Frauenhaare verboten! - Friseur flüchtete aus dem Iran

Beliebt bei der Kundschaft und Mitarbeitern ist Saeed Mardani im Salon Emde in Königsborn.
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Von St. Reimet

Seine spezielle Art des Färbens und Frisierens wollte er weiterentwickeln. Für seine Kreativität nahm er auch ein Arbeitsverbot in seiner Heimat Iran in Kauf. Denn er konzentrierte sich auf Damenfrisuren, für einen Mann eine Unmöglichkeit in diesem Kulturkreis. Nach seiner Flucht ist Saeed Mardani(28) im Friseursalon Emde angekommen und er hat vor allem eines: Eine riesengroße Portion Zuversicht.

Erst seit elf Monaten ist er mit seiner Familie in Deutschland. Seine Frau erwartet ein Kind, für sie ist es schon acht Monate alt. „Wir zählen bereits vor der Geburt“, erklärt Saeed. Der Name steht fest, das Mädchen werde Pranca, Prinzessin, heißen. Nach der Basisschule im Iran wurde Saeed Friseur und entdeckte rasch die künstlerischen Seiten daran. Er entwickelte eine eigene Färbemethode für seine Kundinnen, arbeitete ohne Pausen im Salon. Dreizehn Jahre war er tätig, bis das endgültige Aus kam. „Im Iran ist es vorgeschrieben, dass Männer nur Männern die Haare schneiden. Das wollte ich nicht aussschließlich.“ Ihm und seiner Frau blieb nur die Flucht, die beide zunächst nach London führte. Einem Vermittler bezahlte er mehrere tausend Euro für Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten in London, schließlich in Deutschland. Als er in Bielefeld schließlich mit der Polizei in Kontakt kam, erhielt er die Empfehlung, in Deutschland Asyl zu beantragen. Zwar habe er einen Freund in London, der ihm Arbeit dort vermitteln wollte, doch Saeed entschied sich für Deutschland. „Hier gefällt es mir besser.“
Überrascht sei er von der Hilfsbereitschaft in Deutschland. Wo er auch einkaufe, alles werde ihm geduldig erklärt.
Führerschein
Die größte Hürde für ihn und seine Frau bildete die Sprache. Mit entsprechenden Kursen erreichten beide in fünf Monaten ein gutes Basis-Sprachniveau. „Wir haben besonders schnell Deutsch gelernt, weil wir viele Freunde gefunden haben“, erklärt Saeed. Auch der Kontankt mit Kunden helfe ihm sehr beim Erlernen der Sprache. Anfangs sei es schwierig gewesen, Arbeit zu finden. Seit drei Monaten ist er im Salon Emde beschäftigt. Und es laufe immer besser. Denn in sozialen Netzwerken verbreiten sich Kurzfilme über seine Frisurentechnik, daraufhin rufen Kunden an und möchten seitdem von ihm bedient werden.
Doch über dem Verbleib der Familie in Deutschland schwebt noch eine dunkle Wolke. Saeed hat keinen offiziellen Aufenthaltsstatus, lediglich eine Duldung. In den Iran zurück möchte er nicht, dort greife direkt das Arbeitsverbot. Die Abschiebung drohe zwar, aber viele Gründe sprechen derzeit für einen dauerhaften Aufenthalt. Er hat den Sprachkurs bis zum Level A2 gemacht, hat einen Arbeitsplatz sowie eine Familie.
Familienvater
Froh war Saeed, als er nicht mehr auf Sozialleistungen angewiesen war. „Jetzt bezahle ich auch Steuern wie alle anderen und fühle mich gut dabei.“ Bald möchte er den Führerschein machen. Denn von seinem Wohnort in Billmerich fährt Saeed mit seiner Frau jeden Morgen nach Bönen, um den Deutschkurs fortzuführen, im Frühjahr steht die B1-Prüfung an. Sprechen habe er gut gelernt, das Schreiben sei nach wie vor schwierig. Danach hat er 30 Minuten Zeit, um nach Königsborn in den Friseursalon zu kommen. Dort arbeitet er von 13 bis 18 Uhr. Nach der Sprachprüfung möchte Saeed in Vollzeit arbeiten. „Wenn das Kind da ist bin ich der Ernährer.“
Trotz aller Schwierigkeiten blickt Saeed positiv in die Zukunft. „Hier habe ich keinen Stress, ich stehe mit Freude auf.“ Eines möchte er in keinem Falle, zurück in den Iran. Dort werde zu viel illegal gearbeitet und der Spaß daran sei ihm verloren gegangen.

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