Kommunalwahl im Visier
ZEHN Fragen an den Landrat

Landrat Dr. Ansgar Müller
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Der Stadtjugendring vertritt junge Menschen in Wesel und nicht nur die Mitglieder seiner Mitgliedsverbände. Darunter 16jährige, die schon wählen dürfen und auch jüngere, die noch nicht einmal zur Kommunalwahl wählen dürfen.
Wie bringt man ein "langweiliges" Thema wie die Kreisverwaltung richtig rüber? - fragten wir uns. Der Stadtjugendring Wesel ist politisch neutral. Werbung für oder gegen jemanden im Zuge der Kommunalwahl kommt daher nicht infrage. In einem Artikel alle Kandidat*innen zu Wort kommen lassen, geht nicht - aber wir kennen da jemanden, der nach 16 Jahren Amtszeit seinen Hut als Landrat an den Nagel hängt. Er steht nicht mehr zur Wahl und da lässt sich schön plaudern.

Wir stellen daher

Zehn Fragen an Dr. Ansgar Müller

René Müller und Petra Schulz sind beide 16 Jahre alt. Sie machen noch keinen Führerschein und das ist im Erleben vieler Menschen oft der erste und häufig der einzige bewusste Berührungspunkt mit der Kreisverwaltung. Was sagen Sie als Landrat des Kreises Wesel den beiden, warum sie den Kreistag wählen sollen?

Dr. Müller: Die Wahl des Kreistags ist von großer Bedeutung für Menschen jeden Alters im Kreis Wesel. Der Kreistag trifft politische Entscheidungen über sämtliche Themen, für die die Kreisverwaltung Wesel zuständig ist. Dabei geht es bei Weitem nicht nur um Fragen rund um den Führerschein oder Fahrzeugzulassungen. Ob im Natur- und Umweltschutz, in der Landwirtschaft, in der Sicherheit und Ordnung, bei sozialen Hilfen, in der Pflege, im beruflichen Schulwesen, in der Wirtschaftsentwicklung oder im Gesundheitswesen – durch die Wahl des Kreistags entscheiden auch junge Menschen demokratisch mit, wie sich der Kreis Wesel in Zukunft in zahlreichen wichtigen Lebensbereichen entwickeln wird. Nutzt also die Möglichkeit, durch euer Wahlrecht kommunalpolitisch teilzuhaben. Für euch und für den gesamten Kreis Wesel.

Wo beeinflusst der Kreis das Leben seiner Bürger am meisten?

Dr. Müller: Die Kreisverwaltung Wesel ist für zahlreiche Anliegen der Bürgerinnen und Bürger von hoher Bedeutung. Die Bürgerinnen und Bürger kommen mit der Arbeit der Kreisverwaltung am meisten in Berührung bei Führerscheinen und Fahrzeugzulassungen, in den Berufskollegs und Förderschulen, beim BAFÖG und Elterngeld, als Schwerbehinderte, bei der Jagd und Fischerei, bei Angelegenheiten des Gesundheitsamts sowie als Kreisjugendamt für die Gemeinden Alpen, Hamminkeln, Hünxe, Neukirchen-Vluyn, Schermbeck, Sonsbeck und Xanten.

Nochmal anders gefragt: Macht der Kreis etwas, was die Bürgerinnen und Bürger in der Regel nicht merken, was sie aber vermissen würden, wenn es den Kreis nicht gäbe?

Dr. Müller: Es gibt zahlreiche Aufgaben des Kreises, die Bürgerinnen und Bürger in der Regel nicht merken, die aber überaus wichtig für das Leben im Kreis Wesel sind. Das fängt bei den Kreisstraßen an, geht weiter mit der Lebensmittelaufsicht und der Überwachung des Trinkwassers und umfasst beispielsweise auch den Umwelt- und Naturschutz. Gerade für die Stadt Wesel spielt auch die Kreis-Aufgabe der Unteren Wasserbehörde eine große Rolle, um den Rhein und den Auesee sauber zu halten. So wird nicht nur die Natur geschützt, sondern auch dafür gesorgt, dass das tolle Freizeitangebot an der frischen Luft aufrechterhalten wird.

Die jüngsten Wählerinnen und Wähler, die am 13. September an die Wahlurne gehen, sind 16 Jahre alt. Die kennen keinen anderen Landrat als Sie, denn Sie sind seit 2004 im Amt und sogar schon acht Jahre länger in verantwortlicher Stellung in der Kreisverwaltung aktiv.
Was muss man für Voraussetzungen mitbrigen, um den Job zu machen?

