Stolperstein für Carl Kipper wurde an der Neustraße 149 in Tönisheide verlegt
Über die Geschichte stolpern

Ein weiterer Stolperstein in Velberter Stadtgebiet erinnert seit vergangener Woche an ein Opfer des Nationalsozialismus.
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Ein weiterer Stolperstein in Velberter Stadtgebiet erinnert seit vergangener Woche an ein Opfer des Nationalsozialismus.

Carl Kipper, der einst an der Neustraße 149 lebte und im Zuge der T4-Aktion in Brandenburg an der Havel vergast wurde, soll nicht in Vergessenheit geraten. Gemeinsam mit dem deutschen Künstler Gunter Demnig, der den Stein anfertigte und im Rahmen einer Gedenkveranstaltung einsetzte, hat Tobias Glittenberg aus Velbert initiiert, das dieses Stück Geschichte sichtbar gemacht wird. "Ich bin im Zuge der Ahnenforschung auf die Geschichte meines Ur-Großonkels gestoßen und habe durch intensive Recherche einiges Interessantes in Erfahrung bringen können", so Glittenberg, der nun Pate des Stolpersteins ist. Nachdem er im Rahmen einer Gedenkveranstaltung bereits in der Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg an der Havel eine selbstgeschriebene Kurzgeschichte vortragen durfte, folgte nun eine erste öffentliche Gedenkveranstaltung in der Heimat Carl Kippers.

"Sind Sie schon einmal gestolpert?"

"Sind Sie schon einmal gestolpert?", fragte der Velberter in seiner Ansprache, der an diesem Morgen Lokalpolitiker, Schüler und Lehrer der Städtischen Gesamtschule Velbert-Mitte, Mitglieder des Bergischen Geschichtsvereins sowie Interessierte folgten. Das Stolpern über dunkle Zeiten der Geschichte sei etwas, das man nicht gerne tue, das man aber sollte, damit sich solche Gräueltaten nicht wiederholen. "Jetzt gibt es insgesamt 41 Stolpersteine in der Stadt, die helfen, dass die jeweiligen Opfer nicht in Vergessenheit geraten", so Glittenberg weiter.

Medikamente und Zwangssterilisation 

Carl Kipper, der am 12. Juni 1902 geboren wurde, absolvierte, nachdem er acht Jahre zur Schule ging, eine dreijährige Lehre als Schleifer. Ausgelöst durch eine Mittelohrentzündung in Kindertagen war er schwerhörig. "Im Juni 1932 begab er sich auf Wanderschaft", erläuterte Glittenberg die Lebensgeschichte seines Ur-Großonkels. "Nach nur vier Wochen musste er seine Reise allerdings abbrechen und zurück in die Heimat kommen, da sein Vater verstorben war." Daraufhin ging alles ganz schnell: Carl Kipper wurde im Oktober desselben Jahres mit der Diagnose "Angeborener Schwachsinn" in eine Heil- und Pflegeanstalt eingewiesen und schließlich gerichtlich entmündigt. "Seinen Krankenakten lässt sich entnehmen, dass er seine Entlassung verlangte und die Diagnose mehrmals hinterfragte." Ohne Erfolg: Insgesamt acht Jahre verbrachte er - unter dem Einfluss verschiedenster Medikamente - in einer Anstalt in Bedburg-Hau und "wurde dort durch die Maßnahmen und Behandlungen gebrochen", so Glittenberg. Auch einer Zwangssterilisation musste er sich unterziehen, da er laut damaliger Ansicht als "biologisch minderwertig" zu betrachten war. Im März 1940 wird er gemeinsam mit zwölf Frauen und 322 Männern nach Brandenburg an der Havel gebracht, wo sein Leben ein schreckliches Ende findet.

Weitere Ausarbeitung des Themas

"Es gibt wegen des Datenschutzes noch immer keine öffentliche Datenbank für Opfer der Euthanasie", informiert Tobias Glittenberg und hofft, in Zusammenarbeit mit Schulen und dem Geschichtsverein etwas über die Stolpersteine in Velbert zu erarbeiten, das Velbertern und weiteren Interessierten mehr Aufschluss über die Vergangenheit der Bürger der Stadt gibt.

Einen weiteren Text zu diesem Thema finden Sie unter: https://www.lokalkompass.de/event/velbert-neviges/c-information/ein-weiterer-stolperstein-wird-in-velbert-verlegt_e273285

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