Kirchenschändung der speziellen Art, oder: feuchtfröhliche Erinnerung an die Katholikenjugend

Sie verstehen bestimmt, dass ich bei dieser Geschichte lieber Sonnenbrille trage.
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  • Sie verstehen bestimmt, dass ich bei dieser Geschichte lieber Sonnenbrille trage.
  • hochgeladen von Dirk Bohlen

Ja -  ich hab in die Kirche gepinkelt! So, jetzt isses raus. Hallelujah, ich bin diese Seelenlast endlich los! Was das mit dem Advent zu tun hat? Na nix. Aber im Advent (vielleicht geht's Ihnen auch so) stehen plötzlich überall Kirchen rum.
Im Dorf, irgendwo bei Ausflügen, in der Zeitung. Und dann muss ich eben öfter an diese Geschichte denken.

Es war anno 1977, im Frühling. Ich war Dreizehn und trank ziemlich viel. Also Milch, Mezzomix, Muckefuck und so.
Auch an diesem Sonntagmorgen hatte ich wieder viel getrunken. Oder ich hatte keine Zeit mehr gehabt, um aufs Klo zu gehen. Oder beides. Meine Güte, ich weiß es nicht mehr - ist schließlich 40 Jahre her! Jedenfalls musste ich ziemlich früh zur Kirche. Generalprobe vor der Firmung, inklusive Beichte.
Ganz wichtiger Termin im Leben eines Katholiken. Haben mir damals jedenfalls alle erzählt.
Also die Firmung, meine ich.

Da saß ich dann mit prallvoller Blase in der Kirchenbank, neben mir fünf oder sechs meiner Mitfirmlinge. Blöd nur, dass vier von denen vor mir dran waren. Keine Ahnung, ob die Herz-Jesu-Kirche in Hiesfeld-Oberlohberg damals ein Klo hatte und ich das bloß nicht wusste. Oder ob ich fürchtete, etwas zu verpassen, wenn ich mich kurz auf die Toilette begebe.

Wie auch immer: ich blieb auf der Bank sitzen. Rechts von mir kam einer nach dem anderen an die Reihe, um die Beichte abzulegen. Das dauerte bei jedem zirka fünf Minuten. Zu lange für meine Blase. In dem Moment, als ich auf den "Der nächste bitte"-Platz rutschte, war mir klar: Das war's, Dirki. Du schaffst es nicht. Der Schmerz zog mir von der Leistengegend aus durch den Bauch bis in den Gurgelbereich. Und dann hatte ich die Nase voll - ich ließ laufen.

Binnen Sekunden bildete sich unter der Kirchenbank eine ansehnliche Pfütze. "Iiiih, kuckmal, da ist Wasser!", keifte die ansonsten sympathische Sabine, die als einzige noch hinter mir saß. Völlig unbteiligt senkte ich meinen Blick nach unten und ließ ein gelangweiltes "Hmm" hören. Dann, ein kurzer Glücksmoment: Die Ratantür des Büßerabteils am Beichtstuhl öffnete sich und spuckte den Firmling aus. Ich konnte in den Holzkasten flüchten, bevor Sabine den Uringeruch wahrnahm, den sie möglicherweise mit mir und/oder der Pfütze in Verbindung gebracht hätte.

Im rettenden Holzkasten römisch-katholischer Bauart wartete Pater Markus auf mich. Nach dem üblichen reinigenden Geschwafel (Eltern belogen, mit Bruder gestritten und so), war ich erlöst. Raus aus dem Ding, Tschüss Sabine, rauf aufs Fahrrad und mit feuchtnasser Buchse den Oberlohberg runter bis nach Hause.

Dort ab in den Keller und die Cordhose zwischen die Dreckwäsche gefummelt. Schnell abgeduscht, frische Sachen an und ab an den Frühstückstisch. Bestimmt hat meine Mutter mich gefragt, wie's war, denn sie ist ein gläubiger Mensch. Ob ich ihr gesagt habe, dass Sabine eine Wasserpfütze unter der Kirchenbank entdeckt hat, weiß ich nicht mehr.

Die Firmung selber eine Woche später lief dann auch nicht optimal. Irgendwas hab' ich vergessen zu sagen während der Zeremonie. Wahrscheinlich hat mich die Sache von der Beichte noch immer zu stark beschäftigt.

Kein Wunder, oder?

Sie verstehen bestimmt, dass ich bei dieser Geschichte lieber Sonnenbrille trage.
Auf dem Bild muss ich wohl etwa im Firmungsalter sein. Eine tolle Zeit, in der mein Bruder Kay vor allem schneller Eis essen konnte als ich.

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