Grüne Verkehrsvisionen statt Südumgehung

Als privater Einwender konnte ich an dem Erörterungstermin zur Südumgehung im Rathaus teilnehmen und den Ärger und das Gefühl der Hilflosigkeit vieler Bürgerinnen und Bürger des Fusternbergs nachempfinden. Fast alle vorgetragenen Einwände und Belange wurden für irrelevant erklärt oder lapidar vom Tisch gewischt. Vor allem vermieden die Planer und die Diskussionsleitung von der Bezirksregierung eine Diskussion über die grundsätzliche Sinnhaftigkeit einer Planung, die den naturnahen und wohnlichen Charakter des ganzen Stadtteils für immer verändern wird.
Worüber wir sprechen ist eine "zukunftsweisende" verkehrspolitische Weichenstellung für den Rest dieses Jahrhunderts, die aber auf Technologien und Wachstumsprognosen aus dem vergangenen Jahrtausend beruht.
Wer weiß denn, wie sich der Verkehr in Wesel vor dem Hintergrund der Energiewende und der Entwicklungen im Bereich der Informationstechnik in den nächsten Jahrzehnten entwickelt?
Ich möchte hier nur einige der sich abzeichnenden Trends aufzeigen:
- Benzin ist ein endlicher Rohstoff, die Preise werden weiter steigen,
- die weltweiten, deutschen und nordrheinwestfälischen Klimaschutzziele können nur mit einer stark veränderten Verkehrsentwicklung eingehalten werden,
- die riesigen Gütertransportströme bewirken heute schon unerträglich Belastungen der Menschen durch Lärm und Schadstoffe,
- ebenso dringend, wie die Energiewende brauchen wir eine "Verkehrswende"!
- auf der anderen Seite entwickelt die Industrie deutlich kleinere, leichtere und langsamere Elektrofahrzeuge mit geringerem Platzbedarf,
- 3-D-Scanner sind in der Lage, viele Produkte überall auf der Welt schnell und kostengünstig ohne großen Transportaufwand herzustellen,
- Informationstechniken können viele Probleme effizient reduzieren helfen, heute schon können unsere Kinder über ihre Handys spielend schnell Mitfahrgelegenheiten in alle Himmelsrichtungen organisieren und anbieten,
- vermutlich können wir in Zukunft alle unsere Reisewünsche per Smartphone zeitlich, ökologisch und ökonomisch optimieren,
- wer will, muss sein Fahrzeug nicht mehr selbst steuern und vermutlich auch nicht mehr selbst besitzen, pflegen und warten.

Keine einzige dieser Perspektiven tauchte in den Planungen der sechs älteren Herren, die auf der Bank des Straßenbauamtes NRW Platz genommen haben auf.

Vor dem Hintergrund dieser möglichen Entwicklungen im Verkehrssektor des 21. Jahrhunderts wirkt die Oberflächlichkeit der Antworten der Straßenplaner auf die sehr konkreten Ängste und Widersprüche der betroffenen Fusternberger geradezu ignorant. Es gab keine Antwort darauf, wohin denn die 25.000 Fahrzeuge von der Südumgehung weitergeleitet werden sollen. Zu befürchten ist dann ein Ausbau der Schermbecker Landstraße und eine Umleitung über die Brüner Landstraße mit Auffahrt zur A3. Die rechtliche Frage, wie aus einer zweispurigen Straße im Linienfeststellungsverfahren, dann doch eine vierspurige werden konnte, ist nicht zufrieden stellend beantwortet worden. Bis eine im Sinne der Planer optimale Lösung erreicht wird, gehen also vermutlich noch Jahrzehnte ins Land.
Wir Grünen in Wesel stehen für ein nachhaltiges Umdenken in der Verkehrspolitik. Kleine, leise, langsame, schadstoffarme oder freie, mit mehreren Personen besetzte Fahrzeuge sind auf dem vorhanden Straßennetz in Wesel problemlos zu bewältigen.

Autor:

Ulrich Gorris, Grüne-Wesel aus Wesel

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