Erfolgreich nach Umschulung: „Jetzt bin ich wieder eine Fachkraft!“

Fachkräfte sind gefragt.

Kreis Kleve. Bei der Suche nach Fachkräften sind Arbeitgeber gut beraten, auch ältere Bewerber stärker ins Blickfeld zu nehmen, insbesondere wenn sie aktuelle Qualifikationen mitbringen. Jan Draganski aus Issum war bereit sich weiterzubilden, begann mit Mitte 50 eine Umschulung und fand danach sofort eine Stelle.

„Ich würde glatt noch mal eine Umschulung machen“, sagt Jan Draganski und lacht. Dabei liegen zwei Jahre lernen mit anschließender Prüfung zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit gerade erst hinter dem 57-Jährigen aus Issum. Als er arbeitslos wurde, schrieb er rund 100 Bewerbungen in seinem ursprünglichen Beruf als Maschinen- und Anlagenführer – und wurde lediglich zwei Mal eingeladen. Im Gespräch mit seinem Arbeitsvermittler in der Arbeitsagentur Geldern ging es daher bald um eine Umschulung. „Ich wollte unbedingt eine Umschulung machen, um später einen guten Job zu finden. Zum Aufhören bin ich noch zu jung“, so Draganski. Immerhin liegen noch rund zehn Arbeitsjahre vor ihm.

Nach einer Begutachtung durch den Berufspsychologischen Service der Agentur für Arbeit, wie es vor einer kostenintensiven Umschulung üblich ist, gab es grünes Licht. „Einen neuen Beruf zu lernen hat mir sehr viel Spaß gemacht“, bilanziert Draganski. Schwer fand er den Stoff nicht. Im Gegenteil: Er war nicht nur der Älteste in der Klasse, sondern auch der Beste. Mit 78 Punkten schloss er seine Prüfung ab. „Von nichts kommt nichts“, sagt der gebürtige Pole dazu. „Ich wollte nicht als Hilfsarbeiter irgendwo anfangen. Jetzt bin ich wieder Fachkraft!“

Bei den Arbeitgebern kam er mit seinen Bewerbungen gut an. Auf fünf Bewerbungen erhielt er drei Angebote. „Die Arbeitgeber sehen sich auch den beruflichen Werdegang an“, glaubt Draganski. Über 30 Jahre hat er gearbeitet – und Erfahrungen gesammelt mit Kunden, Mitarbeitern und Vorgesetzten. Den Sicherheitsbereich hält er sogar für besonders geeignet für Lebensältere: „Es wird weniger mit Kraft und mehr mit Köpfchen gearbeitet. Wenn man Kraft braucht, hat man vorher etwas falsch gemacht.“ Entschieden hat er sich schließlich für ein namhaftes Unternehmen in der Branche – auch wenn er dafür einen weiteren Arbeitsweg in Kauf nehmen muss. Während der ersten Zeit unterstützt ihn die Arbeitsagentur mit Fahrkosten. „Perfekt“, findet er. „Ich habe nie gedacht, dass ich mal arbeitslos werde. Heute weiß ich, dass das jedem passieren kann. Aber ich bin zufrieden und dankbar, dass ich diese Unterstützung bekommen habe.“

Barbara Ossyra, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Wesel, unterstreicht: „Die Bereitschaft zur Weiterbildung verbessert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt, das zeigt dieses schöne Beispiel sehr deutlich. Aber auch bei den Arbeitgebern liegt Verantwortung, wenn sie künftig ihren Fachkräftebedarf decken möchten. Die Bewerbungen von Älteren auszusortieren, wie es leider noch zu häufig passiert, ist nicht zielführend und lässt Potenziale ungenutzt. In diesem Fall war es erfreulicherweise anders.“

Hintergrundinformation: Ältere Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt

Die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen nimmt seit einiger Zeit zu. So waren am 31.12.2017 (aktuell verfügbare Daten) im Kreis Kleve 17.781 Menschen zwischen 55 bis unter 65 Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das entspricht einem Anteil von 18,1 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr hat die Beschäftigung in dieser Altersgruppe um 1.315 Personen oder 8,0 Prozent zugenommen (insgesamt +2,9 Prozent). Das größte Beschäftigungswachstum aller Altersgruppen zeigt einerseits einen demografischen Effekt ist, da diese Altersgruppe stetig größer wird. Andererseits ist es auch ein Hinweis darauf, dass die Fähigkeiten und Kompetenzen älterer Menschen von Unternehmen benötigt werden.

Einmal arbeitslos, ist es jedoch für ältere Arbeitslose über 55 Jahren nach wie vor schwierig, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. Aktuell (Juli 2018) waren im Kreis Kleve 1.985 Arbeitslose 55 Jahre und älter. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist ihre Zahl um 2,2 Prozent (-44 Personen) zurückgegangen. Damit fällt die Entwicklung unterdurchschnittlich aus, insgesamt ging die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um 9,4 Prozent zurück. Unter den älteren Arbeitslosen, die im Kreis Kleve von der Agentur für Arbeit betreut werden, besitzen rund drei Viertel (75,7 Prozent) eine abgeschlossene Ausbildung, während es bei allen Arbeitslosen im Rechtskreis SGB III rund zwei Drittel sind (67,4 Prozent). Demzufolge suchen rund 60 Prozent der Älteren eine Stelle als Fachkraft. Im Durchschnitt sind ältere Personen 233 Tage arbeitslos gemeldet, während die durchschnittliche Dauer bei allen Arbeitslosen bei 137 Tagen liegt.

Kontaktdaten für Arbeitgeber bei Fragen zur Fachkräftesicherung und Förderungen: Hotline 0800 45555 20 (kostenlos) oder Wesel.Arbeitgeber@arbeitsagentur.de

Autor:

Sabine Hanzen-Paprotta (Agentur für Arbeit Wesel) aus Wesel

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