Leserbrief des Tagesmüttervereins Wesel, Hamminkeln und Umgebung
An die verantwortlichen Politiker/innen: "Wir fühlen uns allein gelassen und hoffen auf Besserung!"

Zuständiger Amtsbereichsleiter beim Kreis Wesel ist Kreisdirektor Ralf Berensmeier.
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Der Tagesmütterverein Wesel – Hamminkeln und Umgebung e.V. fühlt sich angesichts aktueller Corona-Probleme von der Politiek allein gelassen. Vorsitzende Nadine Dahmen schickt diesen Leserbrief an die lokalen Medien ...

Sehr geehrte Frau Westkamp, sehr geehrter Herr Brohl, sehr geehrte Damen und Herren der Politik in Wesel und im Kreis Wesel,

Ich möchte mich heute mit einem offenen Brief an sie als politische Entscheider der Kommune im Namen des Tagesmüttervereins Wesel – Hamminkeln und Umgebung e.V. wenden.

Ich heiße Nadine Dahmen, bin 42 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines 17 jährigen Abiturienten. Seit nunmehr 9 Jahren bin ich „selbstständige“ Kindertagespflegeperson und die erste Vorsitzende des Tagesmüttervereins in Wesel - Hamminkeln und Umgebung e.V.

Wie auch schon im ersten Lock down erreichen mich auch derzeit täglich viele Anrufe von verzweifelten Kolleginnen, Tagesmüttern und -vätern unterschiedlichen Alters, mit einer unterschiedlichen Anzahl an zu betreuenden Kindern. Viele von ihnen haben selbst noch eigene Kinder die gekürzt in den Kindergarten gehen oder von zuhause aus auf Distanz unterrichtet werden.

Mir ist bewusst, dass diese schwierige Zeit, durch die wir nun gehen müssen, etwas in uns verändert.
Was mir in den letzten Tagen jedoch mehr als bewusst wurde, ist, dass wir als Kindertagespflegepersonen in dieser schwierigen Zeit allein gelassen werden. Uns wird aufgebürdet, alles alleine stemmen zu können-doch so ist es nicht. Aus diesem Grund möchte ich sehr deutliche Worte für das finden, was uns alle seit Tagen, Wochen und Monaten begleitet: die gegenwärtige Betreuungssituation ist desaströs. Dies liegt vor allem an den folgenden Faktoren.

Uns als Kindertagespflegepersonen und auch den Eltern wurde zugemutet, eine Entscheidung darüber zu fällen, ob das Kind XY im Rahmen der Tagespflege betreut wird oder ob es zuhause bleibt, denn es wurde ja nur ein Appell ausgesprochen. Viele Eltern nehmen diesen Appell jedoch nicht ernst. Meine Kolleginnen und Kollegen und ich wünschen uns von Herzen eine Zeit, in der wir alle Kinder unserer Familien sorglos betreuen können. Aber gerade jetzt, wo im Außen alles stillliegt und alles geschlossen ist, soll die Kindertagespflege so agieren, als gebe es diesen Virus nicht.

Die Betreuung der Kinder läuft weitestgehend schutzlos ab, denn wir können keinen Mindestabstand beim Wickeln, Füttern, Trösten und Kuscheln einhalten. Die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, ist also in jeder Betreuung präsent-vor allem für diejenigen Kindertagespflegepersonen, die zur Risikogruppe zählen. Was sollen wir also tun, wenn Eltern nicht auf eine Betreuung verzichten können oder wollen?

Obwohl wir unserem Beruf in all seinen Tätigkeiten nachgehen möchten, arbeiten wir dennoch fast ohne Schutzmaßnahmen. Da wir als Kindertagespflegepersonen vor dem Gesetz als selbstständige gelten, arbeiten wir also auch immer mit der Sorge um die eigene Existenz. Hier kommt hinzu, dass wir für Desinfektionsmittel und andere Hygieneartikel selbst aufkommen müssen. Durch die permanente Desinfektion von Spielzeug und Mobiliar wird unser tägliches Arbeitsmaterial ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen. Hierfür müssen wir ebenfalls selbst aufkommen.
Deshalb wünschen wir uns aus den oben genannten Gründen,

- dass symptomanzeigende Kinder auf das Coronavirus getestet werden,
- dass die Kosten für Desinfektionsmittel und andere Hygieneartikel, wie Handschuhe oder Mundnasenabdeckungen, übernommen werden,
- dass eine finanzielle Absicherung bei reduzierten Stunden gewährleistet wird,
- dass eine transparente und offene Kommunikation der Stadt Wesel und dem Kreis Wesel, der gesamten Kommune mit den Eltern, z.B in Form offizieller Anschreiben stattfindet,
- dass keine Anrechnung der Ausfallzeit, durch eine Quarantänezeit erfolgt.

Wir vom Tagesmütterverein haben bereits im Vorfeld das Gespräch mit Ihnen gesucht, zu Frau Beyer vom Städtischen Jugendamt Wesel, zu Frau Klein vom Kreis Wesel, zur Wählergemeinschaft für Wesel und sogar zu Charlotte Quik. Wir haben aktiv um Hilfe gebeten und Ihnen unsere Not geschildert.
Leider hat sich an der belastenden Situation immer noch nichts geändert. Wir fühlen uns von der Politik alleingelassen und erhoffen uns eine baldige Besserung unserer Arbeitsbedingungen – nicht nur zum Wohle der Kindertagespflegepersonen, sondern vielmehr zum Wohle der Kinder.

Lassen Sie uns nicht im Stich, wir brauchen Ihre Unterstützung.

Nadine Dahmen
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Autor:

Lokalkompass Kreis Wesel aus Wesel

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