FASD-Selbsthilfe demnächst im Kreis Wesel
Aufklärung über die Fetale Alkoholspektrumstörung (FASD)

Die Eltern von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit FASD verbindet ein gemeinsames Thema. Das Hilfesystem versagt ihnen die notwendige Unterstützung, obwohl ihre Kinder, egal in welchem Alter, darauf Anspruch haben. Gefühle von Ohnmacht, Frust und Ärger kommen auf. Damit Familien sich mit diesen und anderen Problemen nicht länger im Stich gelassen fühlen, können sie sich mit gleich Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe zusammenschließen.
Die Initiatoren sind Eltern von inzwischen jugendlichen und erwachsenen Kindern mit FASD. Zu ihnen gehört Susanne Weidling aus Xanten. Sie ist Mutter eines adoptierten Sohnes mit der Diagnose FASD. Deshalb beschäftigt sie sich seit über 20 Jahren mit dem Thema. Als FASD-Fachkraft, zertifiziert durch die Fachhochschule Münster, und gleichzeitig als Rechtsanwältin ist sie die deutschlandweit einzige FASD-Expertin mit diesen Qualifikationen.

Die Fetale Alkoholspektrumstörung, kurz FASD, ist ein zu 100 % vermeidbares Krankheitsbild, verursacht durch mütterlichen Alkoholkonsum während der Schwangerschaft. Es besteht lebenslang, weil es nicht heilbar ist. Neben anderen Organen ist hauptsächlich das Gehirn beeinträchtigt. Es ist strukturell und funktionell geschädigt, besonders betroffen sind die sogenannten Exekutivfunktionen. Das bedeutet, man kommt nicht wie ein gesunder Mensch durch das Leben, durch den Alltag, kann nicht für sich selber und seine Angelegenheiten sorgen, verhält sich ungewöhnlich und wirkt befremdlich, oft erst auf den zweiten Blick.
Meistens hat FASD das Ausmaß einer Behinderung. Betroffene benötigen als Kinder und Jugendliche am besten rund um die Uhr spezielle und intensive Unterstützung in allen Lebensbereichen und sind als Erwachsene dennoch nicht imstande, eigenständig zu leben. Trotzdem gibt es auch heute noch Ärzte und Hebammen, die Schwangeren ein Gläschen Sekt zur Entspannung empfehlen. Das ist nach Meinung von Susanne Weidling skandalös.

Was kennzeichnet Menschen mit FASD?
Für diese Frage ist Susanne Weidling dankbar, denn sie gibt ihr die Gelegenheit, zuerst die positiven Eigenschaften der Betroffenen zu nennen. Sie können fröhlich, zugewandt, hilfsbereit, charmant, kreativ, humorvoll sein, sind bestrebt zu gefallen, verblüffen immer wieder durch theoretische Kenntnisse und nehmen mit Humor und unorthodoxen Methoden angebotene Hilfe gern an. Nicht zuletzt bestechen sie durch ihre lustigen, überraschenden, unerwarteten, liebenswerten, wunderbaren Seiten. Andererseits sind da gleichzeitig die neuropsychologischen Störungen, die ihre Denkfähigkeiten einschränken, z.B. das Abstrahieren. Das bedeutet, sie können abstrakte Konzepte, wie Geld, Mengen und Zeit nicht verstehen. Dadurch kommen sie entweder zwei Stunden zu früh zur Bushaltestelle, zu Terminen, usw., oder sie kommen eine Stunde zu spät, können nicht einschätzen, wie viel Zeit sie für den Weg zur Haltestelle oder zum Arzt benötigen und können nicht überblicken, ob ihr Geld für eine Fahrkarte reicht. Ähnlich liegt es beim Generalisieren, Differenzieren und Antizipieren. Das sind Fähigkeiten, auf die jeder Mensch zwingend angewiesen ist, um mit alltäglichen, auch ganz banalen Herausforderungen angemessen umzugehen. Wegen dieser fehlenden Alltagskompetenzen sind sie außerdem stark gefährdet und prädestiniert, zu Opfern zu werden.
Frau Weidling möchte in der Region dazu beitragen, dass es Menschen mit FASD einigermaßen gut geht, schon jetzt. Ein weiterer Grund ist ihr Sohn, der im Alter von zwei Wochen zu ihnen kam, laut Jugendamt ein Sahnetörtchen, was er tatsächlich auch ist, aber mit FASD. Ihre tollen Eigenschaften können sie aber nur dann zeigen, wenn es ihnen gut geht, also wenn sie FASD-spezifisch betreut werden. Dazu möchte sie mit ihrem Know-how und mit ihrer mehr als 20-jährigen Erfahrung beitragen.
Die Handvoll Eltern, die sich seit etwa einem dreiviertel Jahr, bisher zum Thema FASD und Wohnen schon trifft, möchten die Gruppe erweitern und öffnen für alle FASD-Belange und für alle Eltern, die es leid sind, allein gegen Windmühlen zu kämpfen und die den förderlichen Austausch über ihre Anliegen mit anderen Betroffenen zum Wohl ihrer FASD-Kinder suchen.
Interessierte können sich vorab telefonisch unter 0152 / 0 49 17 8 17 oder per Mail an info@fasd-empowerment.de bei Susanne Weidling melden. Sie nimmt Fragen und Anregungen gern entgegen.

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