Ein Hochschulcampus für Wattenscheid
´Studentisches´ Leben in die Stadt für eine lebendige City

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Wattenscheid zu einem Hochschulstandort zu entwickeln und dazu einen Campus auf dem Feld zwischen Bahnhof und Wilhelm-Leithe-Weg zu errichten, diese bestechende Idee hatte der Wattenscheider Student Nikolas Lange. Gemeinsam mit seinem Freund Tobias Penoni haben die STADTGESTALTER, diese Idee weiterentwickelt und legen dazu nunmehr den im Folgenden beschriebenen Planungsentwurf vor.

Hochschulcampus – Zentrales Element des Vorschlages ist der eigentliche Hochschulcampus, hier gruppieren sich um einen zentralen, ovalen Platz die Gebäude, in denen insbesondere Hochschulfakultäten und hochschulnahe Unternehmen untergebracht werden sollen. Ziel ist es, einen Bündelungsstandort für einzelne Fachbereiche verschiedener Hochschulen der Region zu schaffen. Keine 400 Meter Luftlinie von dem neuen Campus entfernt hat die Hochschule Bochum (Institut für Elektromobilität) schon heute eine Werkstatt.
Da die Studierendenzahlen weiterhin steigen und an den Hochschulen Ausbau- und Sanierungsbedarf herrscht, stellt der neue Standort eine gute Möglichkeit zur Realisierung dieser Bedarfe dar.
Ein ovaler Platz mit einer Parkfläche in der Campus-Mitte bildet das lebendige Zentrum des Hochschulcampus. An diesem können sich auch Gastronomiebetriebe mit Freisitzen auf dem Platz, Mensa, Caféterien und ähnliches sowie ein Nahversorgungszentrum zur Versorgung von Studierenden und Mitarbeitern ansiedeln.
Die zentrale Parkfläche bietet darüber hinaus Platz für Sportanlagen, Gelegenheiten zum Verweilen und Studieren im Freien.
Der gesamte Campus soll sich durch einen besonderen Charakter auszeichnen. Die bis zu 3 Stockwerke hohen Gebäude stehen auf einer Wiese und sind regulär nur zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. Parkplätze befinden sich in einem Parkhaus im Südwesten des Campusareals. Nur für Anlieferungen, Reparaturen, Umzug u. ä. dürfen Fahrzeuge das Campusgelände befahren.
Durch seine gute ÖPNV Anbindung an die Hauptstrecke der Bahn mitten im Ruhrgebiet besteht für viele Studierende kaum ein Grund das Auto zu nutzen, da diese in jedem Fall ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr besitzen. Hält man die Parkplatzkapazitäten knapp, so verstärkt sich dieser Effekt noch einmal. Der Anteil des Individualverkehrs kann problemlos über die gut ausgebaute Berliner Straße ohne negative Auswirkungen für die Westenfelder Wohnbebauung direkt zur Autobahn oder in Richtung Hattingen geführt werden.

Wohncampus – Der Wohncampus schließt sich im Osten direkt an den Hochschulcampus an, gut erreichbar zu den Wohnungen der Studierenden liegt der zentrale Campusplatz mit den erforderlichen Nahversorgungseinrichtungen und eine Fläche zum Urban Gardening.
Wohnen sollte hier mit Arbeit kombinierbar sein. Dazu sollten sich Wohnungen um Büro- und kleine Werkstattflächen erweitern lassen. Auf diese Weise kann auf dem Campus ein interessantes Angebot für StartUps geschaffen werden. Ergänzend sollte ein Co-Working-Space auf dem Campus entstehen.
Ziel ist es, den Campus zu einem lebendigen Lebensort zu entwickeln, wo sich Menschen auch außerhalb der Arbeits- und Studienzeiten gerne aufhalten und treffen. Zu überlegen ist auch, ob und ggf. wie man den Campus zu einem Wohnort für andere als Studierende macht. Spannend wäre z. B. ein Senioren- und Studentenheim, in dem Studenten und ältere Menschen gemeinsam wohnen und sich gegenseitig unterstützen. Weiterhin denkbar wäre zum Beispiel ein Repaircafé oder eine kulturelle Einrichtung für entsprechende Angebote.

