Bernd Lafrenz erntet freundlichen Applaus für sein Shakespeare-Solo
Wo Tragödie fast zur Klamotte werden soll: "Romeo und Julia" am Rande der Literaturtheorie

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Da hatte wohl fast jeder im Publikum etwas Anderes erwartet. Umso überraschender kommt die "Romeo und Julia"-Inszenierung von Bernd Lafrenz daher.

Der Mann ist in Wesel kein Unbekannter. So gibt's im Auditorium sogar einige Wenige, denen seine ganz speziellen (in der Programmankündigung des Stadttheaters als "luftig-leicht" angekündigten) Interpretationen bereits geläufig sind. Und nach knapp zwei Stunden Darbietung auf der Hinterbühne muss man sich zumindest freimütig gestehen: Das war mal etwas Anderes.

Nicht, dass Lafrenz spürbaren Respekt vor Shakespeares Klassiker hätte. Seine Wanderung auf dem Grat zwischen Tragödie und Klamotte liebäugelt mit der Freude am Albernsein, ohne jedoch die Verantwortung des Literaturchronisten zu vergessen.
Mit augenzwinkender Spielfreude und eine Leichtigkeit, die zuweilen an Nachlässigkeit grenzt, schweingsgaloppiert Lafrenz in seiner One-Man-Show durch den Familienzwist der Montagues (Romeo) und Capulets (Julia). Dabei dienen ihm einfache Requisiten zum Rollentausch zwischen dem Figuren, nichtmal seine Stimme verstellt er groß beim Wechsel von Männlein zu Weiblein. Zuweilen in gescheidigem Italienisch (è pericoloso).

Ist der Welt berühmtestes Liebespaar am Ende verballhornt? Nö, irgendwie nicht - obwohl das Stück doch alles andere als ernst rüberkam. Aber ein Schenkelklopfer war's auch nicht, so viel steht fest. So bleibt also ein wenig Verwirrung im Abgang des herbfruchtig-viktorianischen Theatertropfens, den Seniore Lafrenz an sein Publikum ausschenkt.
Ganz wie bei Romeo und Julia, die sich nicht einig sind, welcher Vogel ihnen zur nächtlichen Liebelei ins Öhrchen zwitschert ("Es war die Nachtigall und nicht die Lerche!")

Abgang. Freundlicher Applaus.

Freude der Liebenden

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