Wildtieren Trinkwasser anbieten? Dann muss man jede Menge beachten und richtig machen!

Morgendlicher Besuch an der Vogeltränke.
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Die Redaktion "Der Weseler" hörte sich auf Anregung von Usern ihrer Facebook-Fanpage bei Natur-Experten um zur Frage: Macht es Sinn, Wald/Wildtiere mit Wassertränken zu locken? Einige Antworten gab uns Thomas Traill von der Biologischen Station im Kreis Wesel.

Der Fachmann betont allerdings vorab, der er "nur meine eigenen Gedanken äußern kann, keinen anerkannten Kanon".

- Grundsätzliche Betrachtungen vorab: Wir können den Regen in seinem Umfang nicht mal eben so ersetzen. Wenn es mit hier und da aufgestellten Tränken getan wäre, wären Hitzesommer und Klimawandel ein wesentlich kleineres Problem (... aber, nebenbei, trotzdem noch ein sehr großes). Wir reden hier über ein Wasserdefizit im Maßstab vieler Tonnen pro Hektar verglichen mit feuchteren Phasen. Auch unser ausgefeiltes Trinkwassersystem reicht vor allem, um uns selbst zu versorgen und wir machen nur einen Bruchteil des Lebens aus, das hierzulande aktuell nach Wasser verlangt. Sprich, den wilden Pflanzen können wir aktuell kaum helfen, obwohl das auch Not tut. Anders sieht das womöglich bei den Tieren aus, allerdings nur, wenn wir es richtig aufziehen.

1. Wasserqualität: Ein zusätzliches Wasserangebot schadet sicher nicht, doch es ist sehr wichtig, auf Hygiene zu achten. Ausgelegte Teller oder Schalen sollten möglichst täglich gewaschen und neu befüllt werden. Das stehende Wasser droht gerade in der Hitze schnell schlecht zu werden, vor allem wenn Vögel beim Abflug ihren Kot in das Gefäß absondern. Genau wie bei Futterstellen ist die Gefahr der Übertragung von Infektionskrankheiten hier höher, da über das Wasser Keime ausgetauscht werden. Fließendes Wasser hat das Hygieneproblem weniger, aber dafür ist der Verbrauch dabei viel, viel höher.

2. Konstruktion: Ein Eimer wäre für manche Kleintiere nicht nutzbar oder eine Todesfalle. Besser wäre eine flache Schale. Damit können Tiere aller Größen etwas anfangen. Es wäre meines Erachtens klug, die Trinkschale bis zum Rand in den Boden einzulassen oder den Rand mit Erde zu unterfüttern/umgeben, bis er ebenerdig ist. Noch wichtiger ist, dass der Rand auch nach innen flach ist (notfalls durch Erde/Sand ein flaches Ufer erzeugen!), damit ins Wasser gefallene Tiere wieder herauskommen. Auch hinausragende Stöcke können helfen. Also: Bitte an Ein- und Ausstiegshilfe denken! Außerdem sollte die Tränke nicht zu zerbrechlich sein, da auch größere Tiere hier eventuell trinken. Es ist sinnvoll, zu schauen, wie hoch der Verbrauch ist. Womöglich wird er nach den ersten Tagen zunehmen, wenn die Tiere gelernt haben, wo die Tränke ist.

3. Müllproblem: Selbstverständlich ist eine einfach im Wald abgestellte, verwahrloste Metall- oder Plastiktränke irgendwann wilder Müll und sollte entfernt werden, wenn der Bedarf nicht mehr da ist. Eine flache Holzschale wäre da weniger problematisch, aber u. U. schwerer zu reinigen.

4. Ökologie: Entfernt man die Tränke vorzeitig, sind die Tiere gezwungen, nach einer neuen Trinkmöglichkeit zu suchen. Eine gute Lösung ist, irgendwann schrittweise weniger Wasser pro Tag anzubieten, wenn die Natur wieder mehr anbietet, bevor man sie schließlich ganz entfernt.

Einen weiteren Beitrag mit den Erklärungen des Naturexperten Peter Malzbender lesen Sie hier.

Morgendlicher Besuch an der Vogeltränke.
Thomas Traill
Autor:

Lokalkompass Kreis Wesel aus Wesel

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