Wie man die Sache mit den Bienchen und Blümchen ans Laufen kriegt ...
Wildblumenbeet mit Insektenwohnanlage: Auch Nichtfachleute können etwas für die Umwelt tun!

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Diese Stechpalme mochte ich nie besonders. Und die häßliche Piekslatsche daneben auch nicht. Also weg damit und her mit dem Wildblumenbeet. Den Bienen und Schmetterlingen zuliebe. Ein Mai-Projekt.

Immer bloß drüber reden und bei Facebook liken reicht halt nicht.  Man muss auch mal konkret werden. Also hab' ich die alten Pflanzen rausgerissen, ein paar Steine gekauft und einfach mal angefangen. War für mich als handwerklichem Laien Marke "Pruutscher" nicht ganz leicht. Aber nach entschlossenem Einsatz in vier Etappen hat's dann doch hingehauen.

Zunächst musste ein Fundament angelegt werden. Dazu dienten mir 15 Pflanzsteine, die ich an einigen Stellen mit Beton, größtenteils aber mit Sand und Kies füllte.  Auf einer Seite des künftigen Blumenbeets setzte ich zwei Holzpfosten in die Steine - die Grundlage für das Trägergerüst eines Insektenhotels. Aufbaumäßig war dies der simple Teil des Projekts: einfach ein paar Bretter an die Pfosten, ein Dach drauf und schwupps - einige kleine Insektenhotels drangeschraubt.
Einziges Problem dabei: die Dinger waren fast überall ausverkauft. Aber im größten Weseler Baumarkt hatte ich Glück. Dort gibt's diese Behausungen für Bienen und Käfer in jeder Form und Größe. Mein Kumpel Ralf schenkte mir ein tolles Eichenbrett, das sich bestens als Dach für die Vorrichtung eignet. Dachpappe drauf, damit's nicht durch die Risse tropft - fertig!

Dann geht' an die eigentliche Mauer. Leider lieferte der Baumarkt den falschen Stein: statt der von mir gewählten Palisaden (40x15x10 cm) kommen Trapezsteine, die an einer Seite breiter sind als an der anderen. Das hat den Vorteil, dass man damit rundmauern kann, was ich aber gar nicht vorhatte. Mein Problem; die Zeit drängte, ich musste schleunigst anfangen. Also verhandelte ich mit dem Lieferanten. Wir einigten uns auf den halben Preis und ich versuchte, mit diesen Trapezsteinen klarzukommen.

Wofür sonst wohl zumeist Mörtel benutzt wird, dafür wählte ich auf Anraten eines Bekannten Beton-Estrich. Der sei haltbarer als Mörtel und man müsse anschließend nicht verfugen. Das kam  mir entgegen. Für die oberste Lage Mauersteine wählte ich schließlich Fliesenkleber, der nochmal 'ne Nummer härter ist als Beton. Nachteil: Womit das Zeug Berührung hat, da klebt's dran. 

Als die Beetmauer soweit fertig war, kippte ich per Schubkarre den Mutterboden hinein, den Kumpel Hermann (ein freundlicher Landwirt aus Brünen) inzwischen angeliefert hatte. Zum Schluss legte ich noch einen alten Baumstamm mitten rein und bepflanzte das Bett schließlich mit Stauden, die vom NaBu als besonders insektenfreundlich ausgewiesen sind. In einem Teil des Beets säete ich Wildblumensamen aus - ebenfalls vom Naturschutzbund angeboten.

Als Letztes brachte ich vier Baumscheiben (Eiche) an, die ich zuvor mit Bohlöchern mit verschiedenen Durchmessern versehen hatte. Schön, wenn ein anderer Kumpel (nämlich Ludger) in Holz macht - da kommt man leichter an sowas ran.

Nach rund 20 bis 25 Stunden Arbeit in vier Etappen (Fundamentbau, Insektenhotelgerüst, Mauern, Erde einfüllen und bepflanzen) war mein Wildblumen-Hochbeet fertig. Nicht besonders schön - aber sinnvoll, wie ich hoffe. Und nicht ganz billig: Das Material hat rund 500 Euro gekostet.
Aber ich finde, das sollte einem die Umwelt wert sein!

