Fallende Milchpreise bedrohen Bauern

Die Kühe von Emil Mühlinghaus gehen freiwillig in den Melkroboter. Während sie sich das leckere Kraftfutter schmecken lassen, werden sie vollautomatisch gemolken.
  • Die Kühe von Emil Mühlinghaus gehen freiwillig in den Melkroboter. Während sie sich das leckere Kraftfutter schmecken lassen, werden sie vollautomatisch gemolken.
  • Foto: Ulrich Bangert
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Wenn Milchbauer Martin Mühlinghaus morgens in den Stall geht, schaut er nicht sofort nach den Kühen, sondern in den Computer. Der Landwirtschaftsmeister muss nicht mehr selbst Hand anlegen, um seine rund 100 Kühe zu melken. Das machen seit einem Jahr zwei Melkroboter und ein Computer. „Anhand der Daten kann ich sehen, ob bei den Tieren alles in Ordnung ist. Wenn nicht, kümmere ich mich besonders intensiv um die betroffene Kuh.“

Durch den neuen Boxenlaufstall mit dem Melkroboter hat sich die Arbeit für die Familie Mühlinghaus verändert. „Sie ist nicht weniger geworden, aber anders. Jetzt darf man auch mal verschlafen“, räumt Dorothea Mühlinghaus ein. Vor allem das tägliche, rund sechs Stunden dauernde Melken entfällt. Das macht jetzt der Roboter. „Wenn die Kühe gemolken werden möchten, dann gehen sie in die Box, angelockt durch Kraftfutter, das mögen sie so gerne wie Menschen Schokolade“, schildert Emil Mühlinghaus die Funktionsweise. Sensoren sorgen dafür, dass die Melkbecher an die Euter angelegt werden. „Dann werden zuerst die Zitzen gereinigt, dieses Wasser geht mit der ersten Milch ins Abwasser, es ist alles sehr hygienisch“, beschreibt der Landwirt die neue Technik.
Die kann sogar noch mehr: „Anhand eines Leitwertes wird erkannt, ob eine Entzündung vorliegt. Ist das der Fall, geht diese Milch auch ins Abwasser. Über den Transponder, den jede Kuh trägt, wird das im Rechner verzeichnet und wir können das Tier zur Seite nehmen.“

Auf die Sache mit dem Vorzeigestall und dem vollautomatischen Melkstand kam Martin Mühlinghaus während seiner Meisterschule. „Wir haben das vor allem wegen des Tierwohls gemacht, weil sich die Kühe besser fühlen.“ Martin Mühlinghaus, der den Betrieb weiter führen wird, konnte seine Eltern im vergangenen Jahr von der 850.000 Euro teuren Investition überzeugen. „So lange der Milchpreis nicht unter 29 Cent rutscht, lohnt sich das für uns.“ Das hatte er spitz gerechnet.
Nun aber ist der Erzeugerpreis dramatisch gefallen, bestenfalls 25 Cent gibt es von der Molkerei. „Das geht nur, wenn man für sich selbst kein Geld ausgibt“, so Emil Mühlinghaus, der zusammen mit den anderen neun Milchbauern in Velbert auf bessere Zeiten hofft.
"Die könnten eintreten, wenn die EU das Embargo gegen Russland aufhebt und die Nachfrage in China steigt“, weiß Martin Dahlmann. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Mettmann nahm Stellung zu der aktuellen Entwicklung. „Von fallenden Erzeugerpreisen sind auch die Schweinehalter und die Getreidebauern betroffen“, weiß Dahlmann, der die Macht des Einzelhandels beklagt. „Mit der Fusion von Tengelmann und Edeka wird die Einkaufsmacht verschärft.“

Während der Bauernfunktionär die Politik als „hilflos“ bezeichnet, appelliert er an die Verbraucher. „Kaufen Sie keine Milch von No-Name-Marken aus dem Discounter.“ Und er lädt zum "Tag des offenen Hofes" ein. Der findet morgen von 11 bis 17 Uhr bei der Familie Mühlinghaus an der Alaunstraße 82 statt. Da kann man sich den neuen Boxenlaufstall mit dem Melkroboter anschauen, Tiere streicheln und sich über die heimische Landwirtschaft informieren.

Autor:

Lokalkompass Niederberg aus Velbert

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