„Nicht allein bleiben mit der Krankheit“

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Regionalleiter stellen sich vor Dr. Hans Wille

Nicht ganz freiwillig kam Dr. Hans Wille zu seiner Position als Leiter der Regionalgruppe Unna. Aus Liebe zu seiner Frau Ingrid wurde Dr. Wille seiner Maxime untreu, niemals einem Verein beizutreten.

● Alter: 75 Jahre
● Familienstand: verheiratet
● Beruf: Unternehmer im Ruhestand seit 2003
● Leitung Regionalgruppe: Unna, seit 8. Dezember 2010

Von Ulrike Braatz, Stuttgart
„Niemals würde ich einem Verein beitreten, der Leute wie mich aufnimmt“. Dieser von Woody Allen geprägte Satz galt über Jahrzehnte auch für Dr. Hans Wille. Seiner Frau Ingrid zuliebe ist er dieser Maxime untreu geworden. 2001 wurde bei Ingrid Wille in der Uniklinik Münster die Diagnose Parkinson gestellt. Davor lag ein Jahr der Ungewissheit, zahlreiche Besuche bei mehreren Fachärzten, unterschiedlichste Diagnosen und Medikamente, die von Betablockern über Antirheumatika bis hin zu Psychopharmaka reichten. Schwierigkeiten beim Gehen - der linke Arm bewegte sich nicht - und starke Beeinträchtigung durch Stress waren erste Symptome, die Ingrid Wille veranlasst hatten zum Arzt zu gehen.

Endlich zu wissen, was die Beschwerden verursachte, war für beide eine Erleichterung. Beide waren zwar betroffen von der Diagnose, hatten aber keine Schwierigkeiten, die chronische Krankheit zu akzeptieren, da Ingrid Willes Mutter ebenfalls an Parkinson erkrankt war und sie schon vermutet hatte, von der gleichen Krankheit betroffen zu sein. Sie gingen von Anfang an offen damit um und fanden im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis volle Unterstützung und, wenn nötig, Rücksichtnahme.

Zu sehen, wie andere mit der Diagnose Parkinson umgehen, war der Grund für Ingrid Wille, sich eine Selbsthilfegruppe zu suchen. In 2002 trat sie in die dVP-Selbst-hilfegruppe Unna ein. 2007 übernahm sie die Verantwortung für die Finanzen der Gruppe. Als wegen mehrerer bevorstehender Krankenhausaufenthalte klar war, dass sie häufig fehlen würde, bat sie ihren Mann, Mitglied zu werden und sie zu unterstützen. Das war der Grund, warum Dr. Wille seinen Vorsatz, nie einem Verein beizutreten, untreu geworden ist.

Er war zunächst sehr überrascht, dass es Lothar Ihne, dem damaligen Regionalgruppenleiter, gelang, Chefärzte, Professoren etc. nach Unna zu holen, und dass Parkinson-Betroffene und Angehörige von diesen auch ernst genommen wurden. Von Anfang an unterstützte der den Gruppenleiter, indem er sich um die Förderanträge, den Druck der Flyer und des Jahresprogramms etc. kümmerte.

Als Lothar Ihne Anfang 2010 eine schwere Herzoperation hatte, übernahm dessen Frau, Marianne Ihne, die Leitung der Gruppe. Dr. Wille unterstützte sie nach Kräften bei dieser Aufgabe. Nachdem Lothar Ihne aus gesundheitlichen Gründen sein Amt aufgeben musste und es keinen anderen Kandidaten gab, erklärte Dr. Wille sich bereit, die Gruppenleitung zu übernehmen. Im Dezember 2010 wurde er zum Leiter der Gruppe gewählt und Marianne Ihne als seinen Stellvertreterin. Beide werden regelmäßig von anderen Mitgliedern unterstützt, die bei den Vor- und Nachbereitungen der Treffen, bei Aktionen und immer dann, wenn es erforderlich ist, mithelfen.

Dr. Wille hat die Gruppe mit 50 Mitgliedern übernommen. Dank der vielen Aktivitäten wie z.B. dem Auftritt auf der Gesundheitsmesse Unna und dank der Pressearbeit ist sie inzwischen auf 86 Mitglieder angewachsen. Dr. Wille sieht das mit etwas gemischten Gefühlen. Noch kennt er alle Mitglieder, die zu den wichtigsten Treffen kommen, und er würde es bedauern, wenn sich das - was bei weiterem Wachstum wohl kaum zu vermeiden wäre - ändern würde. Das Durchschnittsalter der Gruppe beträgt 73 Jahre, der Jüngste ist 49, der Älteste 88 Jahre alt.

Als in 2010 die dPV durch den „Spiegel“ -Bericht ins Schlingern geriet, war die Hauptsorge von Dr. Wille, dass die Spender abspringen, die Krankenkassen das Vertrauen verlieren und in der Folge nicht nur das Geld ausgeht, sondern auch das inzwischen aufgebaute Ansehen dahinschwindet. Um dem zu begegnen, besuchte Dr. Wille zahlreiche lokale Persönlichkeiten, angefangen beim Landrat, über den Bürgermeister, bis hin zu den Vorständen von Sparkasse und Volksbank, um ihnen deutlich zu machen, dass die Arbeit der Selbsthilfegruppe Unna für Betroffene und Angehörige weiter geführt wird, unabhängig vom Ausgang der Angelegenheit für den Verband.

An der Selbsthilfe schätzt er, dass man mit einer unheilbaren Krankheit nicht allein ist, Informationen von erstklassigen Fachleuten über die Erkrankung, Begleiterscheinungen , Therapien etc bekommt. Er würde sich aber wünschen, dass die Selbsthilfe als einzig wirkliche Patientenvertretung gegenüber Behörden und Ärzten mehr Stärke zeigen würde.

Seinem Ärger über die Geringschätzung der Gesundheitspolitik für die Menschen im Ruhrgebiet hat Dr. Wille Luft gemacht, indem er das „Schwarzbuch Ruhr, Gesundheitspolitik für das Ruhrgebiet“ verfasst hat: www.schwarzbuchruhr.de , wo er sich unter anderem vehement für eine vernünftige Ärztebedarfsplanung, für angemessene Arzthonorare und bedarfsgerechte Kassenzulassungen einsetzt. ■

Kontakt zur Gruppe
Dr. Hans Wille, Gruppenleiter
Heggeweg 12
59425 Unna
Telefon: 02303/773217
Email: h_wille@gmx.de
Internet: www.parkinson-unna.de

12.05.2013 09:44:16

Autor:

Jürgen Thoms aus Unna

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