Bürgerversammlung zum Spix Bauvorhaben im Hanseviertel

v.l.n.r.: Dr. Jo Becker, Brigitte Langwald, Franz Niederstraßer
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Über 40 Interessierte kamen zur Bürgerversammlung ins Haus Vivaldi von Spix, um über das Anbauvorhaben (sechs bis acht Einzel-Wohneinheiten) am Wohnhaus Salzwedeler Straße zu reden. Bewohner anderer Wohneinrichtungen und Mitarbeiter von Spix, Nachbarn der Salzwedeler Straße und Ratsmitglied und WfW-Vize Jürgen Lantermann wollten mitreden.

Die Bewohner des Hauses selbst waren nicht gekommen. Ein in der Tageszeitung erschienener Artikel zum Thema hätte sie teilweise verletzt, erklärte Franz Niederstraßer, Teamleiter für das Haus in der Salzwedeler Straße, die Abwesenheit. Neben ihm stellten sich Dr. Jo Becker, Geschäftsführer Spix und Brigitte Langwald, Fachbereichsleiterin für die stationären Wohnangebote den Sorgen und Fragen der Diskussionsteilnehmer.

Thomas Gerull als direkter Nachbar schilderte einige erlebte, ihm Angst machende Szenen – Nachbarn wurden mit Steinen beworfen, nachts laute Musik, er, seine Frau Birgit und andere „wurden in übelster Fäkalsprache lauthals beschimpft“ oder Polizeieinsätze mit Abführen eines Bewohners. Dr. Becker räumte ein, dass es wohl Irritationen, sogar Polizeieinsatz im Haus Alia schon gab, jedoch „in keinem einzigen Fall wegen Gefährdung anderer Menschen“.

Isabell Janzen, Mutter von 4 Kindern, kann dies nur bestätigen. Seit 2007 psychisch erkrankt (Borderline), nach Suizid-Versuch 2010 zu Spix gekommen, ist „froh, dass Menschen für mich da sind“. Sie bestätigt Dr. Beckers Worte: „Viele psychisch Kranke sind gewalttätig, aber gegen sich selbst. Ich denke und hoffe, wir kommen hier zu einer Lösung.“

Madeline Sujatta, Befürworterin des Anbaus, sprach aus Erfahrung: „Ich bin schwer krank, habe eine kleine Tochter und bin seit Anfang des Jahres bei Spix. Durch Spix finde ich wieder einen Sinn im Leben und ein Anbau wäre für diese Menschen positiv.“

Ralf und Birgit Dudda, seit 1999 direkte Nachbarn von Haus Alia, fanden es nicht gut, dass im Haus die Feuermelder angingen und kein Betreuer vor Ort war.
Niederstraßer erklärte, für Haus Alia seien Betreuer nicht rund um die Uhr anwesend vorgesehen, es handele sich um ein offenes Haus, allerdings halte man Rufbereitschaft vor. Er überreichte Familie Dudda sofort eine Visitenkarte mit Telefonnummern, außerdem sei im (offenen) Haus ein Münzfernsprecher, dort einen Knopf drücken und „der Kontakt zu uns steht, kostenlos“.

Jürgen Lantermann berichtete über das Wohnprojekt Cassiopeia in seiner eigenen Nachbarschaft und ist auch im Hinblick auf Haus Alia der Überzeugung: „Kranke Menschen sollen Bestandteil unserer Gesellschaft sein und am öffentlichen Leben teilnehmen.“ Und für sie Wohnungen anmieten sei sehr schwer. Sein Fazit zur Diskussion: Mangelnde Kommunikation im Vorfeld.

Auch Dr. Becker findet: „Der heutige Abend früher wäre sicher besser gewesen.“
Er freute sich wegen der vielen Besucher, „das zeigt Interesse. Diskussionen führen nicht unbedingt zur Änderung der eigenen Meinung, aber wenn man einander zuhört, entsteht mehr Verständnis. Das ist heute gelungen, ein offener Austausch der Sorgen und die Sichtweise der Menschen mit seelischen Problemen.“
Er versprach den Anwesenden: „Wenn die endgültigen Pläne für den Anbau da sind, werden wir Ihnen diese vorstellen.“

Autor:

Jutta Kiefer aus Wesel

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