Generalisierte Angststörung
Teil 3 Wie meine Angsterkrankung begann

07.01.2021 15.22 Uhr

Familiäre Band

Um den Gründen für meine psychischen Probleme auf den Grund zu gehen, halte ich es für unumgänglich auch einen kritischen Blick auf meine Familie zu werfen.
Denn es heißt zwar geteilte Freude sei doppelte Freude, aber wie wir ja alle wissen, ist eine Familie nicht nur ein Hort des Frohsinns, nein dort fangen auch eine menge Probleme überhaupt erst an. Das liegt in der Natur der Sache … ein kleiner Haufen Menschen auf engem Raum „zusammen gepfercht“, Kinder in finanzieller und emotionaler Abhängigkeit von den Eltern, Anspruchsdenken der Eltern an die Kinder (aber auch in umgekehrter Richtung). Da kommen schnell ein paar Probleme zusammen.

Aber bitte nicht falsch verstehen, ich liebe meine Familie!!!

Meine Mutter hat mich zwar mit ihrem Erziehungsstil nicht allzu selten zur Weißglut getrieben, aber es ist ja auch Aufgabe der Eltern ihre Kinder zu erziehen. (Ja heute als Erwachsene weis ich das auch!)
Und ich muss auch sagen, ich war als Kind schon sehr leicht reizbar.

Und ich frage mich, warum man mich so schnell auf die Palme bringen konnte? Mama gab dafür immer dem fernsehen die Schuld. Ich hingegen gab dafür meiner Mama die Schuld.
Wer weiß schon wo die Wahrheit liegt. Ich weis es bis heute nicht.

Im Medi-Lexi steht das Reizbarkeit durch eine mangelhafte Verarbeitung zu vieler Sinnesreize ausgelöst werden kann, aber auch durch Probleme im sozialen Umfeld. (Das ist ja, als hätten die Leute vom Medi-Lexi meine Mutter und mich interviewt und daraufhin diesen Eintrag verfasst.)

Aber ich möchte an dieser Stelle meine Mutter in Schutz nehmen. Sie hatte immer gern gegen das fernsehen gewettert.
„Was die da manchmal für einen Unsinn erzählen ...“ hielt Mama teilweise für etwas bedenklich.
Ich habe das fernsehen geliebt, es lief fast immer was interessantes und das obwohl wir nur drei Programme hatten.
„Familiengericht“ war damals eine meiner Lieblingssendungen. Allein schon die Problemstellungen und die Schlüsse die Anwälte und letztlich die Richter daraus zogen haben meine Fantasie so schön angeregt. Und in fast allen Sendungen war der Vater der Kinder noch am Leben …
Meine Brüder hingegen haben mich ausgelacht weil ich das so gerne geguckt hab, aber was wussten die schon? …

Wenn ich Abends im Bett lag, habe ich mir dann eigene Geschichten ausgedacht und in Gedanken spannende Abenteuer erlebt.
Das hat mir damals so gut gefalle das ich ein reales Leben kaum vermisst habe, denn in meinen Träumen hatte ich immer alles schön unter Kontrolle. Dort konnte ich ja beliebig oft „zurück fahren“ und gegebenenfalls komplett „auf Reset drücken“ wenn sich eine Geschichte nicht so entwickelte wie ich das wollte, denn natürlich mischten sich auch reale Erfahrungen in meine schönen Träume ein.
Das nennt man wohl „Weltflucht“ was ich damals betrieben habe, denn in der realen Welt kam ich einfach nicht klar.

Schon im Kindergarten stellte sich meine Unfähigkeit mit gleichaltrigen zu interagieren heraus.
Einmal nahm mich die Frau Kasper in die Puppenecke mit, wo eine Art „Vater-Mutter-Kind-Spiel“ schon in vollem Gange war.

„Hört mal Kinder, die Imke würde gerne mitspielen, ist euch das recht?“
„Ja klar!“, riefen alle begeistert und ich freute mich für einen Moment. Aber sobald Frau Kasper wieder weg war, war ich scheinbar Luft für meine neuen Spielgefährten. Sie machten da weiter wo sie aufgehört hatten und ich hatte keine Ahnung, wie ich mich hätte einbringen können.
Und so sehnte ich mich schnell zu dem Tisch zurück, an dem ich zuvor gesessen hatte.
Wenn ich mich recht erinnere, habe ich eine Weile gegrübelt, wie ich am besten aus der Puppenecke heraus käme denn ich wollte ja verhindern, dass die anderen Kinder über mich lästern. So saß ich eine Weile in der Puppenecke in meinem Dilemma fest und überlegte ob mir ein paar Tränchen vielleicht weiter helfen würden. Doch so lange ich auch drückte, Tränen wollten einfach nicht fließen.
Aber ich musste raus aus der Puppenecke und so beschloss ich einfach zu gehen. Gott sei dank hat mich keins der Kinder weiter beachtet.

Als ich wieder am Tisch saß stellte ich fest, dass mein Bild schon eingesammelt worden war. Mehr als zwei Bilder durften wir pro Tag nicht malen und so hatte ich schon wieder ein Problem, denn ein drittes Blatt Papier gab man mir nicht.
„Warum bist du denn nicht mehr in der Spielecke?“, fragte Frau Kasper. Und in Ermangelung einer Erklärung grummelte ich sie an „Hab keine Lust drauf.“
Ich war einfach nur wütend, dass ich kein neues Blatt Papier bekam, denn das hätte mich über die Blamage in der Spielecke hinweg getröstet.

Aber so war der Tag für mich gelaufen ...

Autor:

Imke Schüring aus Wesel

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