Interview mit Julia Bluhm aus Wesel, die mit ihrer Familie in Australien festsitzt
Die Grenzen waren Mitte März dicht - aber Restaurants und Bars noch immer gut besucht

Mit Mama und Papa am Strand,
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Es sollte eine Zeit des abenteuerlichen Ausspannens und des Kennenlernens werden. Doch die Australienreise von Julia Bluhm (18) aus Wesel endete nicht so schön wie sie begonnen hatte.

Vor rund einem Monate begann auch "Downunder" die Corona-Panik. Einige Wochen zuvor hatte sie noch in Melbourne gearbeitet, bevor sie nach Bisbane ging, um dort einem Job als Au Pair-Kraft nachzugehen. Mittlerweile hatte das Coronavirus den Continent erreicht, das Drama nahm seinen Lauf ...
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Interview

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dibo: Hallo Julia, bitte beschreib‘ mal, wie du die letzten Monate verbracht hast. 
Julia: Ich bin Anfang September 2019 mit meinem Working Holiday Visum nach Australien gekommen, um dort work and travel zu machen. Angekommen bin ich in Sydney und kurz darauf bin ich nach Melbourne gezogen. Dort habe ich für ungefähr drei Monate in einem Café gearbeitet.
Anfang Januar ging es für mich dann nach Brisbane, wo ich für etwa sechs Wochen als Au pair in einer Familie gelebt habe. Dann war es auch schon so weit und meine Eltern sind Anfang März eingereist, um mich zu besuchen. Die letzten drei Wochen sind wir an der Ostküste von Australien entlang gereist.
Der ursprüngliche Plan war, dass meine Eltern am 23. März zurück nach Deutschland fliegen und ich für zwei Wochen nach Neuseeland und mich dort mit The Compliments (Nico Steger, David Rohmann) zu treffen. 

dibo: Wann etwa hat man begonnen, sich in Australien Sorgen wegen der Pandemie zu machen und wann wurde es fühlbar ernst?
Julia: In Australien hat man sich ziemlich spät Sorgen über die Pandemie gemacht. Das Leben hier hat sich noch sehr lange normal abgespielt, während es in Europa bereits drunter und drüber ging.
Ungefähr Anfang März haben die Leute angefangen, sich Sorgen zu machen. Viele Menschen fingen mit den Hamsterkäufen an, welches hier ebenfalls ein großes Problem ist. Mitte März wurde es dann ernster, als Australien die Grenzen zu gemacht hat, jedoch waren die Straßen, Restaurants und Bars immer noch gut besucht. Kurz darauf wurde dann fast alles dicht gemacht, selbst die Grenzen zwischen den verschiedenen Staaten wurden jetzt zu gemacht. 

dibo: Gab es kritische Situationen, in denen Du Angst bekommen hast?
Julia: Bis jetzt gab es nicht wirklich kritische Situation, in denen ich wirklich Angst bekommen habe. Ich habe keine Angst den Virus zu bekommen, sondern eher Angst andere Leute anzustecken ohne, dass ich es überhaupt weiß. Zu dem habe ich Sorgen, dass es noch Wochen bis Monate dauert bis meine Eltern und ich wieder zurück nach Wesel kommen können, da der Flug meiner Eltern bereits zwei Mal gestrichen wurde und es kaum noch Fluggesellschaften gibt, die nach Frankfurt fliegen.  

dibo: Sind die Australier grundsätzliche andere Menschentypen als wir? Wie gehen Sie mit der Situation um?
Julia: Generell würde ich auf jeden Fall sagen, dass die Australier andere Menschentypen sind als die Deutschen. Sie wirken freundlicher und sind viel offener im Vergleich.
Doch in Krisensituationen würde ich sagen sind fast alle gleich. Viele verfallen in Panik und beginnen mit Hamsterkäufen und andererseits gibt es auch viele, die es nicht Ernst genug nehmen.

