Brexit-Chaos
Was bedeutet der Brexit für uns Weseler?

Ein Blick auf die Küste von Felixstowe. Da kommt doch Urlaubsstimmung auf, oder?
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  • hochgeladen von Christian Schaffeld

Das in der vergangenen Woche gescheiterte Brexit-Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU hallt auch Tage nach. Premierministerin Theresa May bleibt trotz großer Kritik, auch aus den eigenen Reihen, im Amt. Das Misstrauensvotum überstand sie nur knapp. 325 Abgeordnete stimmten für die Regierung, 306 gegen sie - alles andere als eindeutig also. Doch was bedeutet dieses Beben für uns Weseler? Schließlich pflegen wir seit nunmehr 45 Jahren eine freundschaftliche Städtepartnerschaft mit dem englischen Felixstowe.

Regelmäßig reisen Bürger aus unserer Stadt in die im Osten Englands gelegene Kleinstadt - und andersherum. Doch was ändert sich für die Partnerschaft mit dem Brexit? "Es weiß niemand, was kommt, aber wir sind wild entschlossen, dass der Brexit keine Auswirkungen auf unsere Partnerschaft haben darf", sagt Karl Hömberg von der Partnerschaftsvereinigung Wesel-Felixstowe. Der ehemalige Lehrer des Konrad-Duden-Gymnasiums weiß aber auch, dass die Menschen Einschnitte in Kauf nehmen müssen. "Wenn die Briten aus der Zollunion austreten, dauert es bei der Einreise noch länger, als ohnehin schon.

Kontrollen würden länger werden

Neben der Pass- und Sicherheitskontrolle, müsste man dann einen dritten Bereich durchlaufen. Das wäre für eine ganze Menge Menschen fatal,. "Viele ältere unserer Freunde können dann nicht mehr kommen, da die Reisestrapazen zu hoch sind", muniert Hömberg. Dass er die Menschen aus Felixstowe  als "Freunde" bezeichnet, zeigt die enge Verbundenheit beider Städte.  "Ich habe noch vor kurzem mit den Engländern gesprochen und sie haben mir gesagt, wie sehr sie an der Partnerschaft hängen." 

Schüleraustausch existiert nicht mehr

Trotzdem ist die Freundschaft über die Jahre abgekühlt. Nachdem Homberg als Lehrer des Konrad-Duden-Gymnasiums im Jahr 1982 ein Schüleraustauschprogramm ins Leben gerufen hat, wurde es mittlerweile eingestellt. Das liegt an einem Gesetz, dass im Jahr 2000 in England in Kraft getreten ist. "Dieses macht einen Schüleraustausch fast unmöglich", sagt Claus-Dieter Schmidtke vom Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel. Die englischen Behörden verlangen mittlerweile ein polizeiliches Führungszeugnis der Gastfamilien, in denen die englischen Schüler untergebracht sind. Daher gab es in der Folge nur wenige weitere Schüleraustausche. Mittlerweile ist der Kontakt zu den Schulen in England abgebrochen, wie Schmidtke im Gespräch mit unserer Redaktion bedauert.

Freundschaft hat nicht gelitten

Das findet auch Ex-Lehrer Hömberg schade, betont aber, dass die Städtepartnerschaft dadurch nicht gelitten habe. "Die Planungen für die nächsten Reisen laufen bereits. Neben der Weseler Jungfeuerwehr, den Karnevalisten und den Schützen, reisen auch die Bürgermeister beider Städte in die jeweils andere.
Auch das Konrad-Duden-Gymnasium wird im Sommer wieder eine Fahrt nach Felixstowe machen. "Die Klassenfahrten buchen wir weiter. Es gibt zwar eine Gespanntheit, aber keine Skepsis. Die konkreten Folgen des Brexits kann keiner absehen. Es wäre spekulativ jetzt in Panik zu verfallen", sagt Schmidtke zuversichtlich. Auch an höhere Kosten glaubt der Lehrer für Englisch und Geschichte aktuell nicht. "Die Reiseunternehmen haben die Buchungen ganz normal entgegen genommen. Ich glaube nicht, dass da noch Kosten zu kommen." 

Schüler freuen sich

Die Schüler freuen sich jedenfalls auf die Fahrt nach Felixstowe - der Brexit lässt aber auch sie nicht kalt. "Man merkt im Unterricht schon, dass die Kinder das Thema berührt und sie neugierig sind." Da trifft es sich, dass UK und Europa sowieso Teil des Lehrplans sind.

Ein Blick auf die Küste von Felixstowe. Da kommt doch Urlaubsstimmung auf, oder?
Zum 40-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft Felixstowe-Wesel besuchte im Jahr 2014 eine 46-köpfige Reisegruppe aus Wesel die englischen Freunde.

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