"Gemeinsam Wege gehen" - auch noch nach 70 Jahren

Schwester Elisabeth und Einrichtungsleiter Peter Huyeng vor der Gedenktafel.
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"Gemeinsam Wege gehen" - so lautet der Leitspruch der Stiftung Mary Ward. Was vor 70 Jahren - damals noch unter dem Namen "Haus Maria Frieden" - als familienersetzendes Kinderheim für Kriegswaisen errichtet wurde, hat sich zu einer modernen Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe mit differenziertem Angebot entwickelt.

So gibt es ein familienorientiertes und ein familienaktivierendes Wohnangebot, ein heilpädagogisches Wohnangebot und eins für weibliche Jugendliche, ebenso ein Wohnangebot für männliche Jugendliche und das Mutter/Vater-Kind-Wohnen, außerdem die Kita Mary Ward sowie flexible Hilfen für Jugendliche ab dem 17. Lebensjahr und schließlich einen Ankerpunkt und eine Notaufnahme zur sozialpädagogischen Diagnose. "Über 120 Fachkräfte arbeiten im Sinne der Kinder- und Jugendhilfe", sagt Peter Huyeng, Leiter der Einrichtung.

Änderung der Trägerschaft in 2015

Seit Ende des Jahres 2015 ist die Trägerschaft an die eigens hierfür gegründete Stiftung Mary Ward übergegangen. "Und obwohl das nun schon einige Jahre her ist, wird nach wie vor oft vom ,Haus Maria Frieden' gesprochen", so der Einrichtungsleiter. Dabei sei der Name ,Stiftung Mary Ward' ganz bewusst gewählt worden, als es zur Umstrukturierung kam. "Der Sendungsauftrag der namensgebenden Schwester war, sich insbesondere für das Wohl der Kinder und Jugendlichen einzusetzen", erläutert Huyeng. Im Geiste Mary Wards, die Engländerin war, wird ausdrücklich Wert auf die Stärkung von Kindern und Jugendlichen gelegt, die oft in besonderer Weise Benachteiligung erfahren.
"Daher ist mir unser Leitspruch auch sehr wichtig! Nicht nur mir, auch allen Mitarbeitern der Einrichtung, ebenso wie den Kindern und ihren Eltern", führt Peter Huyeng aus. "Gemeinsam Wege gehen" - das bedeute auch, dass die Kinder an die Hand genommen werden und nicht, dass man ihnen vorgibt, wie ihr Leben fortan auszusehen hat. "Die Aufarbeitung von Traumata, die Suche nach möglichen Ursachen, Selbstreflexion, das Stärken von Kompetenzen und vieles mehr gehört dazu." Durch die vielen neuen Erkenntnisse in der pädagogischen Arbeit, sei ein gezielteres und differenziertes Arbeiten als früher möglich. "Und das ist auch gut so", betont Peter Huyeng, der seit Januar 2009 als Einrichtungsleiter in Langenberg tätig ist. "Auch die Kriegswaisen hatten damals Traumata und familiäre Probleme - nur mussten sie alleine damit zurecht kommen."

Erste Heimkinder zogen 1948 ein

Doch wie war das damals eigentlich? Wie kam es vor 70 Jahren zur Gründung des Kinderheims in Langenberg, dass durch die Schwestern des Ordens Mary Ward betreut wurde? "Während eines Luftangriffes auf Mainz im Februar 1946 legte die die damalige Generaloberin der ,Englischen Schwestern' ein Versprechen ab", weiß Schwester Elisabeth. "Sie sicherte zu, dass sich die Gemeinschaft in einem Heim um Kriegswaisen kümmern würde, wenn sie im Gegenzug die aufgehobene Schule wieder zurückerhielte." So sollte es sein. Etwa zur selben Zeit stellte zudem Dr. Birk dem Kirchenvorstand der Langenberger Gemeinde das Fachwerkhaus am Bökenbusch für Kriegswaisen zur Verfügung. "Und schließlich spielte der glückliche Zufall eine Rolle", so Schwester Elisabeth weiter. "Denn eine junge Langenbergerin, Fräulein Knöll, besuchte die Schule in Mainz, erzählte ihrem Vater, der im Kirchenvorstand aktiv war, von dem Versprechen der ,Englischen Schwestern' und alles nahm seinen Lauf."
Im April 1948 konnten die ersten Schwestern des Ordens das Fachwerkhaus beziehen. "Mit ihnen zogen zwölf Waisen ein, die ihre Eltern im Krieg verloren hatten. Alles Mädchen, denn damals gab es nur geschlechtergetrennte Kinderheime." Schnell nahm die Anzahl an zu betreuenden Kindern zu, bis es irgendwann 48 Waisen waren, die in der Einrichtung ein neues Zuhause fanden. Ein Umdenken in der Pädagogik fand statt, folglich sollten Geschwisterkinder nicht getrennt werden, was dazu führte, dass Jungen ebenfalls aufgenommen werden konnten.

Ständige Entwicklung

Seither findet eine ständige Entwicklung statt, nicht nur was die pädagogische Arbeit betrifft. Auch die Einrichtung an sich wurde mehrmals erweitert und modernistert. Größter Rückschlag in all den Jahren war das Feuer in 1982, bei dem das ursprüngliche Fachwerkhaus niederbrannte. "Die Kinder kamen damals bei Familien in Langenberg unter, der Zusammenhalt und die Unterstützung waren sehr groß", weiß Peter Huyeng aus Erzählungen. Und: Es gibt noch einen alten Gebäudeteil, den alten Speisesaal. "Vor diesem steht eine Gedenktafel."

Heute sind es circa 100 stationäre Betreuungsplätze sowie weitere Betreuungsplätze in der angeschlossenen Kindertagesstätte, bei der Offenen Ganztagsschule und bei weiteren Gruppen. "Insgesamt sind es über 180 Kinder und Jugendliche, die von den 120 Fachkräften der Stiftung Mary Ward betreut werden", sagt Peter Huyeng. Vom Säuglingsalter bis zur Volljährigkeit - in der Regel handelt es sich aber nicht mehr um Vollwaisen, sondern um Kinder und Jugendliche, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht bei ihren Eltern beziehungsweise Familien aufwachsen können. "Wobei es immer das Ziel unserer Arbeit ist, die Kinder wieder in ihr familiäres Umfeld zurückzuführen, wenn die Möglichkeit besteht", betont der Einrichtungsleiter, der bedauert, dass die Eltern meist nicht eine so gute Betreuung erfahren wie ihre Kinder.

Information:
-Am Samstag, 1. September, findet ein großes Sommerfest an der Bökenbuschstraße 7 in Langenberg statt. Dabei wird das 70-jährige Bestehen mit Kindern, Eltern, Mitarbeitern und weiteren Interessierten gefeiert. Es wird ein buntes Spiele-Programm sowie Einblicke in die Arbeit der Stiftung Mary Ward geben.
-Das Jahresmotto 2018 lautet "Woran glaubst du?"
-Jedes Jahr wird ein Jahreskalender mit Kunstwerken der Kinder und Jugendlichen erstellt und veröffentlicht.

Autor:

Maren Menke aus Velbert

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