Verkehrsanbindung – Der Bahnsteig des Bahnhofs Wattenscheid erhält von Osten wie von Westen neue Zuwegungen. Von Osten soll eine barrierefreie Rampe von der Ridderstraße ohne Umwege bis auf den Bahnsteig führen.
Im Westen des Bahnsteigs soll eine Unterführung von der Fritz-Reuter-Straße zum Hochschulcampus führen. Durch die Unterführung wird auch die Erreichbarkeit des Bahnhofs aus Richtung des oberen Wilhelm-Leithe-Wegs, wo sich auch zahlreiche Anbieter von Sportaktivitäten befinden, erheblich verbessert. Nicht selten ist auch heute schon zu beobachten, wie Pendler exakt an der Stelle des geplanten Tunnels den gefährlichen Weg über die Gleise als Abkürzung nutzen. Von der Unterführung soll wiederum eine Rampe direkt auf den Bahnsteig führen. Vom Campus sind die Regionalbahnen des RRX damit auf kürzestem Wege in Minuten erreichbar. Die Strecke von der südlichen Seite des Bahnhofes bis zur Mitte des Bahnsteigs beträgt etwa 600 Meter, es würden also etwa fünf Minuten Fußweg eingespart werden.
Um die Umsteigezeiten zu minimieren sollen die Busse 389, 390 und 344 (neu mit dem Nahverkehrsplan 2020) dann direkt vor den Rampenaufgang an der Ridderstraße halten. Die Busse der Linie 386 und SB33 (Studierendenexpress zur Ruhr-Universität) auf der Fritz-Reuter-Straße in direkter Nähe zu der geplanten Unterführung.
Auf diese Weise ergibt sich eine optimale ÖPNV-Anbindung des Hochschulcampus. In etwa sechs Minuten sind die Studenten mitten in Essen, in vier Minuten in Bochum. Zum Vergleich: der Weg vom Bochumer Hauptbahnhof bis zur Ruhr-Universität oder der Hochschule Bochum beträgt vom Bahnsteig bis zu den Hörsälen 15-25 Minuten. Der Umstieg auf die Stadtbahn entfällt. Durch die erhöhte Nachfrage am Bahnhof Wattenscheid lässt sich zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit der Halt aller RRX-Züge erwirken, wodurch auch die umliegende Bevölkerung in Wattenscheid profitiert.
Direkt am Hochschulcampus ist am Eingang der Unterführung die Einrichtung einer Mobilitätsstation vorgesehen. Hier soll auch eine Fahrradleihstation und ein Radparkhaus entstehen. Eine weitere Leihstation für Räder findet an den Studentenwohnheimen seinen Platz. Um die Wege zu verkürzen, wird die bisherige Leihstation am Bahnhof näher zum Ostabgang des Bahnsteigs verlegt.
Über eine Seilbahnlinie soll der Bahnhof Wattenscheid nach Norden mit dem August-Bebel-Platz verbunden werden und nach Süden mit den Haltestellen Höntrop Kirche und Höntrop S-Bahn, dies haben die STADTGESTALTER bereits 2018 vorgeschlagen. In Verbindung mit der Einführung der Linie RB41 parallel zur S-Bahn-Linie 9 und der Verdichtung der Linie S1 zwischen Dortmund und Essen Ende 2019, die alle über den Halt Höntrop S-Bahn fahren, wird die ÖPNV-Anbindung zum Beispiel in Richtung Velbert/Heiligenhaus deutlich verbessert. Dort befindet sich auch ein weiterer Campus der Hochschule Bochum. Die Seilbahnstation Hochschulcampus/Bf. WAT befindet sich oberhalb des Bahnsteiges. Damit ist auch ein direkter Umstieg von der Seilbahn zu den Regionalbahnen möglich.
An der Fritz-Reuter-Straße sollen dort, wo die Unterführung Richtung Bahnhof und Hochschulcampus führt, Parkhäuser für Pendler entstehen. Ebenso ist in diesem Bereich die Errichtung einer Fernbushaltestelle denkbar. Fernbusse könnten die angedachte Haltestelle über die A40 einfach erreichen. Die Bochumer Innenstadt wäre aus Richtung Essen ohne die langen Wege zur Autobahn schneller und ohne weniger Umweg erreichbar als über die bisherige Haltestelle am Hauptbahnhof.
Ergänzt werden sollten Parkhäuser und Fernbushalt durch einen Kiss-and-Ride-Halt. So können Bus- und Bahnbenutzer, die mit dem Auto gebracht werden, kurz zum Bahnhof oder zu den Fernbussen rausgelassen werden. Darüber hinaus sollten hier Taxistellplätze bereit stehen, die mit einer E-Ladesäule versehen werden, um die Nutzung durch Elektrotaxis attraktiv zu machen.

Wege- und Straßenführung – Hochschulcampus und die Wohnbereiche auf dem Campus sollen untereinander gut mit Rad- und Fußwegen vernetzt werden. Dazu können teilweise bereits auf dem Gelände bestehende Wege und Trampelpfade nach einem Ausbau genutzt werden. Von der Gesamtschule, dem Gymnasium und der Grundschule an der Lohacker Straße soll ein Fuß- und Radweg zum Bahnhof Wattenscheid gebaut werden. Dadurch verkürzt sich der Schulweg vieler Schüler um einige Minuten.
Vorgeschlagen wird weiterhin die Fritz-Reuter-Straße einige Meter näher an den Bahnhof zu verlegen und die Straße mit einem Kreisverkehr an Ridder- und Bahnhofstraße sowie die Ausfahrt zur A40 anzubinden. Zu prüfen wäre in diesem Zusammenhang noch, ob insbesondere der Kreisverkehr aus Richtung Bahnhofstraße mit einem Bypass versehen werden sollte, um den Verkehrsfluss zu erhöhen.
Weiterhin sieht der Plan vor, die Ridderstraße durchgehend mit Radwegen zu versehen. Der Hochschulcampus soll an einer Radwegroute liegen, die vom Radschnellweg (RS1) über den August-Bebel-Platz und den Bahnhof WAT bis zum Höntroper Bahnhof führt. Auf diese Weise erhält der Campus auch eine optimale Radwegeanbindung. Zwischen Höntrop und Wattenscheid-Mitte gäbe es so eine lückenlose Radverbindung, auf der Fußgänger den Gehweg nicht mehr mit Radfahrern teilen müssen.

