Chef der Rasselbande Königsborn Christoph Hoch - Erzieherberuf: Männer ziehen Männer an
"Hat mein Weltbild umgekrempelt"

Die Zügel fest in der Hand hält Christoph Hoch in der "Rasselbande", hier mit Wendy Langschmidt und Matthias Rügge (Erzieher) und Kindern auf dem neugestalteten Spielplatz.
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  • Die Zügel fest in der Hand hält Christoph Hoch in der "Rasselbande", hier mit Wendy Langschmidt und Matthias Rügge (Erzieher) und Kindern auf dem neugestalteten Spielplatz.
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Von Stefan Reimet. Ponyhof, Bootssteg und Matsch-Anlage hat nicht jede Kita. Die Neugestaltung seines Aussenbereiches feierte jetzt das Familienzentrum Rasselbande mit Kindern, Eltern und Mitarbeitern. „Das entspannteste Fest bislang überhaupt“, freut sich Einrichtungsleiter Christoph Hoch(52). Er ist in der von Frauen geprägten Kita-Welt keineswegs der Quotenmann, sein Herz schlägt für die Arbeit mit Kindern, trotz  und wegen all ihrer Facetten.

Geschichte sind die Betonröhren und abgenutztes Spielgerät, geblieben sind naturbelassene Bewegungszonen, in denen Bäume Schatten und Geborgenheit bieten und große neue Holzspielgeräte. Die AWO Ruhr-Lippe-Ems investierte mehr als 20.000,- Euro in den Spielgarten der Kita, wobei auch die Kinder Ihre Ideen äussern konnten.
Von dem Aussengelände schwärmt Christoph Hoch , seit April wieder Einrichtungsleiter des Familienzentrums Rasselbande. Sein Traumziel von Jugend an war das nicht. Christoph Hoch ist vielmehr auf einem Höhepunkt seines zweiten Lebens angekommen. Im ersten  machte er eine Ausbildung zum technischen Zeichner Fachrichtung Stahlbau bei Thyssen in Dortmund. Mehr auf Wunsch der Familie, die ihm gerade noch ausreden konnte, das Handtuch zu werfen. Seine Lehre: „Eine Ausbildung beenden, auch wenn sie nicht so gefällt.“ Die Erfahrungen nutzt er heute, etwa für Planungen rund um die Rasselbande. Beim Zivildienst mit geistig behinderten Kindern in Dortmund fand er Gefallen an einem sozialen Beruf. „Das hat mein Leben umgekrempelt“, erinnert er sich. „Von da an wollte ich etwas anderes machen und mit Kindern arbeiten.“ Um die Ausbildung zum Erzieher zu finanzieren arbeitete er acht Monate als technischer Zeichner. Und als Musiker verdiente er Geld hinzu. Im Anerkennungsjahr stand er finanziell auf eigenen Füssen.
Ausgleich findet der junge Erzieher in der Musik. Bei der bekannten Band „Pur Harmony“ feierte er mit Party-Songs wie „Oh-le, jetzt kommt der BvB“ auch Erfolge. Bis heute spielt er in zwei Bands mit. Mit Kindern aus der Rasselbande organisierte er drei CD Projekte.
Erfahrungen
In der Laufbahn als Erzieher wollte er sich weiter entwickeln. Im Gehörloseninternat Do.-Hacheney arbeitete er , dann ein Jahr im „Hort Dortmund“. Mit einer Karriere als Musiker liebäugelte er als junger Mann immer noch, probierte die Selbstständigkeit aus, was aber nicht so lief wie er sich das vorstellte. Nach drei Jahren wechselte Christoph Hoch zur „Kinderheilstätte Nordkirchen“ und kam 1997 bei der AWO in einem Kindergarten unter. Dort erkannte man seinen Teamgeist und den geschickten Umgang mit Mitarbeitern. Als Gruppenleitung eingesetzt musste er sich „schlau lesen“. Mit einer Erziehekraft, die 18 Jahre Berufserfahrung hatte, musste er sich arrangieren. Gegen Reglementierung übte er Kritik, überließ Kindergruppen eher kontrolliert ihrer Dynamik als einem Korsett von Anordnungen. „Später auf dem Schulhof gibt auch keiner vor, wer wohin darf.“
Skepsis oder Kritik mancher Eltern mit Blick auf einen Mann im Frauenberuf, der auch mit körperlicher Pflege der Kinder zu tun hat, konnte er entkräften. Nach vier Jahren wurde ihm die Leitung einer kleinen Einrichtung angeboten. „Da habe ich Blut geleckt.“ Der Erzieher sammelte reichlich Erfahrung und verfeinerte seinen Führungsstil.
24 Mitarbeiter
