Zehn Jahre Niederrheinbrücke - Rückschau, Interview, einige Daten und - Achtung: ein FOTOWETTBEWERB !!!
Hans Löckmann: "Mein persönliches Highlight!"

Hans Löckmann blickt durchweg positiv auf den Brückenbau zurück.
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  • Hans Löckmann blickt durchweg positiv auf den Brückenbau zurück.
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Im November feiert ein besonderes Weseler Bauwerk seinen ersten kleinen runden Geburtstag: die Niederrheinbrücke wird zehn Jahre alt.

Am 30. November 2009 wurde die an Stromkilometer 814 gelegene Rheinquerung mit viel Tam-Tam für die Öffentlichkeit und den Verkehr freigegeben - mit rund vierwöchiger Verspätung gegenüber dem ursprünglich anvisierten Eröffnungsdatum. Danach folgten der Abriss der alten Straßenbrücke sowie der Baubeginn der beiderseits des Rheins anzuschließenden Umgehungsstraßen. Die Jahre davor gestalteten sich für die "Macher" als hochspannende Sache. Wegen der technischen Jungfernfahrt und einer ungünstigen Insolvenz.
 
Wir gefragten den damals für Planung und Bau verantwortlichen Bauleiter Hans Löckmann. Der blickt voller Begeisterung, positiver Erinnerungen und mit leuchtenden Augen auf die Bauphase zurück.

dibo: Mit welchem Gefühl fahren Sie heute über die Weseler Rheinbrücke?
Löckmann: Ich freue mich jedes Mal daran erinnert zu werden, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, eine derartige Bauaufgabe betreuen und gestalten zu können. Besonders schön finde ich, dass das Bauwerk mittlerweile in Wesel in vielen Bereichen gegenwärtig geworden ist (Werbung usw.).

dibo: Sehen Sie das Bauwerk als schöpferische Krönung ihres Arbeitslebens? 
Löckmann: Der Bau der Rheinbrücke ist sicher der Höhepunkt meines Berufslebens, vor allem da ich die Möglichkeit hatte, das Objekt von der Wiege (Planung) bis zur Vollendung zu begleiten. In den vorangegangenen Berufsjahren hatte ich mich mit dem Bau von Großbrücken im Rheinland beschäftigt, aber wie der Brückenbauleiter des Bundesverkehrsministeriums einmal ausgeführt hatte, stellt der Bau einer Rheinbrücke die Königsdisziplin dar. In 2012 war die Brücke daher auch für den Deutschen Brückenbaupreis nominiert.

dibo: Hat die Brücke technische Finessen, die ihr wartungs- oder bestandsmäßig Vorteile gegenüber vergleichbaren Bauwerken verschaffen?
Löckmann: Vor allem die Seilaufhängung der stählernen Strombrücke war vor 10 Jahren eine Neuheit, die in Deutschland vorher erst bei der damals neuen Rügenbrücke angewendet worden war. Das System der „Litzenbündel“ anstelle der bisher verwendeten Stahlseile bedeutet einen wesentlich geringeren Erhaltungsaufwand sowie die Möglichkeit der Auswechselung einzelner Bestandteile des Systems. Beim Pylon wurde zum ersten Mal „hochfester“ Beton verwendet, um ein möglichst schlankes Erscheinungsbild in der flachen Niederrheinlandschaft zu erzielen.

dibo: Erinnern Sie sich an Einzelheiten aus der Bauphase, die Sie besonders aufgeregt hatten?
Löckmann: Für die größte Aufregung während der Bauzeit hat die Insolvenz des Arge Partners Donges gesorgt. Die Fa, Donges war für den gesamten Stahlbau mit dem Hauptteil Strombrücke zuständig. Zum Zeitpunkt der Insolvenz war diese erst zu etwa 2/3 fertiggestellt. Zum Glück wurde dann nach doch kurzer Zeit eine Lösung gefunden, die die Fertigstellung der Brücke garantierte. Im anderen Fall hätten die Restarbeiten neu ausgeschrieben werden müssen, was zu einem wesentlich längeren Stillstand geführt hätte.

dibo: Bitte sagen Sie etwas zur Beleuchtung und zum Radweg entlang der Brücke!
Löckmann: Die abendliche Anstrahlung der Brücke finde ich sehr gelungen, sie macht das Bauwerk zu einem markanten Erscheinungsbild.Die Radwege beidseitig der Brücke wurden als kombinierte Rad- und Gehwege nach den neuesten Erkenntnissen konzipiert und sind meines Erachtens mit dem Rad sehr gut befahrbar. Die Probleme an den Bauwerksenden (Fahrbahnübergänge) wurden in der Zwischenzeit abgemildert.

Eine Beleuchtung der Radwege schließt sich meines Erachtens aus, da die Brücke außerhalb des Stadtgebietes auf freier Strecke liegt.

dibo: Welches Bauwerk ist für Sie das bekannteste in Wesel? 
Löckmann: Der Dom stellt für mich das markanteste Bauwerk in Wesel dar. Weiterhin ist die Zitadelle ein sehr schönes Eingangstor zur Stadt für die aus Westen kommenden Besucher. Die Rekonstruktion der Rathausfassade hat zu einer Aufwertung des Großen Markts geführt, allerdings besteht Verbesserungsbedarf an einigen Fassaden der umgebenden Häuser.
Mein persönliches Highlight aber bleibt die Rheinbrücke.

dibo: Was glauben Sie: Wann muss Wesel über die erste Kernsanierung der Niederrheinbrücke nachdenken?
Löckmann: Die Stadt Wesel kann sich zurücklehnen, da die Unterhaltung der Bundesstrassenverwaltung obliegt. Die Brücke ist vor jetzt 15 Jahren nach den damaligen neuesten Erkenntnissen zu Belastungsannahmen und Baustoffen konzipiert und gebaut worden mit einer zu erwartenden Lebensdauer von 100 Jahren.

dibo: Wenn Sie erst Ende Fünfzig wären, würden Sie nochmal die Bauleitung für ein solches Projekt übernehmen? 
Löckmann: Die Aufgabe der Planung, Ausschreibung und Überwachung einer derartigen Baumaßnahme würde ich sofort wieder übernehmen.

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Hintergrund-Infos ...

Die Weseler Schrägseilbrücke hat eine Gesamtlänge von 772,5 Metern, mehr als die Hälfte dieser Strecke führt über den Uferbereich des Rheins. Die Fahrbahn ist 27.5 Meter breit. Der Pylon, an dem die rot ummantelten Tampen befesttigt sind, ist 131 Meter hoch. In der Bauphase wurden 27.675 Kubikmeter Beton und 9.490 Tonnen Stahl verbaut. Die Kosten fürs Bauwerk: 50 Millionen Euro.
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Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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