Bürger gegen BIW
Die emotionale Debatte um den PCB-Skandal in Ennepetal und der gleichnamigen Bürgerinitiative

Der Silikon-Hersteller BIW ist Ende 2019 mit dem "PCB-Skandal" in den Fokus der Öffentlichkeit geraten.
  • Der Silikon-Hersteller BIW ist Ende 2019 mit dem "PCB-Skandal" in den Fokus der Öffentlichkeit geraten.
  • Foto: Jarych/Archiv
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Es will einfach keine Ruhe Einkehren in Sachen BIW und dem Kampf der Bürgerinitiative "PCB-Skandal in Ennepetal" gegen den Konzern. Innerhalb weniger Tage überschlugen sich nun erneut die Ereignisse.

von Nina Sikora

Laut Feuerwehr Ennepetal hat es am Montag, 12. April, einen Brand bei "einer Firma in die Pregelstraße" gegeben. Anwohner identifizieren die Firma sofort als die BIW Isolierstoffe GmbH. Noch bevor die WAP-Redaktion die offizielle Feuerwehrmeldung erreichte, hatte die Bürgerinitiative schon reagiert: "Wie wir gerade erfahren haben, gab es heute gegen 9.30 Uhr einen großen Einsatz bei der Firma BIW Isolierstoffe GmbH in Ennepetal. Betroffen soll ein Temperofen gewesen sein." Heißt es in der Mail, die kurz nach dem Unglück verfasst wurde. "Wir Anwohner/Betroffene bitten daher um eine sofortige Untersuchung, ob eine Gefahr durch freigesetzte Giftstoffe besteht, bzw. wie hoch die aktuellen PCB Werte sind, die dort freigesetzt werden", wird dort nur kurz nach dem Unglück gefordert.

Einige Zeit später kam dann die Mail der Feuerwehr: "In einem Ofen war es zu einer Überhitzung, vermutlich durch einen Materialstau, gekommen. Dies führte zu einem Schwelbrand, der auf die Dachhaut übergegriffen hatte", wurde der Vorfall erklärt, bei dem zum Glück niemand verletzt wurde.

Brandrückstände mit PCB unwahrscheinlich

Der Kreis kam zudem umgehend der Bitte der Bürgerinitiative und der Anwohner nach und rief den Sondereinsatzdienst des Landesumweltamtes (LANUV), der zum Ergebnis kam: "Außerhalb der Firmengeländes wurden keinerlei Brandrückstände oder Brandabwehungen gefunden." Somit sollte auch kein PCB in die Umwelt gelangt sein, dennoch ließ man Proben nehmen, wie der Kreis erklärt: "Obwohl aufgrund der Brandumstände eine Kontamination des Brandgutes und der entstandenen Brandrückstände mit PCB sehr unwahrscheinlich ist, wurde vom LANUV auch eine Probe aus dem direkten Umfeld der betroffenen Anlage genommen. Sie soll auf PCB untersucht werden."

Auch wenn aufgrund des Brandes anscheinend keine Gefahr für die Anwohner besteht, haben diese das Ereignis wohl zum Anlass genommen, zu einer regelmäßigen PCB-Mahnwache aufzurufen. In einem in Namen von Roland Wocknitz, Björn Vollbracht, Katrin Brassel, Gunnar Meyer und Joachim Heiermann am Dienstag, 13. April, gesendeten Schreiben heißt es unter anderem: "Wir, die Bürgerinitiative ‘PCB-Skandal Ennepetal’, fordern erneut und nachdrücklich den sofortigen, bzw. schnellstmöglichen Stopp, der leider immer noch tolerierten PCB-Emissionen, die vermeidbar sind." Es wird die aktuelle Situation und die Rechtslage im Bezug auf PCB erläutert und auch die damit verbundenen Emotionen: "Wir Anwohner leben bereits jetzt in Angst und Sorge und wir fragen uns: was hinterlassen wir unserer Nachwelt und unseren Kindern?" Dann ruft die Initiative zur Mahnwache auf, die am gestrigen Freitag, 16. April, um 16 Uhr (nach Redaktionsschluss der WAP) erstmalig stattfand und gegebenenfalls am kommenden Freitag, 23. April, wiederholt wird, denn: "Wir planen sie wöchentlich stattfinden zu lassen und nennen sie 'Fridays for PCB-Stopp!'", so die Bürgerinitiative. Der Name stellt übrigens eine Anspielung auf die "Fridays for Future"-Klimaschutzbewegung dar.

Dem Brand und dem Aufruf zur Mahnwache war seitens der Bürgerinitiative PCB-Skandal Ennepetal die "Bitte um Unterstützung bei unserer Forderung nach einem sofortigen Stopp von PCB-Emissionen" vorausgegangen. In einem öffentlichen Schreiben an den Präsident des Umweltbundesamts Prof. Dr. Dirk Messner, dem Ministerpräsident Armin Laschet, die Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz Ursula Heinen-Esser, dem Landrat Olaf Schade, der Bürgermeisterin der Stadt Ennepetal Imke Heymann sowie an die Presse verleiht die Bürgerinitiative ihrer Forderung Nachdruck: "Wir bitten Sie höflichst und nachdrücklich uns zu unterstützen,

a. die Gesetzeslage zeitnah derart zu gestalten, dass ein Verbot nicht nur für die Produktion von PCB gilt, sondern gleichermaßen für neu entstehende PCB

b. für uns in Ennepetal eine schnelle Möglichkeit zu finden, dass BIW Isolierstoffe GmbH, und auch deren neu ausgelagerte bzw. neu gegründete Tochterfirma, kein PCB mehr emittieren darf", heißt es in der dreiseitigen Ausführung unter anderem. Zudem kritisiert "PCB-Skandal in Ennepetal" stark die Kreisbehörde Ennepe-Ruhr-Kreis, der indirekt eine Verzögerungstaktik vorgeworfen wird.

Bis kurz vor Redaktionsschluss am Freitag, 16. April, hatte sich weder BIW noch eine der im öffentlichen Schreiben angesprochenen Personen oder Organe zu den Forderungen und Vorwürfen der Bürgerinitiative geäußert. Kurzfristig kam dann doch noch eine Meldung vom Kreis, in der von klaren Vorgaben für BIW und einem teilweisen Standortwechsel die Rede ist. Die komplette Meldung lesen Sie hier. 

Autor:

Nina Sikora aus wap

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