Vor 16 Jahren bewarb er sich für die Rasselbande in Unna. „Wir waren zwar auch 100 Kinder und viegruppig, aber nur neun Mitarbeiter.“ Heute sind es 24 Mitarbeiter. „Das ist ein ganz andere Hausnummer“, erfährt Christoph Hoch. Viele Fortbildungen besuchte er. Besondere Herausforderung: Je mehr Menschen zusammen arbeiten je mehr Konfliktpotenzial gibt es. Sein Rezept: Man kann nicht alle zufrieden stellen. Bei 24 Menschen sind alle Facetten dabei. Christoph Hoch geht es um das Auffangen der Stärken und Schwächen jedes Mitarbeiters. Alle im Blick haben ist seine Aufgabe.
Er ist nicht der einzige Mann, ein Kollege ist Erzieher. Christoph Hoch war eine Zeit lang der einzige, aber wenn ein Mann in einer Kita arbeitet kommen weitere hinzu, die Erfahrung hat er gemacht. Und im kommenden Jahr steigt ein ehemaliger langjähriger Mitarbeiter eines Handelsriesen, dort in leitender Position, bei der Rasselbande ein. „Das finde ich spannend.“ Der frühere Manager braucht für eine Ausbildung reichlich Praktikumsstunden. Ab August 2020 wird er eventuell als „praxisintegrierter Auszubildender“ im Tagesbetrieb sein. Dieser relativ junge 2. Bildungsweg startet jetzt an den Berufsschulen in Unna. Eine komplette Klasse beginnt und eine Kollegin wird schon dieses Jahr dazukommen.
Nachwuchs
Ausgleichend Nachwuchs heranzuholen für die Erzieherschaft ist wichtig für Christoph Hoch. „Dann sind die Kollegen direkt vor Ort.“ Als Mann bevormundet zu werden oder aussen vor zu sein, das hat Christoph Hoch noch nicht erlebt. Ihm werde oft berichtet, es sei gut wenn Männer da sind. „Selbst kann ich das ja nicht beurteilen.“ Weder in Teams noch bei Eltern machte er negative Erfahrungen. Auch Mütter mit Migrationshintergrund haben viel Verständnis für einen Mann in der Kita. Und als Mann lerne er neue Umgangsformen. Stetig ist der Wandel: Ab Sommer dieses Jahres sind Kinder aus 19 verschiedenen Nationen in der Kita an der Berliner Allee, bisher 17.
Arbeitskreis Männer
Mehr Männer als Erzieher war auch das Ziel eines von ihm geleiteten Arbeitskreis. Den möchte er wieder aktivieren. Denn nach der Fusion innerhalb der AWO reicht das Einzugsgebiet von Schwerte bis vor Münster, 45 Kitaeinrichtungen mit über 800 Mitarbeitern. In den kommenden zwei Jahren sollen über 1000 neue Kitaplätze entstehen. Das ist Nachwuchsarbeit und Kommunikation über die Rolle des Mannes als Erzieher gefragt. Im trägerübergreifenden Arbeitskreis stellte sich heraus, dass Eltern auch bei anderen Trägern kritisch waren. Eigene Elternabende zum Thema „Mann in der Kita“ wurden anberaumt. „Unser Selbstverständnis heisst eher: Männer in der Kita ist ok.“ Denn in der Rasselbande wickelt ein Mann auch in der U-3-Gruppe. Gerade dort sei Pflege eine wichtige Erziehungsarbeit. Die Kinder entscheiden wer sie wickelt, und die Wahl treffe auf einen Mann, wenn das Kind das so will. „Aber eine Praktikantin wickelt hier auch kein Kind.“
Warteliste
Wer sich für den Beruf des Erziehers interessiert hat gute Jobchancen. Christoph Hoch rät: „Macht es, supertoll, es gibt keinen schöneren Beruf, aber man muss Gefallen daran haben.“ Man spürt, er brennt dafür. Dann bekomme man auch viel wieder, jeden Tag. Als Leitung sei die Aufgabe natürlich auch anstrengend. Angewöhnt hat er sich als Leiter, nur ein Drittel des Tages zu planen. „Denn man ist für Menschen da und das ist superschön.“ Mit Christoph Hoch und seinem Team in der Rasselbande geht die Rechnung auf: Die Warteliste ist aussergwöhnlich lang.
Wer sich als Interessent für eine Ausbildung bewerben möchte oder für eine Arbeitsstelle, kann dies zentral bei der AWO-Geschäftsstelle machen. Die Anfrage kommt in einen Bewerberpool, auf den alle Kitaleitungen Zugriff haben. Wünsche nach Ort können genannt werden. Berufsbegleitend kann eventuell der Titel als Fachwirt erworben werden, Fortbildungen sind üblich.
Der nächsten Generation optimale Chancen mitzugeben, das ist ein Anliegen von Christoph Hoch. Die Einrichtung besuchen auch 20 Integrationskinder, mehr als jede andere Einrichtung im Umkreis mit speziellem Konzept.

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