Kreispolizei gibt Verkehrs- Unfallstatistik 2020 bekannt
Weniger Unfälle dank Corona?

Die Kreispolizei verzeichnet deutlich weniger schwere Unfälle im zurückliegenden Jahr.
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  • Die Kreispolizei verzeichnet deutlich weniger schwere Unfälle im zurückliegenden Jahr.
  • Foto: Feuerwehr Xanten/Archiv
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„Mit 12396 Ereignissen verzeichnet der Kreis Wesel für das Jahr 2020 die niedrigste Zahl an Verkehrsunfällen seit zehn Jahren“, berichtet Landrat Ingo Brohl am Montag auf einer Pressekonferenz zur Veröffentlichung der Verkehrsunfall Statistik für das vergangene Jahr im Dienstgebäude Wesel. Gegenüber 2019 ist das ein Rückgang von 18,5 %.

Fast halbiert hat sich die Zahl der bei Unfällen verunglückten Kinder von 185 in 2019 auf 96 in 2020 und die Anzahl der verunglückten Senioren ist in dieser Hinsicht ebenfalls von 319 in 2019 auf 274 in 2020 leicht zurückgegangen.
Gestiegen sei hingegen die Anzahl der Verkehrsunfälle mit Todesopfern. Hier habe es kreisweit 20 gegeben und somit den höchsten Stand seit 2011. Davon waren sieben Senioren und drei junge Erwachsene. Die anderen bewegten sich altersmäßig im Mittelfeld. Kinder starben keine bei Verkehrsunfällen. Allein bei einem schweren Verkehrsunfall in Hamminkeln seien schon drei Personen ums Leben gekommen.

Zahl der Pedelec Unfälle gestiegen

Während die Anzahl der verunglückten Radfahrer sank, entwickelte sich die Zahl bei den Pedelecfahrern nach oben. Gab es im Jahr 2019 noch 436 verunglückte Radfahrer, so waren es im letzten Jahr 392. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Pedelecfahrern bewegte sich 2019 bei 97, während man 2020 121 zählte. Hiervon erlitten 26 schwere Verletzungen, wobei es sich hauptsächlich um Kopfverletzungen handelte.
„Deshalb“, so der Abteilungsleiter Polizei, Polizeidirektor Rüdiger Kunst, „appellieren wir noch einmal eindringlich an alle Pedelc- und Radfahrer, auf jeden Fall einen Helm zu tragen“.
Man wisse zwar nicht, ob die Unfälle mit Helm glimpflicher ausgegangen wären, aber die Wahrscheinlichkeit sei sehr hoch.
Manche Radfahrer dächten auch, Verkehrsregeln gelten nur für Autofahrer. „Sie haben sich genauso an die Regeln zu halten, wie jeder andere auch und Verstöße sind nun mal keine Kavaliersdelikte und können den Fahrer schonmal locker um 50 Euro erleichtern“.
„Wir bieten kreisweit Trainings mit Pedelecs an“, erklärt Brohl, „und bitten alle, soweit es aufgrund der Pandemie möglich ist, Gebrauch davon zu machen“.
Für Informationen und Anmeldungen ist die Hotline 0281 1077777 geschaltet.
„Viele Senioren trauen sich einfach zu viel zu, wenn sie vom normalen Fahrrad aufs Pedelec umsteigen“, gibt Kunst zu bedenken. Schließlich seien die Pedelecs ja ziemlich sportlich unterwegs und wenn man das nicht gewohnt sei, könne einem das schonmal leicht zum Nachteil gereichen.

Fahrsimulator für Senioren

Auch beim Autofahren sollten Senioren ihre Fähigkeiten nicht zu hoch einschätzen. „Mit der Zeit lässt die Reaktionsfähigkeit nach und Augen sowie Gehör sind auch nicht mehr das, was sie mal waren“. Immerhin liege der Anteil der Senioren bei den Unfallverursachern bei etwa 75 %.
Auch hierfür gebe es Möglichkeiten, seine Fähigkeiten zu testen. Dazu werde ein Fahrsimulator der Kreisverkehrswacht genutzt, der in unerwarteten Situationen bestimmte Reaktionen verlange. Auch hierfür gelte die vorher genannte Hotline.
Gregor Zey, Leiter der Direktion Verkehr, berichtet, eine Raserszene gebe es im eigentlichen Sinne nicht im Kreis Wesel. „Es gibt zwar immer einzelne, die ihr Können unter Beweis stellen müssen, aber das kann man nicht als Szene bezeichnen“.
„Wer erwischt wird, der wundert sich, dass er auf einmal weder ein Auto, noch einen Führerschein hat“, ergänzt Kunst, denn beides werde konfisziert und seit weg. Was letztendlich ein Richter daraus mache, könne man zwar nicht im Voraus sagen, aber beides bekäme der Erwischte erstmal nicht zurück, von der saftigen Strafe mal ganz abgesehen.
Wenn jemand mit stark überhöhter Geschwindigkeit unterwegs sei, reiche das schon, es als Rennen und somit als Straftat zu bewerten, denn dazu müsse weder ein zweites Fahrzeug beteiligt, noch ein Schaden entstanden sein. „Es gibt viele junge Erwachsene, die sich selber etwas beweisen wollen und praktisch ein Rennen gegen sich selber fahren“, weiß der Leiter Polizei zu berichten.

Lockdown unter anderem Grund für Rückgang der Unfallzahlen

Und wer denke, man könne ihm nichts beweisen, werde ganz schnell eines Besseren belehrt. Heute seien die Autos fahrende Computer, die Mengen an Daten aufzeichneten, die ein geschulter Sachverständiger ohne weiteres jederzeit auslesen und daraus seine Schlüsse über das Verhalten des Fahrers ziehen könne.
„Ein einfacher Mittelklassewagen“, erklärt Zey, „verfügt schon über 25 bis 30 Sensoren, die es möglich machen, einiges zu rekonstruieren“.
Das Steuergerät eines Airbags zeichne beispielsweise die letzten 20 bis 30 Sekunden vor dem Unfall auf und könne so ohne weiteres über Geschwindigkeit und andere Merkmale zum Unfallzeitpunkt Auskunft geben.
„Da ist schnell nachgewiesen, dass man an der Ampel, die gerade auf Rot gesprungen ist, nochmal eben Gas gegeben hat“, bestätigt Kunst.
Zurückgegangen ist auch die Zahl der Verkehrsunfallfluchten von 3158 im Jahr 2019 auf 2698.
„Dass die Zahlen insgesamt zurückgegangen sind“, ist sich Kunst sicher, „liegt in einem hohen Maße an dem Lockdown und dem damit zurückgegangenen Verkehrsaufkommen.“
Trotzdem trügen auch die Präventionsmaßnahmen, die seit einigen Jahren unter anderem durch Vorträge mit Bildern und Filmen über Unfallfolgen an Schulen und anderen Orten erfolgten, dazu bei.

Randolf Vastmans

Die Kreispolizei verzeichnet deutlich weniger schwere Unfälle im zurückliegenden Jahr.
Leiter Direktion Verkehr, Gregor Zey
Autor:

Randolf Vastmans aus Xanten

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