„Dat Ding hat Läuse und Flöhe“ - Südwest-Ecke jetzt Stück für Stück abgebaut
Schwerlastkran bringt Kreuzblume sicher auf den Kirchplatz

Ein wichtiges Symbol der Kirche ist die Kreuzblume. Vorsichtig schwebt sie am Haken des Schwerlastkrans auf den Kirchplatz.
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  • Ein wichtiges Symbol der Kirche ist die Kreuzblume. Vorsichtig schwebt sie am Haken des Schwerlastkrans auf den Kirchplatz.
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Tiefen Einblick in die Südwestecke der Stadtkirche versprechen sich Experten vom Abbau der Turmballustrade mit Fiale und Wasserspeier. Das Vorhaben ist kompliziert, wie Co-Architekt Eberhard Tiemann betont: „Man weiß noch gar nicht wie groß der Wasserspeier ist.“ Als die Kreuzblume am Dienstag morgen am Haken eines Schwerlastkrans auf den Kirchplatz schwebte war aber ein wichtiger Zwischenschritt getan.

„In 99% der Fälle klappt das Vorgehen“, ist Eberhard Tiemann überzeugt. Und schränkt gleich ein: „Dat Ding hat Läuse und Flöhe." Denn rund zwölf Einzelteile der Brüstung werden von Stein-Sanierungsexperten in luftiger Höhe mit schwerem Gerät, aber auch Hämmerchen und Meissel, abgebaut bis der Wasserspeier schließlich heruntergenommen werden kann. Eine Überraschung gab es gestern direkt zu Beginn.
Erkenntnis
Die Kreuzblume war stärker verankert als gedacht. Das Symbolelement ist Teil der Fiale, der kleinen Türme, die konstruktiv wichtig sind. Sie beschweren die ausladenden Wasserspeier und bewahren sie normalerweise vor dem Absturz. Aber die Wasserspeier haben Risse und sind vermutlich vor Jahrzehnten schon durchgebrochen, wie die Experten erkannten. Für das Herablassen wurde ein Schwerlastkran aufgebaut, das Pflaster mit Metallplatten von je 750 kg geschützt. Jede der Fialen wiegt etwa 4,5 Tonne, der Kran bringt ein Eigengewicht von 42 Tonnen mit. In einer Höhe von insgesamt 43,20 m wird die Süd-West-Ecke demontiert. Ziel: Erkenntnisgewinn. Eberhard Tiemann: „Dort sind auch Risse im Mauerwerk, die auf Wetterschlag und Folgen des hohen Gewichts zurückzuführen sind. Weitere spezielle Faktoren aus der Statik kommen hinzu.“ Die Experten möchten sehen, wie die Wasserspeier konstruiert sind. Dann könnten die anderen Wasserspeier direkt vor Ort gerettet werden. „Es kann sein, dass Rückschlüsse möglich sind, wie eine Reparatur vor Ort möglich ist.“

Aussagen zum Zustand sind wohl erst in einigen Wochen möglich. Als die ersten Steinblöcke abgelassen werden staunen die Sanierer nicht schlecht. Blei diente damals mit Mörtel als Verbindungsmaterial. Schwer zu sägen, da es die Sägeblätter zusetzt. Fließblei musste beim Bau vor 170 Jahren heiß und schnell vergossen werden, da es innerhalb von Sekunden abbindet. Dübel und Fugen zur Verbindung wurden so hergestellt. Verbaut wurde „Blauer Sandstein“. Dieser Ruhrsandstein ist eigentlich weiß, nur im Gegenlicht hat er einen bläulichen Schimmer. Der Steinmetz kam aus Wetter/R. und hielt in Aufzeichnungen fest, dass er blauen Sandstein nahm. Er erscheint sehr abgeblättert und angegriffen durch „sauren Regen“.
Sind die Steinblöcke der Fiale und der Wasserspeier am Boden wird es nach Einschätzung von Dietrich Schneider, Pressereferent Kirchenkreis Unna, einige Zeit dauern, bis konkrete Angaben zum Vorgehen und den Kosten der Sanierung möglich sind. Der Rückbau ist notwendig, damit für alle Fialen und die Turmbalustrade ein Sanierungskonzept erstellt werden kann.

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