Dr. Müller: Um das Amt der Landrätin oder des Landrates wahrzunehmen, sind Erfahrungen sowohl in der Politik als auch in der Verwaltung hilfreich. Als Chef/in der Kreisverwaltung ist sie/er für die gesamte Verwaltung und ihre Entscheidungen verantwortlich und repräsentiert den Kreis, z.B. auch gegenüber der Landesregierung. Neben einer gewissen Standhaftigkeit sind vor allem auch Kompromissfähigkeit und lösungsorientiertes Denken Grundvoraussetzungen für ein solches Amt.

Wie sieht denn so ein typischer Arbeitstag des Landrats aus? – schwierig kurz zu beantworten, aber versuchen Sie es mal:

Dr. Müller: Als Leiter der Kreisverwaltung Wesel und der Kreispolizei treffe ich laufend Entscheidungen für verschiedenste Themengebiete. Daher sind meine Arbeitstage durch viele Besprechungen geprägt. Als oberster Repräsentant des Kreises Wesel bin ich viel unterwegs, zum Beispiel zu Terminen bei übergeordneten Behörden, wie dem Regionalverband Ruhr oder dem Land NRW. Darüber hinaus führe ich viele Gespräche mit der Bürgermeisterin und den Bürgermeistern im Kreis Wesel und zahlreichen Organisationen aus Gesellschaft und Wirtschaft.

Was war für Sie persönlich die größte Herausforderung in Ihrer Amtszeit (jetzt mal losgelöst von Corona)?

Dr. Müller: Das Issel-Hochwasser in 2016 war der erste sogenannte Katastrophenfall im Kreis Wesel. Da war eine Menge Koordinierungsarbeit nötig, da auch viele Feuerwehrleute aus anderen Kreisen angefordert wurden und das Medieninteresse enorm war.
Der Kreis ist ja Träger der Berufskollegs und die gilt es natürlich zukunftsfähig aufzustellen. Die Planungen und der politische Entscheidungsprozess zum Bau des Berufskolleg Campus in Moers, dem mit über 100 Mio. Euro größten Bauvorhaben in der Kreisgeschichte, waren äußerst langwierig und anspruchsvoll.

Irren ist menschlich heißt es. Was war aus Ihrer Sicht der größte Fehler in Ihrer Amtszeit, bzw. was hätten Sie im Nachhinein betrachtet lieber anders gemacht?

Dr. Müller: Es gehört zum Leben dazu, dass man im Nachhinein bestimmte Entscheidungen lieber anders getroffen hätte. Aus meiner eigenen Sicht war glücklicherweise kein großer Fehler dabei.

Hand aufs Herz – der Kreis Wesel besteht aus 13 Städten und Gemeinden – welche haben Sie davon in Ihrer Zeit beim Kreis am liebsten gewonnen?

Dr. Müller: Keine Mutter und kein Vater mit mehreren Kindern sollte eins oder einzelne von ihnen mehr lieben als die anderen. Mir sind alle Gemeinden und Städte im Kreis gleich wichtig. Ob landschaftlich, industriell oder gesellschaftlich – jede einzelne Kommune prägt den Kreis Wesel auf unterschiedliche und ganz tolle Art und Weise. Und eins haben die Kommunen sowieso alle gemeinsam: herzliche, ehrliche und weltoffene Menschen, die sich in großem Maße für die Gesellschaft ehrenamtlich engagieren.

Die Kommunalwahl bedeutet das Ende Ihrer Dienstzeit beim Kreis Wesel.
Haben Sie schon Pläne für die Zeit danach?

Dr. Müller: Meine Zeit beim Kreis Wesel war unglaublich schön, aber natürlich auch ziemlich herausfordernd. Im Anschluss an meine Amtszeit werde ich mit meiner Frau reisen und den Niederrhein weiterhin privat erkunden. Das ein oder andere Spiel von Borussia Mönchengladbach darf natürlich auch nicht fehlen.

Jetzt sind wir schon am Ende des Fragebogens angekommen. Und als Letztes haben Sie einen Wunsch frei.
Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger / Ihrer Nachfolgerin?

Dr. Müller: Meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger wünsche ich vor allem genau so viel Freude an der Amtszeit, wie ich sie hatte. Aber auch die nötige Ausdauer und das dazugehörige Engagement. Und eines kann ich garantieren: Der Einsatz lohnt sich!

Herr Dr. Müller, wir vom Stadtjugendring Wesel schließen uns diesen Wünschen an. Vielen Dank, dass Sie sich die Zei genommen haben, unsere Fragen auf so informative Art zu beantworten. Ihnen selbst wünschen wir alles erdenklich Gute und viel Neugier, um Neues in nah und fern zu entdecken.

Landrat Dr. Ansgar Müller
Landkarte Kreis Wesel
Autor:

Stadtjugendring Wesel (Silke Villbrandt) aus Wesel

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