Archäologen haben Reste einer Siedlung aus der Eisenzeit an der A1 gefunden

Archäologe G. Peter Montes beim Graben eines Profils durch eine Siedlungsgrube.
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Spuren einer eisenzeitlichen Siedlung entdeckten Archäologen nahe Unna. Ein Gewerbegebiet, das erweitert werden soll, weist siedlungsgünstige Eigenschaften auf. Die fruchtbaren Böden aus Lösslehm bieten ideale Bedingungen für Ackerbau. Daher lag der Verdacht nahe, hier vorgeschichtliche Siedlungen zu vermuten. Die Archäologen haben unter der Fachaufsicht des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) schließlich Funde dokumentiert und geborgen. Nach Abschluss der Grabung liegen nun erste Ergebnisse vor.

In der Epoche der Eisenzeit, die etwa 800 vor Christus begann, verdrängt Eisen das Material Bronze und wird wichtigster Werkstoff für die Menschen. Die Landwirtschaft und Arbeiten mit Keramik bleiben weiterhin wichtig. Über 100 Meter lang und acht Meter breit sind die Grabungsschnitte, die Archäologen einer Fachfirma in Unna angelegt haben. In 27 solcher Flächen entdeckten sie seit November letzten Jahres Pfostenlöcher und Gruben aus der Eisenzeit. In einer Tiefe von 50 bis 70 Zentimeter unter der Ackeroberfläche zeigten sich diese Siedlungsspuren als graue Verfärbungen im hellen Unterboden. Bei einer dieser Strukturen handelt es sich um den Rest eines sogenannten Grubenhauses. Darunter verstehen die Wissenschaftler Wohn- oder Werkstattgebäude, die in den Boden eingegraben wurden. Darüber hinaus fanden die Forscher zwei Grubenkomplexe, die aus jeweils fünf bis sechs ineinander verschachtelten Gruben bestehen. Wahrscheinlich haben die Menschen damals an diesen Stellen Lehm abgebaut. Lehm war ein wichtiger Rohstoff, sowohl zur Herstellung von Gefäßen aus Keramik als auch zum Verputzen der Häuser. In manchen Gruben entdeckten die Wissenschaftler Keramikscherben. Anhand dieser Scherben lassen sich die Siedlungsreste in die Vorrömische Eisenzeit datieren, also die Epoche von 800 vor Christus bis Christi Geburt. Daneben fanden sich in wenigen Gruben aber auch Abschläge von Feuerstein. Solche Abschläge entstehen bei der Herstellung von Steinwerkzeugen.

"Tatsächlich hatten wir eine jungsteinzeitliche Siedlung erwartet", erläutert Prof. Michael Baales von der LWL-Archäologie für Westfalen. Die LWL-Archäologen hatten daher schon vor einigen Jahren nach an der Oberfläche liegenden Funden gesucht. Bei dieser Suche stießen sie vor allem auf Steinwerkzeuge, die auf eine jungsteinzeitliche Siedlung im Boden schließen ließen. Erste Suchgrabungen hatten diese Vermutung dann bestätigt. "Nach unseren bisherigen Erkenntnissen sind von der jungsteinzeitlichen Besiedlung aber kaum noch Spuren erhalten", so Baales. Die Archäologen gehen davon aus, dass der Fundplatz ursprünglich deutlich anders aussah. "Die Siedlung lag einst auf einem leichten Geländesporn, der aber durch Erosion und durch die landwirtschaftliche Nutzung der jüngsten Zeit eingeebnet wurde", so Grabungsleiter Peter Motsch. "Demnach ist davon auszugehen, dass nur die tief in den Boden eingegrabenen Strukturen überliefert wurden." Die Reste der Gruben sind heute immerhin noch bis zu einem Meter tief.

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