Wie man beim "Lesen für Bier" optimal den öffentlichen Alkoholgenuss mit Bildung verquickt

Barbara Roherwasser liest, Michael Schumacher lauscht.
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Am Ende habe ich kein Bier gewonnen. Dafür eins gekauft und eins geschenkt bekommen. Aber ich hab mich amüsiert - kein Wunder als Biertrinker, denn ich war bei: Lesen für Bier!

Zwar trinken hier mehr Leute Wein und Cola. Aber das liegt wohl an der suggestiv-harmlosen Terminierung an einem MIttwochabend. Wer will/kann/darf sich da schon einen verlöten?!

Der Kleine Salon des Scala Kulturspielhauses ist nicht zum Bersten gefüllt, aber so passt es auch besser zum literarischen Date mit Promille-Neigung. Michael Schumacher, Poetry Slammer aus Xanten, hat die Marburger Poetry-Slammerin Barbara Roherwasser im Schlepptau. Alle Gäste haben Texte mitgebracht, die günstigstenfalls von einem der der beiden Vorleser vorgelesen werden. Damit schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Textspende senkt den Eintritt um 2 Euro und liefert den Präsentatoren ihren Stoff zur inhaltlichen Gestaltung des Abends.

Nach jedem Vortrag entscheidet das Publikum: Was war besser? Der Vortrag - dann bekommen die Vorleser ein Bier. Oder doch der Text? Dann bekommt die Person das Bier, die den Text mitgebracht hat. Das ist sehr sympathisch, weil es zwei Dinge bewirkt: fröhliche Vorleser und ein gutgelauntes Publikum. Okay, Frau Roherwasser bevorzugt Weißwein. Gefährlich - aber der Qualität ihres Vortrags schadet's nicht.

Manche der Gäste haben selbst verfasste Texte in die grüne Pappbox geschmuggelt, aus der die Lesebeiträge herausgefischt werden. Doch wer Sorge vor allzu Plattem trägt, der stellt bald erleichtert fest: die Literatur Marke Eigenschreib ist genauso gut, wie die Zuhörer schlau sind. Das wird spätestens klar, als Roherwasser und Schumacher zum Pausenquiz läuten. Zehn Fragen aus dem Kulturwesen sind qua Multiple Choice zu beantworten. Und der Wissenslevel des kleinen Publikums ist recht hoch, so viel sei festgehalten.

Nach rund zwei Stunden sind einige der Anwesenden leicht angeschickert und durchweg alle guter Dinge. "Lesen für Bier" macht Freude und schmeckt nicht nur nach Gerstensaft, sondern nach mehr. Als Zugaben gibt''s die Präambel des GroKo-Vertrages und die Bundestagsrede von Loriot. Vorzüglich!

Wenn Sie mal von dieser Veranstaltung hören, gehen Sie einfach hin, ob mit oder ohne Text.
Eins kann ich Ihnen versprechen:
Sie kommen auf ihre Kosten!

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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