Was uns die Prävention-Pädagogik lehren könnte
Blitzlichter meiner Schulzeit

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Im Grunde hatte ich an zwei Schulorten mehrere Schulen besucht, ein Ort lag an der Nordsee, genauer gesagt am Jadebusen, der zweite lag in einer Großstadt. Das war wie Tag und Nacht. Von einer fast unberührten Naturlandschaft zogen wir im Rahmen der Familienzusammenführung in eine Trümmerstadt.
Das Haus, in dem die Wohnung lag, war neu gebaut worden, aber drumherum, bis auf eine Bäckerei sowie Metzgerei, ein Lebensmittelgeschäft und ein Milch-, Butter-, Käseladen, waren nur Trümmer. Teilweise lagen in den Trümmern noch entschärfte Bomben. Ja es gab zu der Zeit noch Milchläden, dort kaufte man die Milch in der mitgebrachten Milchkanne. Die Butter kam aus einem großen hölzernen Butterfass und wurde mit einem Holzschaber in Form geklopft und eingewickelt.

Aber wieder zurück zum Anfang der Schulzeit. Eingeschult wurde ich in eine einklassige Volksschule. Diese Schulform wurde in Preußen bereits zur Kaiserzeit eingeführt. Zu der Zeit oblag der Kirche die Schulaufsicht. Am Anfang lernten die Schüler hauptsächlich Lesen. Schreiben war nicht so wichtig. Da die Lehrer meistens auch Pfarrer waren, legten sie Wert darauf, dass die Schüler die Bibel und das Gesangbuch lesen konnten.

Mein erster Schulweg war einfach. Von zu Hause aus auf den Deich, dann Richtung Schule, Deich wieder runter und schon war die Schule erreicht. Hin und wieder traf ich auf dem Schulweg Mitschüler. Der Schulweg in der Großstadt war durch Trümmer und Wiederaufbautätigkeiten gekennzeichnet, so dass mancher Umweg eingeplant werden mußte.

Der Lehrer des 1. Schuljahrgangs war auch schon vor 1945 Lehrer. Er wollte mir als Linkshänder unbedingt beibringen, dass ich mit der rechten Hand schreiben soll, in dem er meine linke Hand mit dem Rohrstock maltraktierten. Ob ich gerne zur Schule gegangen bin, so nach dem Prinzip „Was Hänschen nicht lernt …“, kann ich heute nicht mehr sagen. Auch die Schulspeisung bot für mich keinen besonderen Reiz, da es zu Hause reichlich zu Essen gab.

Trotzdem hatte ich wohl bei den Lehrern einen Bonus: Führung: einwandfrei; Fleiß: gut.
An ausdrückliche Lieblingsfächer kann ich mich nicht konkret erinnern. Ich mochte viele Fächer mit guten bis mäßigen Erfolgen. Aber zwei Sachen konnte ich gewiß nicht sonderlich leiden: Auswendig lernen, z.B. Schillers „Die Bürgschaft“ und das Einmaleins aufsagen. Wobei man sich vor die Klasse stellen mußte. Heute weiß ich den Nutzen der Übungen zu schätzen.

Mancher kleinen bösen Tat, folgt die Strafe auf dem Fuße, sagt bekanntlich der Volksmund. Wer im Unterricht nicht mitarbeitete oder gar störte, der durfte dem Lehrer bei der Obsternte, beim Heuen oder beim „Aufräumen“ im Schwimmenden Hochmoor, auch Außendeichmoor genannt, helfen. Der Lehrer, der ehrenamtlich im Heimatverein tätig war, gab fachkundige Erläuterungen. Ich erinnere mich, dass der Gang durch das Moor eine sehr wackelige Angelegenheit war. Da bin ich lieber mit dem Milchkutscher mitgefahren. Faszinierend war, dass die Pferde den Weg zur Molkerei alleine gefunden hatten.
Wie sagte schon der römische Philosoph Lucius Annaeus Seneca d.J.: „Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.“

Nachtrag: Die alte Schule gibt es schon lange nicht mehr. Die Kinder besuchen heute die sogenannte Deichschule im Nachbarortsteil.

Autor:

Neithard Kuhrke aus Wesel

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