alarmierung wären diese Jungs tatsächlichwie vorgeschrieben in zwei Minuten in der Luft.

Autor:

Elke Böinghoff aus Unna

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