Brot gegen Marken - Auch "Korsika" von Inflation erwischt

Zugeteilt wurde Brot zur Zeit der Inflation und der Weltwirtschaftskrise 1922/23, die auch die Bergarbeiterfamilien der Zeche Massener Tiefbau  in große Not brachte.
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  • Zugeteilt wurde Brot zur Zeit der Inflation und der Weltwirtschaftskrise 1922/23, die auch die Bergarbeiterfamilien der Zeche Massener Tiefbau in große Not brachte.
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Von St. Reimet

Ein Brot kostete 6 Mio. Mark, das Pfund Butter etwas weniger - In der Zeit der Inflation 1922/23 gerieten ausgerechnet die Familien in größte Not, die ohnehin ein geringes Einkommen hatten. Als die Buderussiedlung jetzt den 100. Geburtstag feierte, erinnerte "Korsika"-Urgestein Karl-Heinz Both in Gesprächen auch an Zeiten, als die Bewohner nicht um Luxus sondern ums Überleben kämpften.

Zumindest die Grundversorgung der Bergleute und ihrer Familien wurde zu dieser Zeit mit "Brot"- und "Milchmarken" gesichert. Sie waren so groß wie ein Markstück. Ausgegeben wurden sie von der Zeche Massener Tiefbau. Dem Arbeitgeber war bewusst, dass nur halbwegs gut ernährte Arbeiter auch eine akzeptable Leistung erbringen. Den Lohn auszahlne konnte keine der Zechen mehr, denn rund  5.132.600.000.000 Mark pro Schicht verdiente plötzlich ein Hauer. Gleichzeitig sollte die Förderleistung gesteigert werden, ging aber auf der Zeche Massen  1922 binnen Jahresfrist um zehn Prozent zurück. Bei wertlosem Lohn gab es keinen Anreiz für die Bergleute. "Mit dem Lohn, der am Montag gezahlt wurde, konnten die Bergleute am Freitag der Woche kein Brot mehr kaufen", so Horst Weckelmann vom Geschichtsverein Massen. Mit einem Streich wurden auch sämtliche Unterstützungsleistungen für die Bergarbeiter gestrichen.  Dies geschah zu einer Zeit, als die Buderussiedlung soeben bezogen war, die ersten Familien ihre Nutzgärten angelegt hatten. Doch die Eigenversorgung mit Obst, Gemüse und auch Fleischprodukten aus eigener Schlachtung, funktionierte nur bedingt. An Backwaren und Milchprodukten fehlte es erheblich. Für die Kinder wurden daher Milchmarken ausgegeben.   
Die Gültigkeit der Marken war begrenzt und als die Konjunktur wieder anzog, verloren die Bezugsmarken ihren Wert. Mancher warf dann die Rundlinge wohl einfach aus dem Fenster hinaus, denn in der Buderussiedlung fanden die Bewohner in späteren Jahren bei der Gartenarbeit wohl noch Brotmarken.
Echte Münzen existieren kaum noch. Daher hat Karl-Heinz Both sie als farbige Abbildungen gesichert. Both leitete das vom Knappen-Verein Eintracht Massen gegeründete Museum und baute es aus (1990 bis 2011) Mit dem kleinen Bergbaumuseum in Massen, das auch Besucher aus der weiteren Umgebung anzog,  hatte er für Aufsehen gesorgt. Weil alle Gebäude und Einrichtungen der 1925 stillgelegten Massener Zeche abgerissen waren, wollte Both mit einem nachgebauten Stollen an die Arbeitssituation der Bergarbeiter erinnern. Ende 2011 wurde das Museum aus Gründen des Brandschutz geschlossen. 
 

Autor:

Stefan Reimet aus Holzwickede

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