„Es gibt 18-Jährige, die nicht schreiben können“

Mit „Brücken für Familien“ will der Kreis Unna dafür sorgen, dass alle Kinder optimale Förderung erhalten.
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  • Mit „Brücken für Familien“ will der Kreis Unna dafür sorgen, dass alle Kinder optimale Förderung erhalten.
  • Foto: Rainer Sturm/www.pixelio.de
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Sogar im Kreis Unna gibt es Analphabeten: „Ich kenne 18-Jährige, die eine Ausbildung machen möchten, aber nicht einmal richtig lesen und schreiben können“, erklärt Heinz-Dieter Edelkötter, Jugendamtsleiter der Kreisstadt Unna. Abhilfe schaffen soll das Modellvorhaben „Brücken für Familien“.

In den beteiligten Kommunen, unter anderem Kamen, Bergkamen und Unna, wurden in den Jugendämtern, dem Gesundheits- und Bildungsbereich sowie beim Jobcenter des Kreises bereits diverse Angebote, Aktivitäten und Netzwerke entwickelt. Das Landesprojekt „Kein Kind zurücklassen“ stand Pate. Vielleicht können so auch Fälle wie jener der beiden toten Kinder verhindert werden, die Anfang Oktober nach einem Wohnungsbrand in Lünen entdeckt wurden. Vermutlich ist die Mutter mit dem Tod überfordert gewesen. Mit entsprechendem Wissen hätte sie sich möglicherweise die passende Hilfe geholt.
Wichtig ist den Teilnehmern des Projektes vor allem, die Scheu vor dem Jugendamt zu nehmen. „Wir wollen, dass die Leute uns eher als Partner sehen, bei dem man sich Hilfe holen kann“, so Heinz-Dieter Edelkötter. „Wenn jemand zum Jugendamt geht, hat das für viele Außenstehende einen schlechten Beigeschmack. Sie glauben dann, dass die Eltern versagt haben. Das wollen wir ändern.“
In dem Modellvorhaben sollen diese Präventionsangebote vor Ort miteinander verbunden und weiterentwickelt werden. Ziel ist es, auf Dauer alle Kinder und Jugendlichen in den vorhandenen Netzen aufzufangen.
Neben den erwähnten Lese­schwierigkeiten gibt es etwa auch Jugendliche, die eine Sozialinkompetenz haben. Sie haben etwa kein Selbstvertrauen oder keine Motivation oder verfügen über keine Menschenkenntnis. Für solche Problemfälle ist das Projekt gedacht. Kinder sollen von Anfang an begleitet werden. Dazu sollen die verschiedenen Netzwerke vor Ort besser aufeinander abgestimmt werden. Wichtig sind Übergangsphasen, etwa wenn die Kinder vom Kindergarten in die Schule wechseln.
Dazu müssen die Kräfte und Institutionen, die im Kreis mit Kindern, Jugendlichen und Familien arbeiten, noch weiter ins Gespräch kommen. Den Auftakt bildet eine Informationsveranstaltung in der Stadthalle in Unna. Neben Infos über das Landesprojekt geht es den kreisweiten Kooperationspartnern insbesondere um das konkrete Modellvorhaben „Brücken für Familien“ der Kommunen im Kreis Unna. Am Landesprogramm ist auch die Bertelsmann­stiftung beteiligt. „Es soll nicht alles neu erfunden werden“, so Heinz-Dieter Edelkötter. „Vielmehr geht es um einen Wissenstransfer. Vielleicht gibt es in Lünen eine Aktion, die sich auch gut in Unna oder Kamen umsetzen ließe.“
Das Programm ist vor allem zur Vorbeugung gedacht. Langfristig rechnet sich das, wie Heinz-Dieter Edelkötter erklärt: „Wenn wir in die Kinder investieren, stehen sie später dem Arbeitsmarkt zur Verfügung und laufen weniger Gefahr, in Hartz 4 abzurutschen.“

Mit „Brücken für Familien“ will der Kreis Unna dafür sorgen, dass alle Kinder optimale Förderung erhalten.
Heinz-Dieter Edelkötter.
Autor:

Tobias Weskamp aus Kamen

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