Blick durch die Rauschbrille: Jugendliche testeten, wie Alkohol wirkt

Garnicht so einfach: mit der Rauschbrille wird das tippen einer Sms fast unmöglich. Foto:GHS
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  • hochgeladen von Lisa Nieder

Es ist gar nicht so einfach, betrunken ein Fahrradschloss zu öffnen, eine SMS zu schreiben, sich die Lippen zu schminken oder mit einem Hausschlüssel die Türe zu öffnen.

Das haben Schüler der Klassen 8 und 9 des Gymnasiums des Gustav-Heinemann-Schulzentrums in Hiesfeld am 12. Und 13. Dezember am eigenen Leib erfahren. Sie waren natürlich nicht wirklich betrunken. Sie hatten nur bei einer der Stationen eines Alkohol-Parcours eine „Rauschbrille“ auf der Nase. Beim Blick durch ihre Gläser fühlt man sich, als hätte man zu tief ins Glass geblickt. Der „ALK-Parcours“, den die ginko-Stiftung für Prävention entwickelt hat, besteht aus fünf Stationen. Nach und nach lernen die Schüler verschiedene Aspekte der Alkoholthematik kennen, können sich aktiv beteiligen und erfahren etwas über Gefahren und Auswirkungen des Alkoholkonsums.

Neben den Erfahrungen mit der „Rauschbrille“ lernen sie auch, welche Organe und Körperteile durch Alkohol geschädigt werden (Körper-Puzzle), sie erfahren etwas über die geschlechtsspezifischen Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs (z.B. sexuelle Belästigung), sie suchen Alternativen zu Alkohol als „Spaßfaktor“, sie setzen sich mit dem Jugendschutzgesetz und der Aufsichtspflicht auseinander.

Dass präventive Arbeit dieser Art nötig ist, zeigen die Zahlen: Rund 14% der Jugendlichen konsumieren regelmäßig Alkohol, knapp 4% so exzessiv (Rauschtrinken), dass Alkoholvergiftungen und Krankenhauseinweisungen oft die Folge sind. Das Durchschnittsalter beim Alkoholerstkonsum liegt derzeit bei 13,6 Jahren. Alkohol ist also nicht nur für Erwachsene dauerpräsent, sondern ebenso für viele Jugendliche unter 16 Jahren, die - laut Gesetz - gar keinen Alkohol trinken dürfen. Welchen Risiken und Gefahren durch (frühen) Alkoholkonsum sich die Jugendlichen damit aussetzen, ist ihnen oft nicht bewusst.

Das NRW-Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) hat die gesamte Produktion des ALK-Parcours finanziert. Es fördert auch zweitägige Vor-Ort-Einsätze an Schulen. Das Gymnasium Hiesfeld gehörte in diesem Jahr dazu.
Die Beratungslehrerin für Suchtvorbeugung, Friederike Marguth, hat sich dafür stark gemacht, den ALK-Parcours an die Schule zu holen. Zusammen mit der Ginko-Stiftung und Martina Paduch, der Prophylaxekraft der Drogenberatungsstelle der Diakonie, hat sie den Parcours vorbereitet und durchgeführt.
Der „Renner“ bei den schülern war die Station mit der Rauschbrille. Merke: „Kurze machen den Weg länger.“

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