Schulbetrieb trotz Corona - Wie läuft's am Berufskolleg Wesel, der größten Schule im Kreis Wesel?
"Das 'Lernen auf Distanz' stößt nach vier bis fünf Wochen in einigen Klassen an seine Grenzen."

Diese vier Schülerinnen absolvieren (wie rund 400 weitere) aktuell ihre Abiturprüfungen.
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  • Diese vier Schülerinnen absolvieren (wie rund 400 weitere) aktuell ihre Abiturprüfungen.
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Beim Schulbetrieb scheiden sich die Geister: Die behördlichen Coronaauflagen können eigentlich kaum erfüllt werden. In vielen Situationen - vor allem in den Pausen und bei der An- und Abreise - kommen sich die Schüler viel zu nahe. Kann das gutgehen? Und wie steht's um die digitalen Ressourcen, die als Ersatzlödungen herhalten müssen? So fragen sich viele kritische Mitdenker.

Wir hörten uns um in der größten Schule im Kreis Wesel, dem Berufskolleg in Wesel-Feldmark. Lesen Sie das Interview mit Schulleiter Christian Drummer-Lempert.

dibo:  Wie viele von den über 3000 Schüler(inn)n kommen seit dem 23. April täglich zum Berufskolleg?
Christian Drummer-Lempert: Knapp 500 Schüler/innen, ab dem 4. Mai werden es zirka 900 Schüler/innen sein, ab dem 11. Mai knapp über 1.000 Schüler(inne)n – mehr geht nicht. Die Obergrenze liegt aufgrund der Infektionsschutzbestimmungen bei knapp über 1.000 Schüler(inne)n statt der sonst üblichen 2.600 Schüler/innen, die täglich bei uns unterrichtet werden. Die Gesamtschülerzahl des Berufskollegs Wesel beträgt in diesem Schuljahr 3.314 Schüler/innen.

dibo: Gibt es auch Solche, die vergeblich anreisten, weil sie die geltende Regelung nicht kennen?
Christian Drummer-Lempert: Nein!

dibo: Beschreiben Sie mit überschaubaren Worten den Vorbereitungsaufwand am BK, um die behördlichen Vorgaben zu erfüllen.
Christian Drummer-Lempert: Aufgrund der sehr spät verkündeten Vorgaben seitens des Ministeriums mussten innerhalb von drei Tagen alle Raumkapazitäten den 1,5 Meter-Abstandsregelungen sowie 4 Quadratmeter pro Person angepasst werden. Räume, die vormals für zirka 28 Personen ausgelegt waren, können nun nur noch von etwa 16 Personen genutzt werden. Folglich wurden Tische in 50 Räumen „gesperrt“. Anschließend erfolgten durch großen Einsatz von Hausmeistern und Reinigungskräften die Grundreinigung der Räume. Der Desinfektionsstandard wird für jeden Raum nun täglich durch ein Siegel des Raumes gekennzeichnet. „Einbahnstraßensysteme“ für alle Treppenauf- und abgänge und Flure wurden durch Ausschilderungen gekennzeichnet. Nicht zu nutzende Bereiche gesperrt. Stunden- und Raumpläne mussten für die Abschlussklassen neu erstellt werden. Gleichzeitig wurde ermittelt, welche Lehrer und Schüler zu den sog. Risikogruppen zählen und somit nicht am Präsenzunterricht teilnehmen können.
Schließlich mussten Schülerinnen und Schüler, Eltern, Betriebe und Kollegium fortlaufend über die Entwicklung informiert werden. Parallel dazu hat der Schulträger in kurzer Zeit u. a. Seifen für alle Räume, Desinfektionsmittel und Mund-Nasen-Schutz-Masken für die Schüler und das Kollegium beschafft, wenn diese keine eigenen zur Verfügung haben.

dibo: Wie verhalten sich die Schüler in den Pausen und auf dem Gelände vor dem Kolleg?
Christian Drummer-Lempert: Vorbildlich!

dibo: Wie kontrolliert der Kreis Wesel die Abläufe in der Schule?
Christian Drummer-Lempert: Durch eine tägliche Protokollierung aller Reinigungsschritte sowie über einen engen Austausch mit der Schulleitung.

dibo: Kommen die Lehrer/innen am BK gut klar mit ihren neuen Aufgaben?
Christian Drummer-Lempert: Die Anforderungen an die erzwungene Flexibilität werden gut angenommen. Aufgrund des Ausfalls eines Teils des Kollegiums, das zu der sogenannten „Risikogruppe“ in Bezug auf einen schweren Verlauf bei einer Corona-Erkrankung zählt, sind viele Lehrerinnen und Lehrer in der nun beginnenden Prüfungsphase besonders gefordert.
Das „Lernen auf Distanz“ stößt nach vier bis fünf Wochen in einigen Klassen an seine Grenzen. Nicht alle Schüler/innen verfügen über die notwendigen technischen Ressourcen. Manchmal fehlt es an einem Drucker oder sogar am Datenvolumen für die Downloads via Handy, weil kein Geld mehr zur Verfügung steht.

dibo: Haben Sie Andeutungen vom Ministerium erhalten, wann der volle Betrieb eventuell aufgenommen werden kann?
Christian Drummer-Lempert: Nein. Wir haben in den vergangenen Wochen gelernt, dass es nicht zielführend ist, Andeutungen oder Verlautbarungen aus Pressegesprächen und –mitteilungen zu folgen.

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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