Umfrage an den weiterführenden Schulen in Wesel und Hamminkeln
Wie bereitet der Unterricht die Schüler/innen auf den Umgang mit dem Wahlrecht vor?

Das Helfer-Team bei der Jugendwahl am KDG.
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  • Das Helfer-Team bei der Jugendwahl am KDG.
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Die Rechten reiben sich schon die Hände. "Am 26. Mai wird abgerechnet - und zwar mit allen Liberalen und Linken - und mit der Demokratie!" So liest man an vielen Stellen im Netz. All diese Gaulands, Weidels, Meutens, Höckes und von Storchs rechnen fest damit, dass sie 25 Prozent und mehr gewinnen und zukünftig in Europa kräftig mitbestimmen können.

Erfreulicherweise gibt's auch (und besonders) im Kreis Wesel genügend Kräfte, die das drohende Dumpfbackendesaster verhindern wollen. Denen dies klar ist: Wer nicht will, dass dieser sympathische Kontinent zwischen dem Nordkap und Istanbul ideologisch auseinander bricht, der sollten wählen gehen - und zwar die richtigen Parteien.

Doch was wird denn überhaupt getan, um vor allem die jungen Wähler, die heranwachsenden Mitdenker, zu mobilisieren? Können die weiterführenden Schulen auffangen, was wahrscheinlich in vielen Elternhäusern zu kurz kommt?

Wir hörten uns in Hamminkeln und Wesel um ....

Als erste Einrichtung reagierte die Gesamtschule am Lauerhaas in Obrighoven:
Thomas Pawlowski, Lehrer für Geschichte und Latein an der Lauerhaas-Gesamtschule, antwortet: "Vielen Dank für Ihre Mail vom April, in der Sie uns die Gelegenheit geben, ein Statement zur Bedeutung der Europawahl für unsere Schülerinnen und Schüler zu formulieren.
Die Gesamtschule Am Lauerhaas legt einen großen Wert auch auf die politische Bildung unserer Schülerinnen und Schüler. Entsprechend sollen, vor allem in den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern, Inhalte und Fragen betr. Europa und der aktuellen Europawahlen thematisiert werden. die inhaltliche Gestaltung kann variieren.
Geplant ist ein Überblick über die Geschichte der EU, der von der Parlamentsrede von Robert Schuman (9.5.1950) ausgehend über die Römischen Verträge bis heute reicht. Daran angebunden sind die wachsenden Aufgaben Europas. Ein Überblick über Aussagen der größeren Parteien zu wichtigen und schülerrelevanten Themen ist ebenso vorgesehen.
Denn wir sind alle Europäer - jung und alt … Europa und wir gestalten unsere Zukunft! Deshalb werden wir am 17. Mai 2019 mit allen unseren Schülerinnen und Schülern (die noch nicht das Wahlalter erreicht haben) wohl vorbereitet an den U18-Europa-Wahlen teilnehmen."

Lion Schlabes, Schülersprecher am Berufskolleg Wesel, erklärt: ""Das Thema 'EU"' und die anstehende EU-Wahl wird bei uns am Berufskolleg Wesel natürlich im Politik-Unterricht behandelt. Außerdem hatten wir vor wenigen Wochen eine spannende Veranstaltung in der Schule: Herr Martin Babilas, Vorstandsvorsitzender der Altana AG, hat vor Auszubildenden einen Vortrag über die Bedeutung der EU für sein Unternehmen gehalten und dabei uns alle dazu aufgerufen, sich für die EU und die EU-Wahl einzusetzen. Die Niederrheinische IHK hatte die Veranstaltung unterstützt.
Noch vor der EU-Wahl wird schließlich noch ein kleiner Festakt zum "Europatag" stattfinden. Unsere Auszubildenden, die ein mehrwöchiges EU-Praktikum in England oder Irland absolviert haben, erhalten dann ihr EU-Zertifikat. Dazu wird der Landrat Dr. Ansgar Müller ein Grußwort halten.
Ich persönlich hoffe sehr, dass möglichst viele Leute an der EU-Wahl teilnehmen. Ich gehe auf jeden Fall zur Wahl."

"Am Konrad-Duden-Gymnasium bemühen wir uns, die Schülerinnen und Schüler in den Prozess der politischen Wahl mit einzubeziehen. Das geschieht natürlich regulär und gemäß des Lehrplans über das Fach Politik und Sozialwissenschaften, aber vor allem auch außerunterrichtlich", erklärt Annika Siemen (Lehrerin und Fachvorsitzende für Sozialwissenschaften am KDG).
Und weiter: "Wir beteiligen uns zum Beispiel an dem Projekt „Juniorwahl“, bei dem die Jahrgangsstufen sieben bis elf die jeweils anstehende Entscheidung in einem möglichst reellen Setting nachahmen. Das heißt es gibt kurz vor dem „echten“ Wahltermin in der Schule ein Wahlbüro, Wahlberechtigungsscheine, Wahlurnen und so weiter. So erleben die Heranwachsenden nicht nur den Ablauf einer Wahl, sondern es kommt im gesamten Haus im Vorfeld eine erkennbar lebendigere Debatte darüber auf, wen man aus welchen Gründen für wählbar hält und warum man überhaupt wählen sollte.
Zudem hat das KDG eine aktive Schülervertretung (SV), die sich verantwortungsvoll für Schülerinteressen einsetzt. Sie muss von der gesamten Schülerschaft gewählt werden und ihre Mitglieder wiederum wählen selbst die Besetzung höherer Gremien auf SV-Bezirks- und Landesebene. Indem sie jährlich neue Klassensprecherinnen und Klassensprechern bestimmen, erfahren Schülerinnen und Schüler auch so häufig die „Demokratie im Kleinen“ und erleben, welchen Einfluss die SV über die Schulkonferenz z.B. in Schulentwicklungsfragen in ihrem Namen nimmt. Nicht zuletzt gibt es zu jeder Wahl einzelne Aktionen."

