MDL Serdar Yüksel über die SPD, Social Media, das Lohrheidestadion und den Bahnhof WAT
Arbeit und Vergnügen

Serdar Yüksel (links) stand im Gespräch mit Peter Mohr Rede und Antwort. Foto: Susanne Mohr
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Auch die Parlamente machen Ferien. Der Stadtspiegel hat die Zeit für ein Gespräch mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Serdar Yüksel genutzt.

In den letzten Wochen hat es leichte Irritationen gegeben, als du deinen Rücktritt als Vorsitzender der Wattenscheider SPD bekannt gegeben hast. Wie kam es dazu?
Ich gehöre dem Wattenscheider SPD-Vorstand seit 21 Jahren in unterschiedlichen Funktionen an, anfangs noch als Juso-Vorsitzender. Das ist eine lange Zeit, und manchmal wird es dann auch Zeit für Veränderungen. Es hat sich herauskristallisiert, dass einige wenige mit meiner Arbeit nicht mehr zufrieden waren. Nach 21 Jahren Vorstandsarbeit, die letzten fünf Jahre als Vorsitzender, bin ich dann niemand, der an seinem Pöstchen klebt. Im Gegenteil: Es darf einfach nicht sein, dass sich eine Partei nur mit sich selbst beschäftigt. Dafür hat niemand Verständnis. In Wattenscheid gibt es genug Themen, die wir dringend angehen müssen. Als Landtagsabgeordneter werde ich meinen Beitrag dazu ganz sicher – jetzt und auch in Zukunft – leisten.

Schauen wir 'mal über den Wattenscheider Tellerrand hinaus. Muss sich die SPD angesichts der dramatischen Verluste bei den letzten Wahlen neu „erfinden“ oder besser gesagt neu oder anders positionieren?
Ich kann nur noch einmal betonen, dass es tödlich für eine Partei ist, zu viele Gedanken an sich selbst zu verschwenden. Stattdessen sollten wir uns viel häufiger fragen, was die SPD einst groß gemacht hat. Die SPD war immer die Partei, die wusste, wo bei den Menschen der Schuh drückt. Wir wussten das, weil wir uns auch außerhalb der Partei engagiert haben: in Betrieben und Stadtteilen, in Vereinen und Verbänden. Da müssen wir wieder hin. Nur so können wir die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen wahrnehmen, ihr Vertrauen (zurück-)gewinnen und die gestalterische Kraft entwickeln.

In diesem Herbst stehen Landtagswahlen in den neuen Bundesländern an. Glaubt man den letzten Umfrageergebnissen, dann könnte die AfD stärkste Partei werden. Wie siehst du diese Entwicklung?

Das wäre eine Katastrophe. Wir dürfen einfach nicht aufhören, zu betonen, dass die AfD eine Partei ist, in der rassistische und menschenverachtende Aussagen offen nach außen getragen werden. Es ist nicht nur Aufgabe der SPD, sondern Auftrag der Zivilgesellschaft, dagegen einzustehen. Auf diesem Weg muss es uns gelingen, die Protestwähler der AfD zurückzugewinnen. Die Partei mag rassistisch sein, ihre Wähler sind es nicht ganz automatisch auch.

Was sagst du zur Qualität der politischen Auseinandersetzung und der Art der politischen Meinungsbildung in Zeiten von Social Media? Da hat sich in den letzten zehn Jahren doch einiges verändert, oder?
Zunächst einmal sind die sozialen Medien eine große Chance für die Politik. Früher hast du am Info-Stand die Möglichkeit gehabt, mit vergleichsweise wenigen Menschen ins direkte Gespräch zu kommen. Jetzt kannst du per Facebook und Co. immer und überall mit den Menschen kommunizieren. Ich mache das gerne. Allein bei Facebook erreichen mich täglich mehrere Bürgeranfragen, die ich dann zusammen mit meinen Mitarbeitern bearbeite. Das ist super! Leider führt die Anonymität im Netz häufig aber auch zu einer unsachlichen Auseinandersetzung. Das ist dann die Kehrseite, vor allem wenn sich falsche und bewusst gestreute Informationen zu Hass und Hetze potenzieren. Auch hier braucht es einen Aufstand der Anständigen – im Netz!

Kommen wir zurück nach Wattenscheid und zu zwei Themen, die vielen Bürgern auf den Nägeln brennen. Wird der Umbau des Bahnhofs nur eine Sanierung zweiter Klasse?
Nein. Die Modernisierungsarbeiten umfassen neben dem Einbau des Aufzuges auch die Erneuerung des Bahnsteigbelags und die Erweiterung der Beleuchtung und Beschallung. Des Weiteren stehen die Sanierung des Treppenaufgangs und des Bahnsteigdachs an sowie die Einrichtung eines taktilen Leitsystems auf den Bahnsteigen und im Empfangsgebäude. Vor allem der barrierefreie Ausbau bedeutet für viele Menschen eine ganz wesentliche Verbesserung der Situation am Wattenscheider Bahnhof.

Gibt es schon konkrete Pläne für einen Aus- oder Umbau des Lohrheidestadions? Oder war das nur eine „Luftblase“?
Das Lohrheidestadion ist das letzte echte Leichtathletik-Stadion in NRW und muss entsprechend ertüchtigt werden. Daran arbeiten Stadt und Land, das zugesagt hat, 90 Prozent der Sanierungskosten zu tragen - eine einmalige Chance. Die Gespräche dazu werden immer konkreter. Zusammen mit unseren zuständigen Ratsmitgliedern Hans Peter Herzog und Burkart Jentsch bin ich zuversichtlich, dass wir schnell zu einem Ergebnis kommen und die Lohrheide zu einem Aushängeschild in NRW machen, vor allem zugunsten der Vereine TV 01 und SGW 09.

Parlamentarische Sommerpause – heißt das für dich auch, etwas kürzer zu treten und Kraft zu tanken?

Ich war ein paar Tage in Berlin, konnte ein bisschen ausspannen und habe mir den politischen und kulturellen Teil unserer schönen Hauptstadt angesehen. Vor dem Kanzleramt rüttelte ich schon einmal am Zaun… aber dafür bin ich wohl zurzeit in der falschen Partei. Scherz beiseite: Ich bin Vorsitzender des Petitionsausschusses im Landtag. Das ist eine besondere Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, die sich von Ämtern und Behörden ungerecht behandelt fühlen. Wir prüfen dann, ob wir Parlamentarier vermitteln und helfen können. Die Anliegen der Menschen kennen keine Ferien. Daher bin ich schon wieder voll am Ball, selbst wenn die nächste Plenarsitzung erst Anfang September stattfindet. Außerdem genieße ich gerade ein bisschen meine Freizeit in Wattenscheid, besuche viele Vereine und Organisationen vor Ort, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Da mischen sich Arbeit und Vergnügen. Nicht schlecht, oder?

Autor:

Peter Mohr aus Wattenscheid

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