"Fleisskärtchen" und faule Ausreden: Blitzmarathon in Wattenscheid

Polizeioberkommissar Ralf Stolte hielt beim Blitzmarathon Verkehrsteilnehmer an, die mit überhöhter Geschwindigkeit fuhren.        Foto: Marjana Kriznik
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  • Polizeioberkommissar Ralf Stolte hielt beim Blitzmarathon Verkehrsteilnehmer an, die mit überhöhter Geschwindigkeit fuhren. Foto: Marjana Kriznik
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Beim sechsten 24-Stunden-Blitzmarathon werden am heutigen Dienstag auch am Wattenscheider Hellweg Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt.

„Was bedeutet das runde Schild mit der 50 darauf?“ fragt der Polizeibeamte den Autofahrer freundlich. Davor war dieser vom Anhalteteam aus dem fließenden Verkehr „heraus gewunken“ worden. Prompt antwortet dieser korrekt: „Dass die Höchstgeschwindigkeit hier 50 Stundenkilometer beträgt.“ Daraufhin möchte der Polizeibeamte von dem Temposünder, der anstatt mit vorgeschriebenen 50, mit 63 „Sachen“ unterwegs war: „War Ihnen nicht bekannt, dass heute ein Blitz-Marathon stattfindet?“ Doch das wusste der Fahrer schon, aber: Er habe seine Frau zum Arzt fahren müssen. Nein, ein Notfall sei das Vorhaben sicher nicht gewesen.

Um Ausreden sind Raser oft nicht verlegen

Wie dieser Fahrer zeigen sich auch die Anderen, die hier mit überhöhter Geschwindigkeit angehalten werden, reuemütig und sehr einsichtig. „Die meisten sehen das sehr locker, wenn man ihnen das vernünftig erklärt“, sagt Polizeioberkommissar Ralf Stolte. Dennoch: Um „Ausreden“ für ihr Vergehen ist kaum einer der „Raser“ verlegen. So behauptet der Fahrer eines 7er BMW selbstbewusst, dass es nicht sein könne, dass er zu schnell gefahren ist, denn er habe schließlich einen Tempomaten in seinem Fahrzeug. Und der sei auf 55 Stundenkilometer eingestellt. Und außerdem wollte er seine kranke Tochter zur Schule fahren und gegebenenfalls vorzeitig wieder abholen, falls sich deren Gesundheitzustand verschlimmere.
Das „Ergebnis“ während einer halben Stunde: Vier Verstöße wegen überhöhter Geschwindigkeit zwischen 61 und 63 Stundenkilometern. Beim Letzteren folgt eine Bußgeldzahlung von 25 Euro.

Aufmerksamkeiten für vorbildliches Fahren

Aber das Anhalteteam bewegt auch zwei Autofahrer zum Stehenbleiben, die absolut vorschriftsmäßig gefahren sind. Der Rentner Jovan Stojanov und eine Mitarbeiterin eines Pflegedienstes erhalten jeweils eine kleine Aufmerksamkeit dafür, dass sie sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit gehalten haben. „Ich musste meinen Führerschein fast noch nie aus seinem Etui holen“ sagt der 66-Jährige stolz.

„Normal halten wir im 3-Minuten-Takt an“

„Geschwindigkeitsübertretungen sind heute deutlich weniger, bei normalen Verkehrskontrollen halten wir im 3-Minuten-Takt an“, sagt Rolf Greulich von der Verkehrswacht. „Bürger denken oftmals ‚was sind schon 18 Stundenkilometer zu viel‘„ sagt er. „Man muss sich jedoch vergegenwärtigen, dass ein Auto bei 50 Stundenkilometern in jeder Sekunde 14 Meter zurücklegt. Wenn man unachtsam ist und jemand geht über die Straße, kann das fatale Folgen haben.“ Außerdem: Der Anhalteweg betrage bei 50 Stundenkilometern 26 Meter. Viele denken, dass sie bei einer überhöhten Geschwindigkeit „einfach“ 2,3 Meter später zum Stehen kämen.
Das Fatale aber sei, dass bei 68 Stundenkilometern die Restgeschwindkeit beim Bremsen 54 Stundenkilometer beträgt, weiss der Fachmann. Viele Fehler beim Fahren schlichen sich auch ein, weil der Vorgang zu sehr zur Routine würde:„Eine Studie besagt, dass das Großhirn nach 10 bis 15 Minuten kaum mehr aktiv ist“, erklärt Rolf Greulich. „Dinge, wie Begrenzungen und Bremsweg sind ausgeblendet. Höchst aktiv sei das Kleinhirn, was etwa Instinkte steuert, man könnte dies mit ‚Routinemodus‘ umschreiben“, führt er weiter aus. Hier könnten sich dann Fehler einschleichen.

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