Parken – Der Hochschulcampus wie die angrenzenden Wohnbereiche sollen möglichst nicht mit Autos befahren werden, dies sollte nur ausnahmsweise zum Zwecke von Anlieferungen, Umzug oder für Reparaturen möglich sein. Ansonsten sollen Fahrzeuge im Parkhaus des Hochschulcampus oder Quartiersparkhäusern für die Wohngebiete untergebracht werden. Dadurch ist es möglich zwischen den Gebäuden des Campus große Grünflächen zu erhalten bzw. anzulegen.
Pendler für den Bahnhof finden entsprechend in den schon beschriebenen Pendler-Parkhäusern am Westzugang des Bahnhofes Platz, Parkplätze für Studierende sollen wie bereits erwähnt nicht zu großzügig vorhanden sein, um eine zusätzliche Verkehrsentlastung zu bewirken. Für Bewohner der Studierendenwohnheime sollten einige elektrisch betriebene Carsharing-Fahrzeuge vorgesehen werden um die Notwendigkeit eines eigenen Autos weiter zu reduzieren. Diese würden vor allem Transportzwecken dienen, die mit Rad und zu Fuß nicht abgedeckt werden können. An anderen Wohnstandorten wie dem Studierendenwohnheim an der Stiepeler Straße wurde derartiges bereits umgesetzt.

Bahnhofsgebäude Wattenscheid und Umgebung – Das bisherige Bahnhofsgebäude verliert im vorliegenden Konzept seine Funktion Es könnte saniert und zu einem Kulturbahnhof umgewidmet und umgebaut werden. Ob man den Durchgangstunnel zur Erreichung des Bahnsteigs erhält, müsste dabei geprüft werden. Die heutigen Park- und Leerflächen um den Bahnhof herum sollten neu geordnet werden und könnten dann für die Ansiedlung von Gewerbe genutzt werden.
Der Geh- und Radweg zwischen der A40 Brücke und dem Baumarkt sollte verbreitert werden.

Begrünung und Gebäude – Sämtliche Dächer neu entstehender Gebäude sollten begrünt und mit Solaranlagen versehen werden. Bei höheren Gebäuden könnten auch vertikale Windturbinen eine Option sein. Ebenso soll soweit möglich eine Vertikalbegrünung vorgesehen werden. Ziel ist es den Wegfall der bisherigen Feldfläche durch eine entsprechende Begrünung des Campus zu kompensieren. Um die Flächenversiegelung gering zu minimieren, wäre auch zu überlegen, ob man die Gebäude ganz oder teilweise auf Pfählen errichtet. Die Grünflächen zwischen den Gebäuden sollten in einem naturnahen Zustand gehalten werden.
Bei allen Baumaßnahmen, besonders aber im Bereich zwischen Bahnlinie und A40, sollte auf den Erhalt von Bäumen und anderer bestehender Vegetationen geachtet werden. Um Hitzeinseln zu vermeiden sollte zudem eine zusätzliche Begrünung durch Bäume und andere Pflanzen erfolgen. Auch ist bei der Bebauung darauf zu achten, dass eine gute Luftzirkulation zwischen den Gebäuden möglich ist.
Die Gebäude selbst sollten also möglichst nachhaltig und energieeffizient gestaltet sein. Bei der Planung der Gebäude könnten Studierende der Architektur und der nachhaltigen Entwicklung einbezogen werden. Die Gebäude sollten durchaus höheren architektonischen Ansprüchen genügen, aber dennoch zweckmäßig sein. Der Campus sollte zu einem Bereich werden, an dem sich alle Stadtbewohner gerne in ihrer Freizeit aufhalten.

Nachhaltigkeit – Generell sollte das Leitbild einer optimalen Vernetzung von Technologie und Nachhaltigkeit verfolgt werden. Dabei spielt nicht nur das Verkehrskonzept, das bei gleichzeitiger Erhöhung der Wohnqualität Ressourcen schont, sondern alle Lebensbereiche eine Rolle. Das betrifft beispielsweise auch den Konsum und damit verbundenen Rohstoff- und Energieverbrauch. Sinnvolle Ergänzungen zu dem vorgeschlagenen Konzept könnten daher beispielsweise sein, ein Unverpackt-Laden im Nahversorgungszentrum, Urban Gardening, die konsequente Nutzung von Mehr- statt Einweg-Systemen sowie eine separate Sammlung von Biomüll, um diesen teilweise lokal zu verwerten und um daraus sogar Biogas als Energiequelle für die Gebäude zu erzeugen.

Autor:

Dirk Dziabel aus Bochum

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