Anette Schmücker, Leiterin der Gesamtschule Hamminkeln, formuliert: "Historisch-politische Bildung bildet einen Schwerpunkt der Arbeit der Gesamtschule Hamminkeln. Wir möchten unsere Schülerinnen und Schüler befähigen, als mündige Bürgerinnen und Bürger ihre Partizipationsmöglichkeiten zu nutzen und unser Gemeinwesen mitzugestalten.
Selbstverständlich steht die Beschäftigung mit der Entstehung unserer Demokratie und ihrer Funktionsweise sowie der EU in den Jahrgängen 9 und 10 im Lehrplan des Faches Gesellschaftslehre und der Fächer Geschichte und Sozialwissenschaften in der Oberstufe. Zusätzlich werden besondere Anlässe wie Wahlen immer auch aktuell im GL-Unterricht aufgegriffen. Die kritische Auseinandersetzung mit Parteiprogrammen und Wahlplakaten gehört dazu.
Dabei kooperieren wir auch mit externen Partnern. Vor der letzten Bundestagswahl beispielsweise haben wir zusammen mit dem Klausenhof für unseren damals ältesten Jahrgang mit allen Klassen das Projekt U18-Wahl durchgeführt. Einzelne Schüler haben sich dafür sogar freiwillig in ihrer Freizeit als Wahlhelfer engagiert. Eine Bundestagsabgeordnete berichtete zudem von ihrer Arbeit und appellierte eindringlich an alle, sich für den Erhalt unserer Demokratie einzusetzen und wählen zu gehen.
Dies möchten wir auch durch die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur und ihren fürchterlichen Folgen erreichen. Durch die Kooperation mit dem Humberghaus in Dingden beispielsweise können die Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe sich anhand der Materialien im ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus der jüdischen Familie Humberg erarbeiten, wie deren Mitglieder unter der NS-Herrschaft litten. Bei einer weiteren Veranstaltung berichteten ihnen Zeitzeugen aus erster Hand, wie das Leben während der NS-Zeit durch die menschenverachtende Diktatur und die Kriegszeit geprägt war. Auch die Teilnahme an und Mitgestaltung von Gedenkveranstaltungen am Volkstrauertag oder zur Erinnerung an die Luftlandeoperation der Alliierten am Niederrhein zusammen mit Veteranen und ihren Nachfahren sind Bausteine unserer Demokratieerziehung.
Schließlich machen wir für unsere Schülerinnen und Schüler durch unsere vielfältigen Austauschprojekte und Schülerbegegnungen mit Partnerschulen in Polen und den Niederlanden sowie Fahrtenangebote nach London und Paris auch außerhalb des Unterrichts auf vielfältige Weise die Bedeutung eines freien und geeinten Europas erlebbar und erfahrbar."

Als Letzter antwortete Mike Weyrauch, Politiklehrer am AVG. Er schreibt: "Im Politikunterricht am AVG ist Thema Wahlen und die Bedeutung demokratischer Beteiligung fest verankert. Meine Fachkollegen und ich machen z.Zt. in Bezug auf die anstehende Europawahl (besonders in den Jahrgst. 9/10) aufmerksam.
Es werden Wahlprogramme der führenden Parteien verglichen, ebenso kommt der „WahloMat" zum Einsatz. Hier interessieren sich die Schülerinnen und Schüler besonders für den Artikel 13. Auch die „Friday for Future-Bewegung“ reizt in Bezug auf die Frage: Wie kann die Klimawende auf europäischer Ebene gelingen?
In meinem Leistungskurs der Q1 problematisiere ich derzeit die Entstehungsgeschichte und Entwicklung der EU, welche Vorteile aber auch Probleme diese mit sich bringt. Hierzu verfassten die Schülerinnen und Schüler Reden und Statements, ob es sich bei der EU aus ihrer Sicht um eine Erfolgsgeschichte handelt oder nicht. An Ende der Unterrichtsreihe steht ein Besuch in Brüssel im EU-Parlament und der EU-Kommission (9./10.7.).
Ich zitiere eine Schülerin, die in ihrer Rede schrieb: 'Europa ist zu kostbar, um es den Nationalisten zu überlassen!'"

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