dibo: Welche Variante der Ausgangsbeschränkung gilt dort (hat Euch das sehr eingeschränkt in Euern Plänen)? 
Julia: Die Ausgangsbeschränkungen in Australien sind von Staat zu Staat anders, jedoch ähnlich. Die meisten Geschäfte und Bars sind geschlossen, einige Restaurants sind noch geöffnet, aber diese bieten Essen nur zum Mitnehmen an oder haben ein Limit an Gästen, die im Restaurant sitzen dürfen.
Das was uns am meisten einschränkt, ist dass wir nicht über die Grenzen zwischen den Staaten innerhalb Australiens kommen. Das heißt, wenn wir von New South Wales nach Queensland einreisen möchten, müssen wir zuerst 14 Tage in Quarantäne. Zu dem Zeitpunkt hat man es dann wirklich gemerkt wie ernst es ist. Eine Ausgangssperre gibt es jedoch noch nicht. 

dibo: Seit wann ist deine Familie bei Dir und wie liefen die letzten Tage für Euch?
Julia: Meine Eltern sind seit dem 2. März in Australien, meine Schwester konnte leider nicht mit, aufgrund ihres Studiums. Die letzten Tage waren ein wenig nervenaufreibend, da wir nicht wussten was wir tun sollen. Unsere Flüge nach Deutschland wurden gestrichen, Fluggesellschaften haben nach und nach verkündet, dass sie nicht mehr fliegen und das Honorarkonsul in Brisbane konnte uns auch nicht weiterhelfen. Wir haben uns zwar eingeschrieben beim auswärtigen Amt für das Rückholprogramm, jedoch könnte es Wochen dauern bis wir wieder in Deutschland sind.
Wir haben uns versucht nicht verrückt zu machen und die Zeit hier am Strand zu genießen. Es gibt definitiv schlimmere Orte, an denen man feststecken kann, aber nach Hause wollen wir trotzdem alle so schnell wie möglich.

dibo: Was genau ist jetzt angesagt und wie sind Eure Hoffnungen?
Julia: Mit Glück haben wir über ein Reisebüro noch einen bezahlbaren Flug am 7. April bekommen, aber wir können uns noch nicht so richtig freuen, da wir Angst haben, dass der Flug erneut abgesagt wird. Also hoffen wir einfach das alles glatt laufen wird und wir unseren Flug antreten können und meine Familie und ich alle gesund bleiben werden.

dibo: Hattest Du oft Kontakt nach Deutschland (und bist Du im Thema über die Corona-Situation hierzulande)?
Julia: Kontakt nach Deutschland habe ich immer noch sehr viel. Ob es die Familie ist, wie meine Schwester oder meine Großeltern und meine besten Freunde. Ich verfolge die Situation mittlerweile sehr stark in Deutschland. Anfangs habe ich den Virus ehrlich gesagt unterschätzt, wie viele andere, jedoch habe ich es in Deutschland mehr verflogt als in Australien, da die Situation in Deutschland viel schlimmer ist.
Ich höre natürlich viel von meinen Freunden, wie es sich momentan abspielt, daher werde ich gespannt sein, wie es ist, wenn ich wieder zuhause bin. 

dibo: Worauf freust du dich am meisten in der Heimat?
Julia: Ich werde erstmal drei Kreuze machen, wenn ich zuhause ankomme und mich in mein Bett legen kann! Im Moment hoffe ich einfach nur so sehr, dass alles klappen wird. Ich werde Australien sehr vermissen, aber für mich ist es Zeit nach sieben Monaten wieder nach Hause zu kommen.
Ich freue mich am meisten auf meine Familie und meine Freunde. Dazu gehört natürlich auch the Compliments! Ich vermisse es sehr Musik zu machen und darauf freue ich mich total. Bis es erstmal dazu kommt, dass man sich mit Freunden treffen kann, wird es wahrscheinlich noch etwas dauern, aber die Gesundheit geht vor.
Dazu freue ich mich auch auf die kleinen Dinge, wie zum Beispiel gute deutsche Frühstücksbrötchen. Obwohl es viele Leckereien in Australien gibt, werden sie das gute deutsche Brot nicht überbieten! 

dibo: Bedanke mich ganz herzlich bei Euch, wünsche Euch gute Nerven und dass ich bald heil wieder im kuscheligen Wesel seid. Guten Geburtstags-Rückflug! ^^

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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