Drei Monate raus aus der Statistik

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…. oder wie man möglichst effektiv einen riesen Berg an Steuergeldern verschwendet.

Ganz recht, drei Monate war ich nicht arbeitslos gemeldet.

Drei Monate wurde die Statistik durch meinen Namen nicht belastet. Wenn ich während dieser Zeit die Nachrichten sah und die Sprecherin 'frohlockend' über die 'guten Konjunkturzahlen' sprach, wurde mein Gesicht unwillkürlich überfallen von einem hämischen Grinsen bei dem Gedanken „da steh ich jetzt grad' auch nicht drin“.

Es war ja schon seit längerem ab zu sehen! Bereits im Herbst 2014 begann mein Berater des AAmtes mich langsam darauf vorzubereiten, dass auch ich mich nicht länger einer dieser berüchtigten Maßnahmen würde entziehen können, über die – mehr oder weniger hinter vorgehaltener Hand – viel gelacht und gelästert wird. So war ich ziemlich zwie gespalten in meiner Erwartungshaltung, aber ich war auch neugierig und bemühte mich dem ganzen möglichst unvoreingenommen gegenüber zu treten.

Wir waren ein bunt gewürfelter Haufen aus Leuten zwischen mitte 20 bis ende 40, von unterschiedlichster Herkunft, Ausbildung und Sozialisation.

Mir schien, den anderen ging es ähnlich wie mir. Mit abwartender Skepsis harrten wir der Dinge die da kommen sollten.

Uns wurde zwar gesagt, die Teilnahme an diesem Seminar sei freiwillig und im Falle einer Verweigerung hätten wir keine Sanktionen vom Amt zu befürchten, aber die meisten von uns trauten diesem Braten nicht. Wir wussten ja nicht, was dann in unseren Akten stehen würde …

Ich dachte mir „was solls?!“ kannst du mal in Ruhe Bewerbungen schreiben und hast auch direkt einen Korrekturleser vor Ort. Das blöde war nur, die meiste Zeit über durften wir gar keine Bewerbungen schreiben.

An zwei Tagen in der Woche mussten wir jeweils für acht Stunden anwesend sein. Nach den Pausen ließ die Tür sich nur noch von innen öffnen. Das wäre aber nicht nötig gewesen, denn an Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit hat es dort eigentlich niemandem gemangelt. Alle haben brav bei den Aufgaben die uns gestellt wurden mitgemacht, egal wie unsinnig sie auch waren.

Ja das war überhaupt so eine Sache, …..... der „Unterrichtsstoff“

Eine Ansammlung von „Lebensweisheiten“, die man in den billigsten Selbsthilfebüchern von selbsternannten Hobbypsychologen für 5 Euro das Stück in jedem Discounter nach geworfen bekommt. Mein absoluter Favorit dabei war da das „Arbeitsblatt Gesundheit“. Ich habe es mal als Bilddatei angefügt, es spricht für sich selbst. (Darf gern gelacht werden!)
Aber das war noch nicht der Höhepunkt dieses Tages. Da kam noch eine Gastdozentin von einer Krankenkasse um uns einen Vortrag über Gesundheit zu halten, was sich allerdings nach kurzer Zeit als Werbeveranstaltung für die IKK entpuppte.

Anderer Tag:
Das „Lebensrad“ hier sollten wir Kreuzchen machen … je weiter aussen desto höher die selbst eingeschätzte Wertung des abgefragten Lebensbereiches. Eine sehr anschauliche Grafik zeigte uns dann auf, warum es in unserem Leben „nicht rund läuft“. Wobei ich nur hoffen kann, dass mit „Spirituellem Leben“ nicht das gemeint ist, was auf dem Gesundheitsblatt Seite 2 in der Mitte steht (es darf gelacht werden!)

Ach sie hatten noch so viele witzige Ideen für uns auf Lager, z.B. sollten wir an einem Tag in Gruppenarbeit eine Brücke aus Papier bauen die stabil ist und von Punkt A nach Punkt B führt (!!!)

Aber auch die in den Arbeitsblättern versteckten Hinweise auf unser nicht vorhandenes Wohlbefinden, fand ich schon bemerkenswert vor allem die unterstellten suizidalen Absichten.

Ich könnte mich noch weiter über diese offensichtliche Verschwendung von Steuergeldern lustig machen, aber irgendwie ist mir nicht zum Lachen zumute angesichts der ungeheuren Vera.....ung die ich 3 Monate lang erdulden durfte.

Als Fazit kann ich daher nur sagen, natürlich ist es scheisse wenn man Arbeitslos ist, vor allem weil man einfach NIE genügend Geld hat, aber ich bin mit Sicherheit nicht schuld daran (!!) und auch das „Seminar der Platitüden“ hat es NICHT geschafft mein Selbstvertrauen zurück auf Zero zu fahren. Es gibt einfach nicht genügend Arbeitsplätze und die paar die noch da sind, sind dermaßen schlecht bezahlt und grundsätzlich befristet, dass ich sowieso bis zum Ende meines Lebens vom Staat abhängig sein werde, wenn nicht ein Wunder geschieht oder die Politik endlich mal umdenkt (oder ist das nicht dasselbe?).

Vom Gesetz her liegt die Bringschuld beim Arbeitslosen und das ist der Fehler, solange nicht genügend Arbeitsplätze vorhanden sind, da muss man kein Mathe-Genie sein um das zu sehen.

Hartz4 ist keine Motivation für Arbeitslose sich selbst aus ihrer „Lethargie“ zu reissen!
Hartz4 ist auch kein Jobmotor geworden, sondern vielmehr ein Gesetz zur Aushebelung von Arbeitsschutzgesetzen und Lohndumping.

Davon abgesehen muss man gar nicht zwangsläufig lethargisch sein, nur weil man lange Zeit keiner Erwerbsarbeit mehr nachgegangen ist, manch einer hat vielleicht auch so genug zu tun.

Autor:

Imke Schüring aus Wesel

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