IHK diagnostiziert „konjunkturellen Höhenflug“

Die IHK-Konjunkturexperten Gerd Helmut Diestler (links) und Marcus Stimler informierten über die Ergebnisse der jüngsten IHK-Umfrage.
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Jüngste Konjunkturumfrage der IHK bestätigt „Boomphase“ im Kreis Mettmann

Die IHK Düsseldorf (Industrie- und Handelskammer) führte auch in diesem Spätsommer eine umfassende Konjunkturumfrage im Kreis Mettmann durch. Erneut wurden hierbei 190 Unternehmen mit zusammen fast 19.000 Beschäftigten zu ihrer aktuellen Geschäftslage und ihren Erwartungen befragt. Unter anderem wollten die Experten wissen: „Was erwartet die Wirtschaft im Kreis Mettmann für das kommende Jahr?“

Dabei war es den IHK-Experten besonders wichtig zu erfahren, ob die sich verändernden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen - wie Aufbau internationaler Handelsbarrieren, Brexit, Türkei- und Italien-Krise oder die schwächelnde Koalition in Deutschland - die bisher positive Stimmung trüben konnte? Außerdem wurde in der Umfrage genauer unter die Lupe genommen, wie sich der andauernde Fachkräftemangel und die allgemeine internationale Großwetterlage künftig auf Wachstum und Investitionsbereitschaft der Unternehmen auswirken werden. Über das nun veröffentlichte Ergebnis der Umfrage zeigten sich IHK-Konjunkturexperte Gerd Helmut Diestler und der für den niederbergischen Raum zuständige IHK-Referent Marcus Stimler erfreut.

Konjunktureinbruch nicht in Sicht

„Das Neanderland befindet sich weiterhin im konjunkturellen Höhenflug“, so Stimler. „Wir sind gut aufgestellt und in der Boomphase angekommen. Das bedeutet aber auch, dass in manchen Bereichen die allgemeine Erwartungshaltung für das kommende Jahr weniger positiv ausfällt.“ Jeder zweite Betrieb berichtet demnach über derzeit gute Geschäfte, während nur etwas über sechs Prozent diese als schlecht bezeichnen. Angesichts dieses hohen Niveaus sei es also kein Wunder, wenn die Geschäftserwartungen etwas verhaltener als noch vor zwölf Monaten ausfallen würden, so auch Gerd Helmut Diestler, Volkswirt der IHK Düsseldorf. Es seien allerdings immer noch mehr Betriebe optimistisch als pessimistisch. „Der Anteil der Betriebe, die im kommenden Jahr weiteres Wachstum erwarten, liegt immer noch bei 28 Prozent. Rückläufige Geschäfte befürchten dem gegenüber nur zwölf Prozent.“ Anders ausgedrückt: 2019 sei weder mit einem Überhitzen der Konjunktur noch mit einem Konjunktureinbruch zu rechnen.

Ausschlaggebend für die gute Konjunktur sind nach Meinung der Experten nach wie vor mehrere Faktoren. Dazu gehören unter anderem das stetige Sinken der Arbeitslosigkeit, die Zunahme bei Beschäftigung und Einkommen, eine moderate Inflation und niedrige Zinsen. „All das kurbelt den Konsum weiter an“, so Diestler. „Das macht sich auch beim Einzelhandel bemerkbar.“ Das Konjunkturklima im Einzelhandel sei laut Umfrage daher ungewöhnlich gut. Nach etlichen Jahren der Unzufriedenheit, profitiere der Einzelhandel nun auf breiter Front von der sehr guten Entwicklung der Binnennachfrage. „Die privaten Verbraucher konsumieren wieder deutlich mehr. Überproportional entwickeln sich dabei die online getätigten Umsätze derjenigen Einzelhändler, die auch über das Internet verkaufen. Insgesamt berichtet mehr als jeder zweite Einzelhändler von guten Geschäften, während nur gut jeder zehnte derzeit unzufrieden ist“, so der Volkswirt weiter. Über 40 Prozent rechnen weiterhin mit einer Aufwärtsentwicklung. So gut wie keiner befürchte einen Einbruch der Konsumkonjunktur.

Konjunktureller Spitzenreiter ist der Großhandel

Auch die Maschinen und Anlagen im Neanderland sind nochmals höher ausgelastet als zu Jahresbeginn. Die beste aktuelle Lage meldet laut Umfrage die bereits mehr ausgelastete Bauwirtschaft. Spitzenreiter im Branchenvergleich ist allerdings das Konjunkturklima im Großhandel. Die Weltwirtschaft verliere zwar allmählich an Fahrt, von einer Krise könne jedoch noch keine Rede sein. Von daher verharre der Export weiter auf einem außerordentlich hohen Niveau, so die IHK-Experten. Allerdings stehen diesen positiven Faktoren mehr Konjunkturrisiken als zuvor gegenüber: „Die Unternehmen zeigen sich mehrheitlich irritiert über die beunruhigenden internationalen Nachrichten. Zunehmende Handelsbarrieren, Strafzölle, Sanktionen, die Krise in der Türkei und nun auch noch die Sorgen um die finanzwirtschaftliche Stabilität Italiens sowie der bislang völlig unklare Brexit belasten nicht nur den Außenhandel“, so der Handelsexperte Stimler.

Fachkräftemangel birgt Konjunkturrisiko

Größtes Risiko bleibe jedoch mit 44 Prozent der Nennungen der Fachkräftemangel. Viele Betriebe würden gern mehr zusätzliches Personal einstellen, vorausgesetzt, sie fänden geeignete Bewerber. Besonders häufig gesucht werden Absolventen der dualen Berufsausbildung. Die Ursachen für eine lange Personalsuche liegen häufig in der zu geringen oder nicht passenden Qualifikation der Bewerber oder schlicht in der Tatsache, dass es keine Bewerber gibt. „Ein Drittel der Betriebe beklagt zu hohe Forderungen der Bewerber, so gut wie keiner sieht sich durch Standortnachteile gegenüber Konkurrenten aus anderen Regionen benachteiligt“, so Diestler abschließend.

Die IHK-Konjunkturexperten Gerd Helmut Diestler (links) und Marcus Stimler informierten über die Ergebnisse der jüngsten IHK-Umfrage.

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