Generalisierte Angststörung
Teil 15 – Alles fühlt sich so anders an als früher

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Teil 15 – Alles fühlt sich so anders an als früher

Wie ich ja schon mal erwähnt hatte:
Psychopharmaka üben einen großen Einfluss auf das Seelenleben aus, wenn man sie nur lange genug einnimmt.
Wäre ja auch schlimm wenn nicht, denn dafür nimmt man sie ja, weil da ursprünglich etwas nicht stimmte, sprich im Ungleichgewicht war.
Schon diverseste Alltagssituationen habe ich mittlerweile erlebt und die Gedanken sind zwar meist noch ähnlich wie früher aber diese Situationen fühlen sich ganz anders an.
Dieser Zustand der Veränderung verwirrt mich ehrlich gesagt ein bisschen, weil ich mich jetzt dauernd frage, warum denke ich grad so negativ, das passt gar nicht zu dem Gefühl das ich gerade verspüre. Und gleichzeitig tun sich in meinem inneren ganz neue Wege auf, die ich früher nicht gesehen hätte.
Deswegen ist es heute mal an der Zeit mir das ins Gedächtnis zu rufen, denn sonst habe ich meine alte Denk- und Fühlweise bald völlig vergessen.
Haltet mich ruhig für verrückt wenn ich sage, dass mir so ein ganz kleines bisschen meine „alte Persönlichkeit“ fehlt.
Es war zwar schrecklich und ganz furchtbar immer mit dieser Angst im Nacken zu leben und mit all den sozialen Unsicherheiten, aber ich war daran gewöhnt und ich stehe ja leider nicht so sehr auf Veränderungen.
Eine Zeit lang kam es mir sogar wie eine Art Verrat vor an „der alten Imke“ …

ODER

Vielleicht doch lieber ein „Warum habe ich erst jetzt diese 'Wundertablette' bekommen? Was hätte ich in der Vergangenheit alles erreichen können, wenn ich dieses Medikament schon viel früher bekommen hätte?“

Aber ich will jetzt nicht schon wieder wehklagen über „mein verpfuschtes Leben“, denn vorbei ist nun mal vorbei und es bringt ja nichts über verschüttete Milch zu weinen.

Und nur nochmal als Anmerkung „Ja ich habe das auch früher schon alles gewusst,
aber jetzt fühle ich es auch!

Aber dennoch
Es fühlt sich manchmal so an, als hätte ich etwas wichtiges verloren und meine größte Befürchtung dabei ist, das ich meine Fähigkeit zu schreiben, mich auszudrücken noch verlieren könnte …....

So wie ich früher meinen inneren Stress nicht verbergen konnte, so war es auch sehr schwierig für mich positive Gefühle zu zeigen, ja sogar zu empfinden!

Liebe war für mich etwas so abstraktes.
Wenn andere Kinder sagten „Ich liebe meine Mutter“ konnte ich das nicht nachvollziehen. Liebe war so ein großes Wort.
Gott liebt alle Menschen, hieß es in der Kirche. Paare sagten einander „Ich liebe dich“ und meinten damit „Für dich würde ich alles tun, … alles aufgeben“. Unglaublich fand ich solche Opferbereitschaft. Würde ich für einen Menschen meine Lieblingspuppe aufgeben?
Unvorstellbar!
So egoistisch war ich.
Meine allererste Grundschullehrerin sagte mal zu uns Kindern:
„Ich liebe euch so sehr, ich würde für euch sterben.“
Und ich weiß noch genau, … nein ich FÜHLTE ganz genau, wie mich diese Aussage damals schockiert hat. Es fühlte sich für mich an wie eine versteckte Verpflichtung mich auch im Fall der Fälle opfern zu müssen und das auch noch freiwillig und völlig selbstlos, selbstverständlich.

So blöd habe ich mich gefühlt …
Ich würde sogar sagen, ich kannte damals maximal 4 Gemütszustände

Wut, Enttäuschung, Überheblichkeit und Angst
(und immer wieder Flucht in meine Traumwelt)

All die feinen Unterschiede zwischen den Extremen fühlte ich nicht,
kannte ich nicht! Ich hätte sie auch nicht benennen können,
für die Feinheiten gab es keinen Namen
und ich sage nur, es ist überhaupt nicht schön, wenn man immer von einem Extrem ins andere fällt.

Nach der ersten Klassenfahrt im 4. Schuljahr war ich einfach nur heilfroh wieder nach Hause zu kommen. Einfach weg aus dem kritischen Blickfeld meiner Klassenkameraden und ihren Lästereien.
Und habe ich mich gefreut meine liebe Mama wieder zu sehen?
Ich glaube nicht, wenn ich mich recht erinnere.
Ich war eher froh mein Leben wieder zu haben, meine Gewohnheiten, den Alltag der mir bekannt war und wieder mit meinen Lieblingspuppen spielen zu können. In meine Traumwelt zu versinken in der ich die Heldin war und niemand mich beobachtete und über mich gelästert hat.

Einfach nur Freude und Liebe zu empfinden, das war mir leider nicht möglich.

Fand ich das schlimm oder strange?
Nein ehrlich gesagt nicht, denn ich kannte es ja nicht anders. Es gab mir sogar das Gefühl „etwas besonderes, ... etwas besseres zu sein“.
Keine Ahnung warum, vermutlich eine Art Selbstschutzreflex?
Ja und ich muss zu meiner Schande gestehen, dieses Gefühl etwas besondere zu sein, das fehlt mir jetzt mit dem neuen Anti-Depressivum.
Ich lerne jetzt zwar besser Gefühle und deren Feinheiten einzuordnen, sowohl bei mir selbst als auch bei meinen Mitmenschen.
Aber machen wir uns mal nichts vor, das wirft viele neue Probleme auf, die vorher nicht zu erkennen waren …

Wo höre ich auf, wo fängt mein Nächster an?
Wo darf ich egoistisch sein und ab wann sollte ich lieber mal meine Klappe halten? Besonders gegenüber meinen engsten Vertrauten, die ihr Leben mit mir teilen.

Sich da rein zu begeben fühlt sich an, wie sich in ein schwarzes Loch zu stürzen, ohne Netz und doppelten Boden …
Aber vielleicht sollte ich mich einfach fallen lassen und hoffen, das am Ende des schwarzen Loches ein Universum aus windelweicher Watte wartet.
Aber mal ehrlich, da ist keine windelweiche Watte.
Man muss vielmehr verhaftet bleiben im Augenblick.
Klingt nicht nur anstrengend, ist es auch!

Tut mir auch leid euch das alles zumuten zu müssen, aber ich wollte euch ja vermitteln, wie „Nervtötend“ eine generalisierte Angststörung sein kann

                                                                                       

                                              ...

Autor:

Imke Schüring aus Wesel

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