"Empfänger unbekannt" trifft voll ins Gewissen

Es jährte sich der Jahrestag der Reichsprogromnacht der Nazis am 9. November 1938. Anlass für die Stadt Wesel, gemeinsam mit dem Christlich-Jüdischen Freundeskreis eine Besonderheit ins städtische Theater zu bringen: Gestern gastierte das Stück "Empfänger unbekannt" auf der Hinterbühne.

Eindrucksvoll markieren die Darsteller mittels Briefwechsel zwischen zwei alten Freunden die dramatische historische Entwicklung im Deutschland der frühen Dreißiger Jahre: Max, ein ausgewanderter jüdischer Gallerist, schreibt aus dem fernen San Franciso. Martin, sein Kumpel seit Kinderzeiten, antwortet aus seinem Herrschaftshaus in München.

Abrupt wendet sich die Beziehung zwischen beiden schicksalhaft und parallel zu den tragischen, grausamen Ereignissen. Martin, der nationalsozialistischen Doktrin ergeben, kann (und will) nicht verhindern, dass Max' Schwester bei einem Deutschland-Besuch der Brutalität der SA zum Opfer fällt.

Max, auch postalisch als unwürdig und gefahrbringend abgestraft, zieht verständliche Konsequenzen, ebenfalls durch Briefe. Diese wiederum rücken den ehemaligen Vertrauten in den Fokus der Nazitreuen. Und wie schon der Jude in den USA zuvor die Post an seine Schwester mit einem nüchtern-schrecklichen Vermerk zurück erhielt, antwortet das Amt auf seinen letzten Brief an Martin: "Empfänger unbekannt".

Deutsche Vorkriegs-Realitäten in Bühnenform, musikalisch untermalt von Harmonika-Spielerin Helena Rüegg. Der Lichtergang zum Juden-Denkmal in Wesel ist obligatorisch und setzt den würdigen Schlusspunkt unter eine Zeremonie, die Kultur und Vergangenheitsbewältigung verbindet.

Lesen Sie dazu auch: http://www.lokalkompass.de/wesel/kultur/reichspogromnacht-ein-schlimmer-tag-deutscher-geschichte-d24897.html

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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