Herdenschutzhunde bewachen die Schafe von Peter Kuhlmann
Schäfer aus Unna ist auf die Rückkehr des Wolfes gut vorbereitet

Haltung und Arbeit mit Herdenschutzhunden unterscheidet sich von der Arbeit mit Hütehunden sehr. Peter Kuhlmann besuchte daher bereits mehrtägige Seminare, um einen Sachkundenachweis zu erlangen. Foto: Jörg Prochnow
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  • Haltung und Arbeit mit Herdenschutzhunden unterscheidet sich von der Arbeit mit Hütehunden sehr. Peter Kuhlmann besuchte daher bereits mehrtägige Seminare, um einen Sachkundenachweis zu erlangen. Foto: Jörg Prochnow
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Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland sorgt für kontroverse Diskussionen unter der Bevölkerung. Naturschützer sehen die Wiedereinbürgerung der Wölfe positiv, andere fürchten sich eher davor. Die Zahlen vor gut einem Jahr sprechen von 73 Rudeln, 30 Paaren und drei Einzeltieren. Fachleute gehen davon aus, dass der Bestand pro Jahr um etwa 30 Prozent wächst. Die meisten Tiere leben zwar in Brandenburg und Niedersachsen, aber auch in Nordrhein-Westfalen gibt es mittlerweile zwei ausgewiesene Wolfsgebiete. Eines am Niederrhein, ein weiteres in der Senne.

Betroffen davon sind in erster Linie Landwirte, insbesondere die Schafhalter unter ihnen. Peter Kuhlmann aus Unna-Hemmerde ist Berufsschäfer in der 2. Generation und „Chef“ von rund 800 Schafen und zehn Ziegen. Die meisten Tiere seiner Herde verbringen das Jahr auf den Weiden im nahen Sauerland. Lediglich lammende Muttertiere und der Nachwuchs werden in den heimischen Stall geholt. Auch wenn Kuhlmann selbst noch keine Verluste unter seinen Tieren beklagen kann, macht sich der 63-jährige Schäfermeister schon Gedanken um das Thema Wolf. Seine Elektrozäune sind generell 106 Zentimeter hoch und haben eine Doppelspitze.

Staat entschädigt betroffene Tierhalter nur in einem vorher ausgewiesenen Wolfsgebiet

Die Schäfer erhalten vom Staat zwar finanzielle Entschädigungen, trotzdem ist der Anblick der gerissenen Tiere jedes Mal ein Schock für sie. Auch ist der Nachweis, dass es ein Wolf war, nicht immer leicht zu erbringen. Hunde wildern schließlich auch immer wieder. Bei der Lösung dieses Problems beschreiten die Schafhalter im Grunde zwei Wege: Der Bau bestimmter Elektrozäune mit zum Teil bunten Flatterbändern ist die technische Variante, den Wolf von der Herde fern zu halten – oder die Haltung von Herdenschutzhunden. Peter Kuhlmann und einige seiner Kollegen aus der näheren Umgebung haben sich für beide Varianten entschieden. In der Herde des Unnaer Schäfers leben seit etwas über drei Jahren zwei Französische Pyrenäenberghunde und beschützen sie ganzjährig fast rund um die Uhr. „Im Gegensatz zu den Herdengebrauchshunden, die ich zum Treiben und Hüten meiner Tiere halte, leben die beiden komplett draußen inmitten der Herde“, erklärt Kuhlmann. Der direkte Kontakt zu den Hütehunden wird dabei bewusst vermieden.

„Die Herdenschutzhunde sollen die Schafe als ihre Familie ansehen und diese gegen andere Tiere und auch eventuell gegen Menschen verteidigen, die sich der Herde mit bösen Absichten nähern“, erläutert der Schäfer. Diebstähle von Schafen sind leider keine Seltenheit. Der Schäfer und seine Angestellten sollen hierbei die einzigen menschlichen Bezugspersonen bleiben. Gefährliche Kampfhunde sind die beiden Franzosen allerdings nicht. Meistens reicht ihr entschlossenes Auftreten am Rand des Elektrozauns, um andere Hunde oder auch Menschen zu beeindrucken. Rüden erreichen immerhin eine Schulterhöhe von stattlichen 70 bis 82 Zentimetern und können bis zu 41 Kilogramm schwer werden. Hündinnen, wie Peter Kuhlmann sie hält, bis zu 74 Zentimeter hoch.

„Die Hunde sollen die Eindringlinge ja in erster Linie nur verjagen“, beruhigt Peter Kuhlmann. Ein Jogger, der eine Abkürzung über die Weide nahm, machte allerdings schon unangenehme Erfahrungen mit den beiden Hündinnen, die bewusst keine Namen haben. Herdenschutzhunde leben autark ganzjährig in der Herde. Im Gegensatz zu den Hütehunden, wie wir sie kennen, leben die Herdenschutzhunde ganzjährig inmitten der Schafe auf der Weide.

Hundefreunden dürfte dieser Gedanke zunächst suspekt sein, doch sind diese Tiere von ihrer Herkunft und Genetik dazu in der Lage. Was natürlich nicht heißen soll, dass auch sie Bezugspersonen haben, die sie füttern, Wasser geben oder auch bei Bedarf mit ihnen zum Tierarzt fahren. Doch sieht ihr Tagesablauf etwas anders aus.

Die Hunde wollen morgens dem Schäfer etwas erzählen

Morgens, wenn der Schäfer oder ein Mitarbeiter des Betriebs an der Weide ankommen, haben die Herdenschutzhunde erst einmal Feierabend. Dann werden sie versorgt und dürfen den Tag über zum Ausruhen in einen alten Viehanhänger, der als Hundehütte dient. Dann ist die Nachtschicht, so könnte man sie nennen, erst einmal vorbei. Peter Kuhlmann schmunzelt, wenn er erzählt:“ Wenn ich manchmal morgens zur Weide komme, wollen die beiden Hündinnen mir erzählen, was sie nachts so erlebt haben. Dann knurren und jaulen sie, das klingt echt lustig“. Passiert ist glücklicherweise noch nichts seit die beiden Pyrenäenberghunde die Herden nachts bewachen.

Die Antwort auf die Frage, wie er als Berufsschäfer zur Rückkehr der Wölfe steht, überrascht:„Wir müssen damit leben. Der Wolf darf nur nicht Überhand nehmen. Im Notfall muss der Mensch regulierend eingreifen“. Diese Meinung teilt er übrigens auch mit weiteren Kollegen seiner Zunft.

Autor:

Jörg Prochnow aus Kamen

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