Wenn Sie ähnliche Pläne haben, lesen Sie bitte das nachfolgende Interview mit Johannes Schürmann von der Regionalgruppe Naturgarten e.V.! Der Bislicher lieferte mir im Vorfeld wertvolle Tipps für die Anlage des Beets.
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Dibo:  Ist normaler Mutterboden okay oder soll ich etwas beimischen (ggf. Kompost)?
Schürmann: "Wenn auf dem Hochbeet Wildblumensamen ausgesät werden soll, sollte der Boden eher mager sein. Auf keinen Fall Kompost beimischen.Die oberste Bodenschicht ( einige cm )sollte nach Möglichkeit frei von unerwünschten Beikräutern sein. Je nach Grösse des Hochbeetes können Sie dafür torffreie Blumenerde benutzen, die Sie durch hinzufügen von Sand abmagern  (2/3 Blumenerde 1/3 Sand).
Auch magerer Boden aus tieferen Schichten einer Baugrube kann gut als Pflanzerde benutzt werden. Dann etwa 1 Zentimeter torffreie Blumenerde auftragen, auf die der Samen gestreut wird. Danach den Samen anwalzen oder anterweitig andrücken. Auf keinen Fall mit Erde bedecken. Soll das Hochbeet auch bodennistenden Wildbienen dienen, sollte der Boden aus lehmhaltigen Sand bestehen. Die Pflanzenarten sind dann dem Boden anzupassen."

Dibo:  Welche Stauden sind am besten für Wildbienen und Hummeln?
Schürmann: Zu empfehlen sind in erster Linie heimische Wildpflanzen. Die Pflanzen aus der angefügten Liste der Schmetterlingspflanzen sind auch die Pflanzen die sich weitgehend für Wildbienen und Hummeln eigenen. Eine begrenzte Zahl heimischer Wildpflanzen geben wir gegen Spende an den offenen Sonntagen in der Naturarena ab.

Dibo: Die Wildblumenwiese-Samen eher dicht oder locker streuen?
Schürmann: Es gibt verschiedenartige Blumenwiesenmischungen. Diese sollten Sie im Fachhandel erwerben. Auf jeden Fall sollte locker ausgesät werden.

Dibo: Ab wann macht die Aussaat keinen Sinn mehr (bin nicht mit besonders viel Freizeit gesegnet)?
Schürmann: Eine Ansaat ist vor allem im zeitigen Frühjahr oder im August zu empfehlen. Kleine Flächen wie zum Beispiel das Hochbeet sollten Ende Mai eingesät sein (maximal erste Juni-Woche) - während der Keimphase feucht halten.

Dibo: Kann ich einen toten Baumstamm einfach mitten rein legen?
Schürmann: Sie können den Stamm in das Beet legen. Totholz ist wertvoll für viele Insekten.

Dibo: Wie groß (dick) sollte eine Baumscheibe sein, wie groß und tief die Bohrlöcher und welche Baumart ist passend?
Schürmann: Als Nistmöglichkeit für Wildbienen raten wir unbedingt von der Benutzung einer Baumscheibe ab. In fast allen Fällen treten eine Vielzahl von Trockenrissen auf, wenn in das Stirnholz gebohrt wird. Es tritt dann Feuchtigkeit ein und die Brut verpilzt.
Es sollten gut abetrocknete Harthölzer verwendet werden. ( Buche, Eiche, Esche Obstgehölze). Die Bohrlöcher sollten zwischen 3 und 8 Millimeter Durchmesser haben . (Schwerpunkt 6 Millimeter). Die Tiefe sollte bei größeren Durchmessern etwa 1 bis 12 Zentimeter betragen. Die kleinen Bohrlöcher entsprechend weniger tief. In der Regel richtet der Laie sich nach den Handelsüblichen Längen der zur Verfügung stehenden Bohrer. Wichtig ist eine saubere Bohrung.

Dibo: Hat der NaBu noch Insektenhotels? 
Schürmann: Am Sonntag, 2. Juni, ist das Schwerpunktthema des Naturgarten e.V in der Naturarena: „Wildbienen, unsere fleißigen Helfer“. Sabine Senkel aus Essen wird den ganzen Tag über dort sein und durch Führungen und Infostand über alle Fragen zum Thema Wildbienen informieren.
Auf jeden Fall werden wir an diesem Tag Tonniststeine anbieten können.
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Mich freut sehr, dass andere Menschen in ähnlicher Weise aktiv werden. Beispiele lesen Sie hier und hier!

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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